Theologie (CamLex)

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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CamLex
Zitation Vinzenz Gottlieb und Alexander Hubert, Art. "Theologie (CamLex)", in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/Theologie_(CamLex) (17.02.2024).
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CamLex
Zitation Vinzenz Gottlieb und Alexander Hubert, Art. "Theologie (CamLex)", in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/Theologie_(CamLex) (17.02.2024).
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Forschungsstand

Die Rolle des Camerarius in der Theologie ist bisher nur in Einzelaspekten erforscht. Wenn er in kirchengeschichtlichen Abhandlungen erscheint, dann meist als Autor der Melanchthon-Biographie. In neuerer Forschung findet man ihn zunehmend auch als Adressat von Melanchthon-Briefen.[1] Die Schwierigkeit liegt zum einen darin, dass wesentlich mehr Briefe von Melanchthon an Camerarius erhalten sind als umgekehrt: Ca. 600 gegen 69. Daher wird Melanchthons Position zu behandelten Themen deutlicher als die des Camerarius. Zum anderen ist der Charakter der Humanistenbriefe nur sehr bedingt geeignet, theologische Positionen zu erkennen, da heikle Stellen für die Druckversionen oft überarbeitet wurden.[2] Die handschriftlichen Briefe sind zwar aussagekräftiger, aber auch dort wird viel mit Anspielungen und Gräzisierungen gearbeitet, was das Verständnis erschwert.

Eine Gesamtdarstellung seiner theologischen Werke ist ein Desiderat. Geschuldet ist dies sicher auch der Tatsache, dass die Gesamtschau seiner Drucke erst durch Baron/Shaw 1978 annähernd vollständig erfasst wurde. Eine der gründlichsten Untersuchungen zu ihm, Stählin 1936,[3] beklagt die zu schmale Basis der Untersuchung. Dadurch könnte man darauf schließen, dass C. zuviel geschrieben habe, um ihn bewerten zu können. Aber diese Argumentation ist nicht überzeugend, schließlich wurden auch Luthers und Melanchthons religiöse Positionen immer wieder untersucht. Eher scheint es daran zu liegen, dass C.‘ Wirken in der Kirchengeschichte lange Zeit nur durch die Folie Melanchthons betrachtet wurde.[4] Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist man wieder darauf aufmerksam geworden, dass er insbesondere in der sächsischen Kirchenpolitik ein eigenständiger Akteur war.[5] Durch handschriftliche Quellen[6] und die erst kürzlich im Rahmen dieses WIKIs vollständig erfassten Werke des Camerarius kann allmählich ein differenzierteres Bild gewonnen werden: Sicher ist es seinem irenischen Stil und seinem Bemühen um Einbeziehung der Mitmenschen geschuldet, dass seine eigenen Leistungen weniger stark hervortreten als die von manchen Zeitgenossen.[7] Auch war es ihm gar nicht genehm, im Mittelpunkt zu stehen und an theologischen Konferenzen zu partizipieren.[8] So ist der einzige Reichstag, an dem er in offizieller Funktion teilnimmt (und daher in den Akten auftaucht, als Gesandter der Stadt Nürnberg), der zu Augsburg im Jahre 1530.[9]

Im Bereich der Kontroverstheologie hielt er sich bedeckt; lediglich die Werke Querela Lutheri und Onar Hypar treten hier hervor, wenngleich anonym publiziert.[10] Zu beachten ist auch, dass er kein eigentlicher Theologe war, sondern sich zeitlebens als Philologen betrachtete.[11] In seinen Werken sind aber Ansätze von fächerverbindender Pädagogik zu erkennen, wobei in humanistischer Manier Philologie, Erziehung und Theologie Hand in Hand gehen.[12] Von seinen theologischen Schriften sind einzelne bereits untersucht worden, insbesondere Katechismus-Schriften und Gebetssammlungen: Walter 2017: Capita pietatis (OC 0544); Schultheiß 2024: Catechesis (OC 0579), Disputatio de precibus (OC 0646) sowie Gebete allgemein; Weng 2003: Paraphrase von Psalm 133 (OC 0441); Mundt 2004 und Schäfer 2003: das „Reformationseklogenpaar“ Dirae seu Lupus (OC 0376) und Querela sive Agelaus (OC 0377), die Querela Lutheri; Seckt 1888: Capita pietatis, Libellus de invocatione sanctorum (OC 0459), Catechesis, Historia Iesu Christi (OC 0762); Kunkler 1998, S. 232-278: Historia Iesu Christi, Capita pietatis.

