Camerarius an Crato, 12.09.1569: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00005120
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=== Hinweise zur Dateirung ===
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Das Jahr ist aufgrund der Erwähnung der Reise nach Wien sowie aufgrund der Erwähnung der 1569 publizierten [[Melanchthon, Epistolae ad Camerarium, 1569 |Ausgabe mit Briefen von Melanchthon]] gesichert.
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=== Regest ===
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(Der folgende Absatz scheint sich auf Camerarius’ Zeit in Wien von September bis November 1568 zu beziehen. Er war vom Kaiser dorthin eingeladen worden, um bei der Einrichtung der Wiener Universität und wegen anderer religiöser Angelegenheiten zu helfen. Vgl. die Angaben zum Jahr [[Kategorie:1568|1568]]):
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Camerarius werde Cratos Brief von dessen Ende ausgehend beantworten. Denjenigen, der – wie Crato schreibe – die Sache glücklich abgeschlossen habe, beneide er nicht um seinen Erfolg. Er könne den (guten) Grund seines Fortgangs (aus [[Erwähnter Ort::Wien]]) und seine (guten) Absichten, bezeugen und er wisse auch, dass sie Crato bekannt seien. Da er also wisse, dass es nicht seine Schuld sei, dass die Angelenheit damals nicht zustande gebracht werden konnte, könne er den Ausgang ziemlich gelassen ertragen. Hoffentlich werden sich die Lobpreisungen für den guten Abschluss der Sache als begründet erweisen. Aber das werde sich zeigen. Er habe nicht die langen Flöten spielen können, da er nicht für würdig gehalten wurde, an solchen Taten mitzuwirken, oder müsse sich zumindest mit seinem Schicksal zufrieden geben.
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Was Crato in seinen Briefen über sich selbst berichtet habe, mache Camerarius einige Sorgen. Es sei offensichtlich, was für Crato nützlich, ja fast schon notwendig sei. Aber Camerarius sehe die Hindernisse und die Fesseln, durch die Crato zurückgehalten werde, sodass es den Anschein habe, seine Vorhaben ließen sich nicht durch menschliche Ratschlüsse verwirklichen. Crato wisse aber, welche Zuflucht ihm bleibe (nämlich das Gebet zu Gott).
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Überall gehe das Gerücht, dass der polnische König (<i>rex Sarmaticus</i>; [[Erwähnte Person::Sigismund II. August (Polen)|Sigismund]]) in Cratos Heimat ([[Erwähnter Ort::Breslau]]) gekommen sei, und man erzähle viel von seinem prächtigen Aufzug. Der erhoffte Frieden zwischen den baltischen Königen (s. Anm.) sei nicht zustande gekommen. Deshalb sei der Krieg wieder entbrannt. Nirgends verstumme das närrische Geschrei.
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Er wisse, dass Crato Camerarius’ Briefe entweder spät oder gar nicht erhalte.
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(Die folgenden Anmerkungen scheinen sich auf das Altenberger Religionsgespräch zu beziehen:)
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Camerarius habe einst Crato von der Ankunft [[Erwähnte Person::Unbekannt|eines Mannes]] (unbekannt) in dieser Gegend ([[Erwähnter Ort::Leipzig]]) berichtet, der die ἑνωτικαὶ ὑπογρφαί (<i>concordiariai subscriptiones</i>) vollenden sollte (s. Anm.). Sein Rat und seine Handlungen fänden – wie Camerarius höre – bei allen immer weniger Beifall und würden von einigen sogar rundheraus abgelehnt. Camerarius habe seine Meinung über den freien Willen ausreichend deutlich dargelegt, zumindest für diejenigen, die sie verstehen wollten. Er werde das beherzigen, was Crato bezüglich der <i>Synodica</i> (s. Anm.) anrate. Das [[Erwähntes Werk::Melanchthon, Epistolae ad Camerarium, 1569|Buch mit den Briefen von Philipp Melanchthon]] sei noch nicht vollendet, erscheine aber hoffentlich in wenigen Tagen. Hoffentlich könne er es dann auch an Crato schicken.
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Er werde sich darum kümmern, dass sein Sohn [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius|Ludwig]] Cratos Aufträge gewissenhaft erledige. Die Ankunft seines Sohnes [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius|Philipp]] verzögere sich entgegen seiner Erwartung. 
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Beste Wünsche an Crato und seine Familie von Camerarius und seiner Familie. Lebewohl.
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(Anne Kram / Manuel Huth)
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=== Anmerkungen ===
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* „Frieden zwischen den baltischen Königen“: Es geht wohl um den Livländischen Krieg.
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* „der die ἑνωτικαὶ ὑπογρφαί (<i>concordiariai subscriptiones</i>) vollenden sollte“: Nach dem Altenburger Religionsgespräch sollten die Akten veröffentlicht werden
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* „bezüglich der <i>Synodica</i>“: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder bezieht sich Camerarius immer noch auf das Altenburger Religionsgespräch oder er meint eines seiner Werke mit Bezug zu einem (antiken) Konzil. Damit ergeben sich wiederum zwei Möglichkeiten:
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** Der Neudreuck der 1552 veröffentlichten [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Werk), 1552|Historia synodi Nicenae]]. Sie wurde 1573 neu gedruckt: [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1573]].
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** Die 1570 erschienene [[Erwähntes Werk::Eusebius, Ecclesiastica historia, 1570|<i>Ecclesiastica historia</i> des  Eusebius]]. Dieses Werk nimmt auch Bezug auf die zeitgenössische Gegenwart.
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00005120

