Hessus an Camerarius, 1526-1533 az

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Werksigle OCEp 0216
Zitation Hessus an Camerarius, 1526-1533 az, bearbeitet von Manuel Huth (15.08.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0216
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. C6v -C7r
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Helius Eobanus Hessus
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum ermitteltes Datum: zwischen 1526 und 1533 (im Druck o.D.); s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn 1526
Unscharfes Datum Ende 1533
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort Nürnberg
Gedicht? nein
Incipit Illuseras heri inter pocula
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH
Gegengelesen von
Datumsstempel 15.08.2019
Werksigle OCEp 0216
Zitation Hessus an Camerarius, 1526-1533 az, bearbeitet von Manuel Huth (15.08.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0216
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. C6v -C7r
Fremdbrief? nein
Absender Helius Eobanus Hessus
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum ermitteltes Datum: zwischen 1526 und 1533 (im Druck o.D.); s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn 1526
Unscharfes Datum Ende 1533
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort Nürnberg
Gedicht? nein
Incipit Illuseras heri inter pocula
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Datumsstempel 15.08.2019


Enstehungs- und Zielort mutmaßlich.

Hinweise zur Datierung

Vermutlich in der Zeit entstanden, in der Camerarius und Hessus gemeinsam in Nürnberg wirkten (1526-1533).

Regest

Camerarius habe gestern über den Bechern seinen Spott getrieben mit Hessus (Cic. fam. 7, 22). Mit diesen Worten – Hessus verwende absichtlich pocula und nicht scyphi - habe er Cicero nur nachahmen und nicht abschreiben wollen, den Camerarius so sehr schätze, dass er gar keine anderen Autoren neben ihm gelten lassen wolle (s. Anm.). Deshalb habe Camerarius neulich auch das initale und irgendwelche anderen Dinge abgelehnt, an die sich Hessus nicht mehr erinnern könne. Aber Camerarius habe Hessus sicherlich geschickt (σοφιζόμενος) verspottet, als Hessus sagte, er sei eine Nuss und diese Speise passe zu Fischen. Hessus habe dem Spott aber leicht kontern können.

Aber neulich habe ihn ein anderer Mann "in ein Netz getrieben", dem er noch weniger entkommen konnte. Als dieser Mann zu Hessus gekommen sei und ihn gefragt hatte, was er tue, habe Hessus geantwortet: "Als du kamst, habe ich gerade Verse gemacht." Der Mann habe die Antwort des Hessus widerholt und dann gesagt: "Hast du wirklich Verse gemacht, als ich zu dir kam?" Hessus habe entgegnet: "Das habe ich getan." Daraufhin habe der Mann gefragt: "Was hast du gemacht? Etwas, das schon war?" Hessus habe sich über die Frage gewundert und erwidert: "Inwiefern‚ etwas, das schon war?" Der Mann habe gesagt: "Du hast doch gesagt, dass du Verse gemacht hast, und Verse sind doch etwas, also hast du etwas gemacht, das schon war." Da habe Hessus innegehalten, geseufzt und gesagt: "Dann errichtet ein Handwerker aber auch kein Haus. Ein Haus ist doch auch etwas und wenn es schon etwas ist, wie kann dann der Handwerker etwas errichten, das bereits ist?" Der Mann habe geantwortet: "Das Haus wird nicht nur errichtet, sondern wenn ein Haus etwas ist und du es aussprichst, wird es durch dein Wort zu einem Haus." Da habe Hessus begonnen sich über die Macht seiner Sprache zu freuen. Denn wie Camerarius wisse, wohne Hessus in bescheidenen Verhältnissen und mit zu hohen Kosten. Aber dieses Haus, das durch ein Wort entstand, sei auch sofort mit seinem Wort wieder vergangen. Deshalb dürfte dieses Blendwerk nichts genutzt haben. Wozu solle er noch mehr dazu schreiben?

(in Versform:) Wenn Camerarius nicht komme und ihm alles erkläre, könne er davon ausgehen, dass Hessus das traurige Schicksal eines Philetas bevorstehe.

Camerarius solle also schnell kommen und Hessus aus seinen Verstrickungen befreien (me implicitum explicabis). Oder er solle lieber die Lösungsvorschläge (explicationes) des Hessus hören und ein andermal seine Probleme (implicationes) kennenlernen. Hessus werde dabei auch ein weiteres Zitat Ciceros gutheißen, nämlich: "Alles ist voller Narren!" (Cicero, fam. 9, 22). Dann wolle er ihm auch mitteilen, wer "jener Sophist" gewesen sei, der ihn auf diese Weise in seinem Netz gefangen hatte. Hessus habe diesen Brief noch schläfrig beim Frühstück verfasst, um sie beide aufzuwecken. Wenn der Tisch beiseite und die Lebensmittel zurückgestellt seien, werde er erfrischt spazieren gehen. Camerarius solle schnell herkommen. Lebewohl.

(Manuel Huth)

Anmerkungen

  • "keine anderen Autoren neben ihm gelten lassen wolle": Bezug auf einen Streit, der zwischen Hessus und Camerarius anlässlich der Frage entstanden war, ob auch der Stil des Plinius nachzuahmen ist.