Ein zentrales Augenmerk dieses Artikels liegt auf der historischen Einordnung des Wirkens von Camerarius. Sowohl seine lange Tätigkeit in Leipzig als auch die vergleichsweise gute Quellenlage bewirken eine Schwerpunktsetzung auf albertinisch-sächsischer Kirchengeschichte.[13] Vor diesem Hintergrund lassen sich manche seiner theologischen Werke verstehen.

Dieser Lexikonartikel ist bestrebt, bisherige Forschungserkenntnisse zu bündeln und durch tiefergehende eigene Forschungen zu ergänzen. Ein Teil davon hat bereits Eingang gefunden in die Einführung von Gindhart/Hamm 2024, wo sich die S. 18-30 intensiv mit theologischer und reformationsgeschichtlicher Thematik auseinandersetzen.

(Vinzenz Gottlieb)

Die theologische Position des Camerarius

Das lange Leben des Camerarius weist in theologischer Hinsicht sicherlich einige Brüche auf. Die Hinwendung zur Reformation ist dabei der offensichtlichste. Weitere Veränderungen aufzuzeigen kann gelingen, indem man seine Positionen zu verschiedenen Zeitpunkten vergleicht, sofern er sie klar äußert. Vorsicht ist dagegen geboten bei Aussagen Außenstehender, die ihn (oft polemisch) in Schubladen einordnen, so wie Jakob Andreae ihn als Haupt der Leipziger Calvinisten bezeichnet.[14]

In einem Gutachten vom 15.2.1559 nimmt Camerarius im Auftrag von Kurfürst August Stellung zum Weimarer Konfutationsbuch 1559, an dessen Aufbau (Einteilung in neun Kapitel) er sich orientiert. Eine Edition seiner Schrift befindet sich hier: Camerarius, Bedencken den Wimmarischen buchs halbenn, 1559. Er bekennt sich unter anderem zur Gewissensfreiheit und zur Trinität (1. Abschnitt), nimmt Stellung zur Abendmahlsfrage (5. Abschnitt) sowie zur Rechtfertigungslehre (6. Abschnitt)[15] und verteidigt adiaphoristische Positionen (9. Abschnitt), die er seit 1545 zusammen mit Georg III. (Anhalt-Plötzkau) und Philipp Melanchthon vertreten habe.[16] Anklänge der vier protestantischen Prinzipien sola scriptura, sola gratio, sola fide, solus Christus finden sich ebenso. Camerarius führt die theologische Autorität eines Georg von Anhalt (9. Abschnitt) und eines Melanchthon ins Feld, dessen Schriften sogar Martin Luther gelobt habe (6. Abschnitt).[17]

Deutlich verworfen werden u.a. die Lehren Servets und Schwenckfelds (1. Abschnitt), der Antinomismus, die Lehre der Wiedertäufer (4. Abschnitt) sowie weitere Lehrmeinungen. Die Lehren von Osiander und Stancari teilt C. zwar nicht, verwirft sie aber auch nicht. Hierbei verweist er auf die Schrift Philipp Melanchthons aus Nürnberg von 1555.[18] Auffällig ist, dass Camerarius im Jahr 1559 den osiandrischen Positionen gleichgültiger gegenübersteht als noch im Nürnberger Gutachten, das Osianders Lehre klar verwirft und das Camerarius unterschrieben hat. Er nimmt aber Stellung gegen das Papsttum (9. Abschnitt). Starke Kritik übt er an Matthias Flacius Illyricus und Nikolaus Gallus (jeweils 9. Abschnitt). Zum Majorismus vermeidet er eine klare Stellungnahme (8. Abschnitt).

