Camerarius an Crato, 05.08.1568

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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 Briefdatum
Camerarius an Crato, 15.01.156915 Januar 1569 JL
Camerarius an Crato, 11.02.156911 Februar 1569 JL
Camerarius an Crato, 12.09.156912 September 1569 JL
Werksigle OCEp 1191
Zitation Camerarius an Crato, 05.08.1568, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (17.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1191
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 387-389
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1568/08/05
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum 5. Sextil.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Sacratiss. Imperatoriae Maiestatis clementiss. ad me scriptas literas
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 17.03.2021
Werksigle OCEp 1191
Zitation Camerarius an Crato, 05.08.1568, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (17.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1191
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 387-389
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1568/08/05
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum 5. Sextil.
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Sacratiss. Imperatoriae Maiestatis clementiss. ad me scriptas literas
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Datumsstempel 17.03.2021


Hinweise zur Datierung

Jahr gesichert (Reise nach Wien).

Regest

Camerarius habe am 8. Tag des Monats (Juli) den Brief des Kaisers erhalten, der aus Prag hierher (nach Leipzig) geschickt worden war. Und da der Gedanke an das große Wohlwollen des Kaisers ihm gegenüber ihm einzigartige Freude bereitet habe, habe er im Gegensatz dazu den ungeheuren Schmerz gefühlt, dass er ihm nicht schneller zu Willen sein konnte und sich sozusagen herausreden musste. Aber er sei gesundheitlich sehr schwach.

Neulich sei er zur Schulinspektion nach Schulpforta gegangen. Was ihm dann zugestoßen sei, habe Caspar (Neefe?) gesehen: dass er nämlich nicht nur blutigen Urin (wie es bei Reisen zu Pferd schon oft der Fall gewesen sei), sondern reines Blut ausgeschieden habe. Aber was müsse er Crato noch sagen, der die Symptome von Nierenkrankheiten gut kenne. Seine Gedanken würden gerade sehr von verschiedenen Sorgen über jene Angelegenheiten in Anspruch genommen, deretwegen er wahrscheinlich oder vielmehr mit Sicherheit (vom Kaiser) herbeigerufen werde. Aber Crato kenne sicher jenes Sprichwort von Claudian: Naheliegendes verliert an Wertschätzung (Claud. Gild. 385). Tatsächlich bemerke er, wie ihm nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen Kräfte von Tag zu Tag mehr schwänden, und er verstehe nicht, warum seinetwegen irgendein Aufwand betrieben werde und man ihm – nicht ohne Risiko – eine solche Aufgabe übertrage.

Seine neu erschienenen Werke umfassten nichts, was – wie er glaube – schon bearbeitet werde oder was einer Erklärung bedürfe, und enthielten auch keine theologischen Lehren, sondern nur kurze, aber hoffentlich nicht zu verachtende Anweisungen zu Frömmigkeit und Anstand (s. Anm.). Denn auf richtige Weise Theologie zu betreiben, sei sehr schwierig und es schicke sich nicht für ihn, seinen Fuß auf fremdes Land zu setzen (vgl. Plut. mor. 540b; symp. 673b). Wie Crato wisse, sei ihm die vom Sprichwort verurteilte Vorwitzigkeit fremd. Dies sei deshalb keine seiner Bürden.

Auch wenn es genügend Gründe gegeben habe, darum zu bitten, ihn von dieser Reise zu entschuldigen, habe er dennoch geglaubt, die Reisestrapazen auf sich nehmen zu müssen - auch wenn sie seine Kräfte überstiegen. Er habe auf den Brief des Kaisers also geantwortet, dass er mit Erlaubnis seines Kurfürsten August (Sachsen) alles daran setzen werde, zu Christoph von Karlowitz zu reisen, und zu sehen, ob er sich an eine längere Reise heranwagen könne. Dies tue er also und warte unterdessen auf einen Brief von Hofe. Cratos Brief versuche ihm Mut zu machen, aber befreie ihn nicht von aller Furcht. Deshalb vertraue er seine Wege Gott an.

Man habe ihm aus Prag Reisegeld geschickt, aber aufgrund der unklaren Situation (s. Anm.) habe er geglaubt, es nicht annehmen zu dürfen, und es den Kurier wieder zurückbringen lassen. Falls er aber aufbrechen und zu Karlowitz reisen könne, werde er das Reisegeld beantragen.

Crato solle Lazarus von Schwendi in Camerarius‘ Namen für seinen Brief danken und Grüße ausrichten. Er könne ihm gerade nicht auch noch zurückschreiben, da er den kaiserlichen Kurier nicht zu lange festhalten wolle, und schicke auch Crato deshalb nicht, wie er sich vorgenommen hatte, eine sorgfältige Abschrift, sondern, wie er sehe, das Original, das zudem noch aus dem Stegreif verfasst sei. Crato solle ihm dies entweder als Trägheit oder als Vertrauensbeweis anrechnen und verzeihen.

Beste Wünsche von Camerarius und seiner Familie für Crato und seine Familie. Lebewohl.

(Anne Kram / Manuel Huth)

Anmerkungen

Literatur und weiterführende Links