Version vom 16. März 2021, 17:11 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 11.02.156911 Februar 1569 JL
Camerarius an Crato, 15.01.156915 Januar 1569 JL
Camerarius an Crato, 05.08.15685 August 1568 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 07.08.15707 August 1570 JL
Camerarius an Crato, 16.09.157016 September 1570 JL
Camerarius an Crato, 05.10.15705 Oktober 1570 JL
Werksigle OCEp 1194
Zitation Camerarius an Crato, 12.09.1569, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (16.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1194
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 467r-v
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 392-393
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1569/09/12
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datum im Druck: 12.9.1569; Datum in der Abschrift: 12.10. o.J.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Responsionem ad literas tuas meam ordiar a fine illarum
Link zur Handschrift https://archive.org/stream/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Livländischer Krieg (1558-1583)
Handschrift gesehen
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 16.03.2021
Werksigle OCEp 1194
Zitation Camerarius an Crato, 12.09.1569, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (16.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1194
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 467r-v
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 392-393
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1569/09/12
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datum im Druck: 12.9.1569; Datum in der Abschrift: 12.10. o.J.
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Responsionem ad literas tuas meam ordiar a fine illarum
Link zur Handschrift https://archive.org/stream/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Livländischer Krieg (1558-1583)
Datumsstempel 16.03.2021


Hinweise zur Dateirung

Das Jahr ist aufgrund der Erwähnung der Reise nach Wien sowie aufgrund der Erwähnung der 1569 publizierten Ausgabe mit Briefen von Melanchthon gesichert.

Regest

(Der folgende Absatz scheint sich auf Camerarius’ Zeit in Wien von September bis November 1568 zu beziehen. Er war vom Kaiser dorthin eingeladen worden, um bei der Einrichtung der Wiener Universität und wegen anderer religiöser Angelegenheiten zu helfen. Vgl. die Angaben zum Jahr):

Camerarius werde Cratos Brief von dessen Ende ausgehend beantworten. Denjenigen, der – wie Crato schreibe – die Sache glücklich abgeschlossen habe, beneide er nicht um seinen Erfolg. Er könne den (guten) Grund seines Fortgangs (aus Wien) und seine (guten) Absichten, bezeugen und er wisse auch, dass sie Crato bekannt seien. Da er also wisse, dass es nicht seine Schuld sei, dass die Angelenheit damals nicht zustande gebracht werden konnte, könne er den Ausgang ziemlich gelassen ertragen. Hoffentlich werden sich die Lobpreisungen für den guten Abschluss der Sache als begründet erweisen. Aber das werde sich zeigen. Er habe nicht die langen Flöten spielen können, da er nicht für würdig gehalten wurde, an solchen Taten mitzuwirken, oder müsse sich zumindest mit seinem Schicksal zufrieden geben.

Was Crato in seinen Briefen über sich selbst berichtet habe, mache Camerarius einige Sorgen. Es sei offensichtlich, was für Crato nützlich, ja fast schon notwendig sei. Aber Camerarius sehe die Hindernisse und die Fesseln, durch die Crato zurückgehalten werde, sodass es den Anschein habe, seine Vorhaben ließen sich nicht durch menschliche Ratschlüsse verwirklichen. Crato wisse aber, welche Zuflucht ihm bleibe (nämlich das Gebet zu Gott).

Überall gehe das Gerücht, dass der polnische König (rex Sarmaticus; Sigismund) in Cratos Heimat (Breslau) gekommen sei, und man erzähle viel von seinem prächtigen Aufzug. Der erhoffte Frieden zwischen den baltischen Königen (s. Anm.) sei nicht zustande gekommen. Deshalb sei der Krieg wieder entbrannt. Nirgends verstumme das närrische Geschrei.

Er wisse, dass Crato Camerarius’ Briefe entweder spät oder gar nicht erhalte.

(Die folgenden Anmerkungen scheinen sich auf das Altenberger Religionsgespräch zu beziehen:) Camerarius habe einst Crato von der Ankunft eines Mannes (unbekannt) in dieser Gegend (Leipzig) berichtet, der die ἑνωτικαὶ ὑπογρφαί (concordiariai subscriptiones) vollenden sollte (s. Anm.). Sein Rat und seine Handlungen fänden – wie Camerarius höre – bei allen immer weniger Beifall und würden von einigen sogar rundheraus abgelehnt. Camerarius habe seine Meinung über den freien Willen ausreichend deutlich dargelegt, zumindest für diejenigen, die sie verstehen wollten. Er werde das beherzigen, was Crato bezüglich der Synodica (s. Anm.) anrate. Das Buch mit den Briefen von Philipp Melanchthon sei noch nicht vollendet, erscheine aber hoffentlich in wenigen Tagen. Hoffentlich könne er es dann auch an Crato schicken.

Er werde sich darum kümmern, dass sein Sohn Ludwig Cratos Aufträge gewissenhaft erledige. Die Ankunft seines Sohnes Philipp verzögere sich entgegen seiner Erwartung.

Beste Wünsche an Crato und seine Familie von Camerarius und seiner Familie. Lebewohl.

(Anne Kram / Manuel Huth)

Anmerkungen

  • „Frieden zwischen den baltischen Königen“: Es geht wohl um den Livländischen Krieg.
  • „der die ἑνωτικαὶ ὑπογρφαί (concordiariai subscriptiones) vollenden sollte“: Nach dem Altenburger Religionsgespräch sollten die Akten veröffentlicht werden
  • „bezüglich der Synodica“: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder bezieht sich Camerarius immer noch auf das Altenburger Religionsgespräch oder er meint eines seiner Werke mit Bezug zu einem (antiken) Konzil. Damit ergeben sich wiederum zwei Möglichkeiten:

Literatur und weiterführende Links