Camerarius an Crato, 11.04.1568: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Endlich habe Camerarius die Reise, die er schon ein halbes Jahr habe unternehmen wollen, angetreten und sei mit seiner Ehefrau ([[Erwähnte Person::Anna Truchseß von Grünsberg|Anna]]) am 31.3. in seiner Heimat ([[Erwähnter Ort::Bamberg]]) angekommen. Sofort sei sein [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Sohn Joachim]] zu ihm gestoßen - zu seinem großen Glück, denn unerwartet habe er ernsthafte Verstopfung der Nieren (ἐμφράξεις νεφρικαί / <i>obstructio renum</i>) bekommen und der Anfall sei heftig gewesen (παροξυσμός). Nun sei er aber am 7.4. heil und wohlbehalten mit allen hier (in [Erwähnter Ort::Nürnberg]]) angekommen und wolle sich hier seiner Gesundheit widmen und – wenn möglich – einige andere Geschäfte erledigen.
 
Endlich habe Camerarius die Reise, die er schon ein halbes Jahr habe unternehmen wollen, angetreten und sei mit seiner Ehefrau ([[Erwähnte Person::Anna Truchseß von Grünsberg|Anna]]) am 31.3. in seiner Heimat ([[Erwähnter Ort::Bamberg]]) angekommen. Sofort sei sein [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Sohn Joachim]] zu ihm gestoßen - zu seinem großen Glück, denn unerwartet habe er ernsthafte Verstopfung der Nieren (ἐμφράξεις νεφρικαί / <i>obstructio renum</i>) bekommen und der Anfall sei heftig gewesen (παροξυσμός). Nun sei er aber am 7.4. heil und wohlbehalten mit allen hier (in [Erwähnter Ort::Nürnberg]]) angekommen und wolle sich hier seiner Gesundheit widmen und – wenn möglich – einige andere Geschäfte erledigen.
  