Es liegt in der Natur des Gutachtens, dass andere Themen ausgespart bleiben. So kann zwar in manchen Punkten C.' Übereinstimmung mit Melanchthon und Georg von Anhalt festgestellt werden. Fragen der Kirchenorganisation, in denen Georg sich zu Lebzeiten im Sinne eines Episkopalismus positioniert hatte, werden aber nicht angerissen. Somit ist C.' Haltung dazu noch ungeklärt.

Ansonsten finden sich theologische Positionen vereinzelt in Werken und Briefen, z.B. die Capita pietatis, Catechesis, OC 0459 und OCEp 1468.[19] Konträr zu Camerarius' vielgerühmter Irenik ist so auch die Aussage in einem Brief an Karlowitz, lieber zu sterben als die (evangelische) Wahrheit zu verraten. Einige Gutachten verfasste er gemeinsam mit anderen Theologen. Hier ist es schwieriger, seine eigene Position zu erkennen.

(Vinzenz Gottlieb)

Kirchengeschichtlich relevante Taten und Bedeutung

Die frühen Jahre bis 1526

Die ersten Lebensjahre des Camerarius fielen in die Zeit vor der Reformation. Die ersten Einflüsse erreichten den Heranwachsenden bereits in Leipzig, wo er gemeinsam mit seinem Lehrer Georg Helt die Predigten des Ablasspredigers Johann Tetzel hörte. Sie beide sollen vorzeitig wieder gegangen gegangen sein, weil der Inhalt unerträglich gewesen sei.[20]

Die Motivation für seinen Umzug nach Erfurt 1518 ist nicht sicher. Jedenfalls war das Klima dort gegenüber der Reformation günstiger als im albertinischen Herzogtum Sachsen: Mit Helius Eobanus Hessus und Adam Krafft[21] fand er Unterstützer, die seine Hinwendung zur Reformation gefördert haben. Hier erfolgten auch erste Kontakte zu Melanchthon. Seinen Wechsel nach Wittenberg 1521 kann man sicher als Bekenntnis zum neuen Glauben deuten.[22] Seit September 1521 studierte und lehrte er dort, wohnhaft im Hause Melanchthons, und begründete dabei die lebenslange Freundschaft, die für die Neuordnung des Bildungswesens in Deutschland so bedeutsam werden sollte.[23]

Die Wittenberger Zeit sah C. jedoch viel auf Reisen: So reiste er 1524 gemeinsam mit Melanchthon in dessen Heimat Bretten und (allein) weiter nach Basel zu Erasmus von Rotterdam. Kurz nach der Rückkehr im Herbst 1524[24] zogen ihn familiäre Angelegenheiten in seine Heimatstadt Bamberg, die durch stürmische Ereignisse von Reformation und Bauernkrieg erfasst worden war: In mehreren fränkischen Klöstern empörten sich die Nonnen, teilweise flohen sie auch, nach dem Vorbild der Katharina von Bora. Auch eine Camerarius-Schwester[25] entschied sich für diesen Weg und floh unter tätiger Mithilfe ihrer Brüder.[26]

C. spielte eine Rolle im Streit zwischen Luther und Erasmus um den freien Willen,[27] indem er Luther durch dessen Frau Katharina beredete, eine Antwort auf Erasmus' "De libero arbitrio" zu verfassen.[28] Zeugnis von C.' Eingreifen in den Streit bildet eine Notiz des Johannes Mathesius in den Tischreden: Erasmus credidit, neminem posse respondere ad suam diatriben, et ego volui tacere, sed Joachimus persuasit meae Cathenae, ut instaret.[29] Das Ergebnis war Luthers "De servo arbitrio", wodurch allerdings die Kluft zwischen Erasmus und dem Reformator vertieft wurde. Das war nicht im Sinne des Camerarius gewesen.

