Camerarius an Micyllus, 25.10.1536

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Micyllus, nach 09.08.15409 August 1536 JL
Micyllus an Camerarius, 07.06.15XX1533 JL
Micyllus an Camerarius, Hessus und Roting, 15261 Mai 1526 JL
 Briefdatum
Camerarius an Micyllus, 25.10.153625 Oktober 1536 JL
 Briefdatum
Camerarius an Micyllus, 15371537 JL
Camerarius an Micyllus, 04.01.15374 Januar 1537 JL
Camerarius an Micyllus, 13.12.154013 Dezember 1540 JL
Werksigle OCEp 0451
Zitation Camerarius an Micyllus, 25.10.1536, bearbeitet von Manuel Huth und Vinzenz Gottlieb (29.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0451
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. T4v-T5r
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Jakob Micyllus
Datum 1536-10-25
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Jahr mutmaßlich (VIII. Cal. Nov.; im Druck o.J.); s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort Heidelberg
Gedicht? nein
Incipit Philippus Mel(anthon) relicto incredibili desiderio nobis sui
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Krankheit); Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Stellenangebote und Berufungen)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:VG
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 29.06.2023
Werksigle OCEp 0451
Zitation Camerarius an Micyllus, 25.10.1536, bearbeitet von Manuel Huth und Vinzenz Gottlieb (29.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0451
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. T4v-T5r
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Jakob Micyllus
Datum 1536-10-25
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Jahr mutmaßlich (VIII. Cal. Nov.; im Druck o.J.); s. Hinweise zur Datierung
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort Heidelberg
Gedicht? nein
Incipit Philippus Mel(anthon) relicto incredibili desiderio nobis sui
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Krankheit); Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Stellenangebote und Berufungen)
Datumsstempel 29.06.2023


Entstehungsort und Zielort erschlossen: Micyll kehrte erst Mitte 1537 von Heidelberg nach Frankfurt zurück (vgl. MBW – Regesten online, Nr. 1919.3).

Hinweise zur Datierung

Vermutlich im Jahr 1536 entstanden, denn Melanchthon war im September/Oktober 1536 nach Bretten und Tübingen gereist (vgl. Scheible 2016, S. 336. Auch die Erwähnung des Fußleidens macht es wahrscheinlich, dass der Brief noch zu Tübinger Zeiten verfasst wurde.

Regest

Philipp Mel(anchthon) habe Camerarius besucht und sei am 15. Oktober wieder abgereist (vgl. MBW, Nr. 1785-1797, insbesondere Nr. 1795). Wenn alles gut verlaufen sei, müsste er nun bereits wieder zu Hause sein. Er habe den Staat mit solch heilsamen Ratschlägen und Ermahnungen ausgestattet, dass man gar nicht anders könne, als das Beste zu hoffen. So tue es auch Camerarius und warte (währenddessen) auf den Antwortbrief Micylls. Wie es aktuell scheine, werde man wohl bald eine stabile und gefestige Universität (Tübingen) haben. Alles andere sei nicht zu beeinflussen (reliqua sunt ἐξωτερικά), nämlich der Ausgang der Frieden(sverhandlung) und der Kriege. Wo man auch sei, man sei ja überall in Gefahr. Von welchen Menschen und Gruppierungen könne man denn glauben, dass ihnen kein schicksalhaftes Unheil bevorstehe? Über welche Zeit hätte man jemals gehört, dass mehr Prophezeiungen zusammenträfen? Doch vielleicht passe ihre Sorge um das Gemeinwesen nicht zu ihrem Vorsatz der (stoischen) constantia, die sie aus den Schriften zusammengetragen hätten. Sie müssten darauf achten, was für sie besonders wichtig sei und was nicht vernachlässigt werden könne, ohne dass das Ansehen (opinio) der Wissenschaft (prudentia) beschädigt werde. Da es aber (im Moment) nicht schlecht, sondern vielmehr hervorragend um die Lage der Gelehrtenrepublik (scolastica Republ.) bestellt sei, gebe es keinen Grund, nicht Gott das Übrige zu überlassen und nicht hoffnungsvoll zu sein. So jedenfalls denke Camerarius, Micyll solle ihm schreiben, wenn er anderer Meinung sei. Er zweifle nicht, dass Micyll gern bei ihm sein werde, wenn er sich dazu entschließe, hierher (nach Tübingen) aufzubrechen. Er solle ihn über seinen Beschluss so schnell wie möglich informieren.

Nachdem er dies geschrieben hatte und an heftigen Schmerzen im Fuß litt, sei ihm mitgeteilt worden, dass der Fürst (Ulrich von Württemberg?) endlich die Universitätsordnung beschlossen und an den Rat geschickt habe.

Camerarius liege die Verteidigung der studia humanitatis besonders am Herzen, die von den Angriffen so vieler Unwissender bedroht seien. Camerarius werde wie ein tapferer Soldat kämpfen, aber es brauche schon mehr Truppen und Kräfte, um der Verkehrtheit der Mehrheit Widerstand zu leisten.

Lebewohl.

(Michael Pöschmann / Manuel Huth)

Anmerkungen

  • Hintergrund des Briefs sind die Reformen an der Universität Tübingen, zu deren Durchführung Camerarius dorthin berufen worden war. Melanchthon war Anfang Oktober dort gewesen, um daran mitzuwirken.
  • Im Zuge der Reformen wurde mit diesem Brief Micyllus berufen, der aber ablehnte (vgl. MBW, Nr. 1796.2 und 1824.3)