Gestern sei Cratos Brief an seinen Sohn Joachim angekommen und Camerarius habe erfahren, wo sich Crato gerade aufhalte und dass es ihm gut gehe. Denn es sei ein trauriges Gerücht über eine gefährliche Krankheit Cratos im Umlauf gewesen. In demselben Brief habe es andere Passagen gegeben, aus denen deutlich geworden sei, dass man Crato von einem „Drama“ berichtet habe, das an den Tagen der Hilaria (25.3.) an Camerarius‘ [[Erwähnte Körperschaft::Universität Leipzig|Universität]] ([Erwähnter Ort::Leipzig]]) aufgeführt wurde. Zweifellos kursierten widersprüchliche Gerüchte und Schriften, aber er habe darüber weder an Crato noch an andere schreiben wollen, damit keiner glaube, Camerarius habe vielleicht über den ein oder anderen zu hart gesprochen. Was denjenigen betreffe, auf den Crato wohl mit πρεσβύτης anspiele und den er verdächtige, diese kleine Unruhe verursacht zu haben, so verhalte sich die Angelegenheit ganz anders. Man habe sich bei ihnen (an der Universität?) bemüht, die Ruhe und den Frieden zu wahren, da keine Notwendigkeit für Rivalitäten und Streitigkeiten bestanden habe. Dieses Prinzip konnte sich aber nicht behaupten und so sei es zu diesen Ereignissen gekommen. Camerarius halte es aber für besser, gar nicht erst nach Schuldigen zu suchen, da die Abfolge des Geschehenen dies deutlich zeige. Laut [[Erwähnte Person::Theognis von Megara|Theognis]] sei es leicht, eine gute Situation in eine schlechte zu verkehren, aber anstrengend, eine schlechte in eine gute zu verwandeln (Thgn. 1,845f.). Er bete deshalb, dass kein noch größeres öffentliches Übel folge. Seiner Meinung nach sei es nützlich, (unsicher:) gleichsam diese Auflösung des Etablierten ταυτὴν οἱονεὶ τῆς συνεχείας λύσιν) nicht weiter voranzutreiben. Und er hoffe, dass niemand für sich seinen Vorwitz  bereuen müsse. Denn ein voreiliger Mann ende in Verderben, um wieder Theognis zu zitieren (Thgn. 1,634). Crato könne ihm glaube, dass er wie kein anderer durch diesen Vorfall erschüttert wurde. Denen, die die Medizin ablehnten, könnten aber weder die Wirksamkeit dieser Kunst noch die Fürsorge des Heilenden helfen, vor allem wenn eine schlechte Lebensweise nicht geändert werde und man allbekannte Heilmittel als unvernünftig und unnütz abtue. Solange es möglich sei, werde er alle nach Kräften unterstützen und dafür sorgen, dass er nicht den Anschein erwecke, jemanden herabgesetzt zu haben. Das übrige überlasse er wie immer Gott. Nun habe er Crato mehr zu seiner kurzen Andeutung geschrieben, als er am Anfang gesagt habe. Aber während er sich mit Crato quasi unterhalten habe, seien die Worte aus ihm herausgebrochen. Nun solle aber Schluss damit sein.
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Gestern sei Cratos Brief an seinen Sohn Joachim angekommen und Camerarius habe erfahren, wo sich Crato gerade aufhalte und dass es ihm gut gehe. Denn es sei ein trauriges Gerücht über eine gefährliche Krankheit Cratos im Umlauf gewesen. In demselben Brief habe es andere Passagen gegeben, aus denen deutlich geworden sei, dass man Crato von einem „Drama“ berichtet habe, das an den Tagen der Hilaria (25.3.) an Camerarius‘ [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|Universität]] ([Erwähnter Ort::Leipzig]]) aufgeführt wurde. Zweifellos kursierten widersprüchliche Gerüchte und Schriften, aber er habe darüber weder an Crato noch an andere schreiben wollen, damit keiner glaube, Camerarius habe vielleicht über den ein oder anderen zu hart gesprochen. Was denjenigen betreffe, auf den Crato wohl mit πρεσβύτης anspiele und den er verdächtige, diese kleine Unruhe verursacht zu haben, so verhalte sich die Angelegenheit ganz anders. Man habe sich bei ihnen (an der Universität?) bemüht, die Ruhe und den Frieden zu wahren, da keine Notwendigkeit für Rivalitäten und Streitigkeiten bestanden habe. Dieses Prinzip konnte sich aber nicht behaupten und so sei es zu diesen Ereignissen gekommen. Camerarius halte es aber für besser, gar nicht erst nach Schuldigen zu suchen, da die Abfolge des Geschehenen dies deutlich zeige. Laut [[Erwähnte Person::Theognis von Megara|Theognis]] sei es leicht, eine gute Situation in eine schlechte zu verkehren, aber anstrengend, eine schlechte in eine gute zu verwandeln (Thgn. 1,845f.). Er bete deshalb, dass kein noch größeres öffentliches Übel folge. Seiner Meinung nach sei es nützlich, (unsicher:) gleichsam diese Auflösung des Etablierten ταυτὴν οἱονεὶ τῆς συνεχείας λύσιν) nicht weiter voranzutreiben. Und er hoffe, dass niemand für sich seinen Vorwitz  bereuen müsse. Denn ein voreiliger Mann ende in Verderben, um wieder Theognis zu zitieren (Thgn. 1,634). Crato könne ihm glaube, dass er wie kein anderer durch diesen Vorfall erschüttert wurde. Denen, die die Medizin ablehnten, könnten aber weder die Wirksamkeit dieser Kunst noch die Fürsorge des Heilenden helfen, vor allem wenn eine schlechte Lebensweise nicht geändert werde und man allbekannte Heilmittel als unvernünftig und unnütz abtue. Solange es möglich sei, werde er alle nach Kräften unterstützen und dafür sorgen, dass er nicht den Anschein erwecke, jemanden herabgesetzt zu haben. Das übrige überlasse er wie immer Gott. Nun habe er Crato mehr zu seiner kurzen Andeutung geschrieben, als er am Anfang gesagt habe. Aber während er sich mit Crato quasi unterhalten habe, seien die Worte aus ihm herausgebrochen. Nun solle aber Schluss damit sein.
  
 
Die Neuveröffentlichungen aus Leipzig und die von seinem Sohn Joachim beschafften Werke habe er jetzt noch nicht an Crato schicken können. Er habe sie noch nicht einmal alle erwerben können.  
 
Die Neuveröffentlichungen aus Leipzig und die von seinem Sohn Joachim beschafften Werke habe er jetzt noch nicht an Crato schicken können. Er habe sie noch nicht einmal alle erwerben können.  

Version vom 17. März 2021, 17:05 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, mutmaßlich 15681568 JL
Camerarius an Crato, 25.11.156725 November 1567 JL
Camerarius an Crato, 20.11.156720 November 1567 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 05.08.15685 August 1568 JL
Camerarius an Crato, 15.01.156915 Januar 1569 JL
Camerarius an Crato, 11.02.156911 Februar 1569 JL
Werksigle OCEp 1190
Zitation Camerarius an Crato, 11.04.1568, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (17.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1190
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 385-387
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1568/04/11
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Iter quod toto semestri in animo habueram
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 17.03.2021
Werksigle OCEp 1190
Zitation Camerarius an Crato, 11.04.1568, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (17.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1190
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 385-387
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1568/04/11
Datum gesichert? nein
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Iter quod toto semestri in animo habueram
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Datumsstempel 17.03.2021