In Bamberg spitzte sich im Frühjahr 1525 der Konflikt zwischen der Geistlichkeit um den Fürstbischof Weigand von Redwitz und der Bürgerschaft zu. Hier wurde C. Mitglied eines 18-köpfigen Vermittlungsausschusses.[30] Für den älteren der beiden Brüder, Hieronymus Camerarius, sollte sein Engagement noch schlimme Folgen haben. Obgleich er zunächst noch unbehelligt blieb, wurde er am 12.5.1527 im Auftrag des Bischofs verhaftet. In dessen Dienst stand Hieronymus als Kanzleiverwalter. Anlass waren wohl seine Versuche, die bischöflichen Dienste zu verlassen und eine Anstellung in Nürnberg zu finden. Ob aber seine Mitwirkung bei der Befreiung der Schwester und die Rolle des Bruders beim Aufstand mitentscheidend waren, ist nicht ganz sicher.[31] Interessanterweise schreibt Melanchthon in einem Memorandum an Herzog Georg (Sachsen), den er zur Fürsprache bewegen will, Hieronymus C. habe keinen Kontakt zu Lutheranern.[32] Ist dies nun eine Notlüge, oder verstand Melanchthon seinen Freund Camerarius damals noch nicht als Lutheraner? Zunächst war Melanchthon jedenfalls erfolgreich, denn er erhielt gleich drei Fürbittbriefe des Herzogs an Weigand.[33]

(Vinzenz Gottlieb)

Schulleiter in Nürnberg (1526-1535)

Die Jahre 1526 bis 1535 wirkte Camerarius als Schulleiter der neu gegründeten Oberen Schule in Nürnberg.[34] Die klar evangelische Prägung dieser Schule vergrößerte seine Einflussmöglichkeiten auch im theologischen Bereich: Das Glaubensleben seiner Schüler prägte er durch theologische Schriften und praktische Tätigkeiten.[35] Schleierhaft ist die Frage, warum C. sich nur ein halbes Jahr nach Amtsantritt schon wieder auf Reisen begeben wollte. So war geplant, dass er als (Latein-)Dolmetscher des Grafen Albrecht VII. von Mansfeld einer Gesandtschaft von Reichsfürsten nach Spanien zu Kaiser Karl V. (HRR) angehören sollte. Eine längere Abwesenheit war also abzusehen, bei der Helius Eobanus Hessus vertretungsweise die Schulleitung übernahm.[36] Auf dem Esslinger Fürstentag wurde jedoch beschlossen, die Reise abzubrechen und die Angelegenheit auf eine Versammlung in Regensburg zu verschieben.[37] Vielleicht um C.' Reiselust zu bremsen, wurde ihm sehr bald nach seiner Rückkehr seine Braut Anna Truchseß von Grünsberg zugespielt.[38] Die genauen Hintergründe sind noch immer unbekannt, selbst das Hochzeitsdatum ist umstritten.[39]

Ein Höhepunkt der Nürnberger Zeit war für C. sicher der Reichstag zu Augsburg 1530. Dort war er offizieller Delegierter der Reichsstadt Nürnberg. Seine Zusammenarbeit mit Melanchthon sollte sich hier wieder einmal bewähren. Dieser hatte die Confessio Augustana (CA) erstellt. Darauf verfassten altgläubige Theologen eine Confutatio gegen die CA. Sie wurde nicht ausgehändigt, sondern nur verlesen. Melanchthon konnte daran nicht teilnehmen. So griff er auf Mitschriften des Camerarius und anderer Gelehrter zurück.[40] Mit den übrigen Vertretern der Stadt Nürnberg scheint Melanchthon ein schwierigeres Verhältnis gehabt zu haben: In MBW Nr. 1071 und 1079 wirft er ihnen vor, schweizerische Politik zu treiben. Nur aus Rücksicht auf C. halte er sich zurück.