Regest

Endlich habe Camerarius die Reise, die er schon ein halbes Jahr habe unternehmen wollen, angetreten und sei mit seiner Ehefrau (Anna) am 31.3. in seiner Heimat (Bamberg) angekommen. Sofort sei sein Sohn Joachim zu ihm gestoßen - zu seinem großen Glück, denn unerwartet habe er ernsthafte Verstopfung der Nieren (ἐμφράξεις νεφρικαί / obstructio renum) bekommen und der Anfall sei heftig gewesen (παροξυσμός). Nun sei er aber am 7.4. heil und wohlbehalten mit allen hier (in [Erwähnter Ort::Nürnberg]]) angekommen und wolle sich hier seiner Gesundheit widmen und – wenn möglich – einige andere Geschäfte erledigen.

Gestern sei Cratos Brief an seinen Sohn Joachim angekommen und Camerarius habe erfahren, wo sich Crato gerade aufhalte und dass es ihm gut gehe. Denn es sei ein trauriges Gerücht über eine gefährliche Krankheit Cratos im Umlauf gewesen. In demselben Brief habe es andere Passagen gegeben, aus denen deutlich geworden sei, dass man Crato von einem „Drama“ berichtet habe, das an den Tagen der Hilaria (25.3.) an Camerarius‘ Universität ([Erwähnter Ort::Leipzig]]) aufgeführt wurde. Zweifellos kursierten widersprüchliche Gerüchte und Schriften, aber er habe darüber weder an Crato noch an andere schreiben wollen, damit keiner glaube, Camerarius habe vielleicht über den ein oder anderen zu hart gesprochen. Was denjenigen betreffe, auf den Crato wohl mit πρεσβύτης anspiele und den er verdächtige, diese kleine Unruhe verursacht zu haben, so verhalte sich die Angelegenheit ganz anders. Man habe sich bei ihnen (an der Universität?) bemüht, die Ruhe und den Frieden zu wahren, da keine Notwendigkeit für Rivalitäten und Streitigkeiten bestanden habe. Dieses Prinzip konnte sich aber nicht behaupten und so sei es zu diesen Ereignissen gekommen. Camerarius halte es aber für besser, gar nicht erst nach Schuldigen zu suchen, da die Abfolge des Geschehenen dies deutlich zeige. Laut Theognis sei es leicht, eine gute Situation in eine schlechte zu verkehren, aber anstrengend, eine schlechte in eine gute zu verwandeln (Thgn. 1,845f.). Er bete deshalb, dass kein noch größeres öffentliches Übel folge. Seiner Meinung nach sei es nützlich, (unsicher:) gleichsam diese Auflösung des Etablierten ταυτὴν οἱονεὶ τῆς συνεχείας λύσιν) nicht weiter voranzutreiben. Und er hoffe, dass niemand für sich seinen Vorwitz bereuen müsse. Denn ein voreiliger Mann ende in Verderben, um wieder Theognis zu zitieren (Thgn. 1,634). Crato könne ihm glaube, dass er wie kein anderer durch diesen Vorfall erschüttert wurde. Denen, die die Medizin ablehnten, könnten aber weder die Wirksamkeit dieser Kunst noch die Fürsorge des Heilenden helfen, vor allem wenn eine schlechte Lebensweise nicht geändert werde und man allbekannte Heilmittel als unvernünftig und unnütz abtue. Solange es möglich sei, werde er alle nach Kräften unterstützen und dafür sorgen, dass er nicht den Anschein erwecke, jemanden herabgesetzt zu haben. Das übrige überlasse er wie immer Gott. Nun habe er Crato mehr zu seiner kurzen Andeutung geschrieben, als er am Anfang gesagt habe. Aber während er sich mit Crato quasi unterhalten habe, seien die Worte aus ihm herausgebrochen. Nun solle aber Schluss damit sein.

Die Neuveröffentlichungen aus Leipzig und die von seinem Sohn Joachim beschafften Werke habe er jetzt noch nicht an Crato schicken können. Er habe sie noch nicht einmal alle erwerben können.

Er erfreue sich hier (in Nürnberg) am Lesen von historischen Schriften und am Schreiben. Bisher habe er sich noch nicht in der Öffentlichkeit gezeigt und habe auch noch nicht viel Besuch gehabt.

Sobald die Bücher zu Crato nach Wien geschickt werden können, werde er wieder schreiben. Auch (Johannes) Sambucus müsse er noch schreiben. Der hatte ihm einst eine Anzahl Bücher von sich aus angeboten. Nun stelle er aber in einem Brief an seinen Sohn Joachim Bedingungen, die Camerarius nicht akzeptieren könne.

Grüße von Camerarius und seiner Familie an Crato und seine Familie. Lebewohl.

(Anne Kram / Manuel Huth)

Literatur und weiterführende Links