Neben der Freundschaft mit dem obersten Nürnberger Kirchpfleger, Hieronymus Baumgartner d.Ä., hatte C. zweifellos auch zu den Pfarrern der Reichsstadt Kontakt, den er über das Ende seiner dortigen Tätigkeit hinaus aufrecht erhielt. Dabei täuscht das Schweigen des edierten Briefwechsels darüber hinweg, dass er auch den Prediger an St. Lorenz, Andreas Osiander, kannte.[41] Dieser wird im Camerarius-Briefwechsel eher negativ dargestellt; daher muss eine systematische Untersuchung der handschriftlichen Befunde genauere Auskunft geben die Entwicklung des Verhältnisses. Besser waren die Beziehungen zum Melanchthon-Schüler Veit Dietrich,[42] der im Dezember 1535 Prediger an St. Sebald wurde, aber auch für eine Tübinger Professur vorgeschlagen worden war.[43] Von Nürnberg aus diente Dietrich dann als Relaisstation für Briefe zwischen Tübingen und Wittenberg.[44]

(Vinzenz Gottlieb)

Tätigkeit in Tübingen (1535-1541)

C. erwog auch einen Wechsel in die Politik durch Annahme der Nürnberger Ratsschreiberstelle, die mit dem Tod Georg Hoppels vakant war.[45] Das mag auch ein Indiz für seine Unzufriedenheit mit der Situation an der Oberen Schule gewesen sein. Da kam ihm die neue Situation in Württemberg nicht ungelegen: Der 1519 vertriebene Ulrich (Württemberg) eroberte sein Herzogtum 1534 mit Hilfe des Landgrafen Philipp I. (Hessen) von den Habsburgern zurück und führte anschließend die Reformation ein.[46] Um den Widerstand der Universität (Tübingen), insbesondere der Theologischen Fakultät, zu brechen, benötigte er Hilfe von außen. Die (erfolglose) Berufung Philipp Melanchthons[47] erfolgte in der Hoffnung, dass dieser den Sakramentenstreit zwischen oberdeutschen und lutheranischen Protestanten beilegen könnte.[48] Dieses Thema sollte die württembergische Politik noch längere Zeit beschäftigen. Als Visitatoren in universitären Angelegenheiten wurde neben der Bestellung des Ambrosius Blarer, der zudem als Superintendent die Einführung der Reformation in Württemberg ob der Steig visitieren sollte, auch der Basler Gräzist Simon Grynäus ausgeliehen (von Oktober 1534 bis Juli 1535).[49] Grynäus musste im Juli 1535 nach Basel zurückkehren, von wo er aber die Berufung des Camerarius in die Wege leitete. Zu dessen Aufgabenbeschreibung gehörten von Anfang an organisatorische Tätigkeiten; politische Belange wurden zunächst nicht erwähnt.[50] Gleichwohl hatte Grynäus aber im Sinn, ihn für die Universitätsreform und als Gesandten verwenden zu lassen.[51]

Die theologische Fakultät setzte der Reformation von Land und Universität einigen Widerstand entgegen, worunter sie sehr zu leiden hatte. So wurden drei der vier Professoren im Frühjahr 1535 vom Herzog beurlaubt bzw. entlassen, nur der (theologisch indifferente) Balthasar Käuffelin durfte bleiben. Als Ersatz wurde Paul Phrygio aus Basel berufen. Sein schweizerisches Verständnis von der Reformation brachte allerdings einige Schwierigkeiten mit sich.[52] Melanchthon gelang es, Johannes Brenz für ein Jahr nach Tübingen zu holen, wo er für ein Jahr den (1536 eingerichteten) dritten Lehrstuhl besetzte und als herzoglicher Commissarius mit Camerarius die neuen Universitätsstatuten ausarbeitete.[53]

1535 bis 1541 lehrte C. in Tübingen Griechisch, später Latein, und wirkte in zentraler Position an der Reform der Universität mit.[54] Im Herbst 1536 kam auch Melanchthon für drei Wochen nach Württemberg, wo er den Herzog auch in Universitätsfragen beriet, so auch über Stellenbesetzungen und Satzungsfragen, die auch in der zweiten herzoglichen Ordnung vom 3.11.1536 mündeten.[55] Allerdings stand Camerarius als herzoglicher Kommissar und Superattendent[56] zwischen allen Fronten und erlebte zahlreiche Konflikte mit anderen Fakultäten, vor allem der Theologischen, wo einige Altgläubige die Reformversuche blockierten: Der (päpstlich bestellte) Kanzler Ambrosius Widmann war am 12.7.1535 nach Rottenburg ausgewandert, was die Promotionen an der Universität fast völlig zum Erliegen brachte.[57] Nach der Rückkehr des anderen Kommissars, Johannes Brenz, nach Schwäbisch Hall[58] war C. allein verantwortlich für die Universitätsreform und damit auch für die Problematik um Widmann zuständig. Brenz und Camerarius waren permanente Kommissare, die auch an der Universität unterrichteten. Dagegen gab es auch temporäre Kommissare, die nur von Fall zu Fall eingesetzt wurden und größere Vollmachten hatten.[59] C. und Melanchthon machten in Tübingen ausgiebigen Gebrauch ihres Akademikernetzwerks, indem sie die Berufung von Freunden und Studenten dorthin betrieben, so Matthias Garbitius.[60] Im Fall von Jakob Micyllus[61] und Veit Dietrich hatten sie damit offensichtlich keinen Erfolg.[62]

Probleme bereitete auch die Berufung des Johann Forster als Theologie-Professor nach Tübingen: C. fragte im Herbst 1538 (im Auftrag des Senats) Martin Luther um seine Meinung dazu, aber nicht Melanchthon, der von Forster abgeraten hatte.[63] Forster begann tatsächlich eine Lehrtätigkeit in Tübingen, hatte dort aber als Lutheraner konfessionelle Schwierigkeiten mit den Oberdeutschen und wurde 1541 wieder entlassen, was vielleicht auch als Angriff auf C. verstanden wurde und diesen zum Weggang bewogen haben kann.[64] Jedenfalls scheint er ohne persönliche Verabschiedung abgereist zu sein, wie sein Abschiedsbrief belegt.[65]

In Tübingen förderte Camerarius das Pädagogium, das der Artistenfakultät unterstellt war, indem er unter anderem Katechismen dafür verfasste. Er korrespondierte in dieser Zeit viel mit Theologen und Schulmännern in Straßburg, besonders Jakob Bedrott, Nikolaus Gerbel und Johannes Sturm.

Ein öffentlichkeitswirksames Ereignis war die Überführung der Gebeine des Eberhard im Bart in die Stiftskirche Tübingen am 26.5.1537. Camerarius hielt dabei eine Leichenrede, in der er Eberhards Leben und Frömmigkeit charakterisiert.[66]

Während des Religionsgesprächs in Worms war C. im Dezember 1540 anwesend, aber wahrscheinlich nur zum Besuch bei Melanchthon, ca. vom 13. bis 16.12.[67] Die Reiseroute ergibt sich aus OCEp 1484.

Seine Teilnahme am Regensburger Reichstag 1541 ist durch mehrere Zeugnisse belegt. So hat er ein Gutachten zur Aufrichtung einer christlichen Schule eingereicht, das Christoph von Kreytzen Ende April oder Anfang Mai an Herzog Albrecht (Preußen) schickte.[68] Freilich ist C. zu dieser Zeit noch in Tübingen. Auch in MBW Nr. 2760, 2761 Anm. und 2763 (entspricht OCEp 1479) sieht man, dass C. in Regensburg war; freilich besuchte er zwischendurch (Mitte Juli) seinen Bruder Hieronymus Camerarius in Burglengenfeld. Am 17.7. war er wieder in Regensburg, von wo er vor dem 25.7. (MBW Nr. 2775) wieder nach Tübingen aufbrach.[69] Somit erlebte er den Reichsabschied am 29.7. nicht mehr vor Ort mit.[70] Auf diesem Reichstag muss es gewesen sein, dass Melanchthon seinen "Hyänentraum" hatte, der sich auf das "Regensburger Buch" bezog: Dieses bezeichnet C. später in der Melanchthon-Vita als ",Interim' in seiner Knabenzeit ... allen verhasst und heimlich erzogen".[71]

(Vinzenz Gottlieb)

Die Leipziger Zeit (1541-1574)

Das Jahr 1541 bildet eine Zäsur nicht nur im Leben des Camerarius, sondern auch Sachsens: Der neue albertinische Herzog Moritz (Sachsen) sollte das Machtgefüge im Territorium, unter den protestantischen Reichsständen und im gesamten Reich erheblich durcheinanderwirbeln. Es gibt eine ganze Reihe von Ereignissen, die dabei eine Rolle spielen: Die Einführung der Reformation durch Hz. Heinrich (Sachsen) im albertinischen Herzogtum 1539, der Schmalkaldische Krieg 1546/47, der „geharnischte Reichstag“ 1547/48, die Belagerung Magdeburgs 1550/51 oder der Fürstenaufstand 1552. Ein Ereignis wie die Berufung des Camerarius an die Universität (Leipzig) nimmt sich dagegen eher unbedeutend aus. Für das Ergehen der Institution hatte sie aber Konsequenzen, die keineswegs gering zu achten sind.[72] Seine Rolle in der Universitätspolitik wird von der bisherigen Forschung als sehr bedeutend angesehen,[73] während die Reformationsgeschichtsforschung ihm früher nur eine kleine Nebenrolle zugebilligt hat – zumeist an der Seite Melanchthons. Doch Günther Wartenberg zählte ihn "zu den Geburtshelfern eines sächsischen Konfessionsluthertums".[74] Wir werden hier sein vielfältiges Engagement im Bereich der Theologie und Kirchenpolitik skizzieren.

Seine Wirkenszeit in Leipzig wird hier in vier Phasen eingeteilt: 1541 bis 1546, 1547 bis 1553, 1553 bis 1560 und 1560 bis 1574. Dies ist überwiegend politikgeschichtlich motiviert:[75] In den ersten Regierungsjahren[76] wurde Herzog Moritz von seinen Amtskollegen noch nicht ernstgenommen und strebte danach, sich aus der Abhängigkeit von Kursachsen und Hessen zu befreien, was zunächst nur durch die Parteinahme für das Haus Habsburg und damit ein neues Abhängigkeitsverhältnis gelang.[77] Seine Rolle in der Politik, aber auch in der Theologie blieb daher zunächst eine untergeordnete.

Der Schmalkaldische Krieg bildet die erste Zäsur: 1547 erfolgte Moritzens Erhebung zum Kurfürsten und die Eingliederung der Kurlande um Wittenberg ins albertinische Herrschaftsgebiet. Dadurch und auch durch den Tod Luthers 1546 wurde das „neue“ Kurfürstentum zu einem der wichtigsten Zentren der Reformation, da so bedeutende Wittenberger Reformatoren wie Melanchthon und Johannes Bugenhagen nun in diesem Land wirkten.[78] Überdies konnte Moritz sich trotz des „Augsburger Interims“ allmählich aus der kaiserlichen Vormacht emanzipieren. Die Mittel dafür waren die Belagerung Magdeburgs 1550/51 und der Fürstenaufstand 1552.

Moritzens Tod im Jahr 1553 bildet die nächste Zäsur, da sein Bruder August (Sachsen) von den kühnen Entwürfen seines Vorgängers Abstand nahm und sich stärker Landesausbau und Reichspolitik verschrieb.[79] Viele unter Moritz begonnene Vorhaben endeten damit abrupt. Nur wenige Monate später verstarb Georg von Anhalt, der sich zu einem der führenden Theologen des Kurfürstentums entwickelt und gerade in der Religionspolitik großen Einfluss erworben hatte. Er prägte als „Bischof“ von Merseburg die Ausgestaltung der albertinisch-sächsischen Kirchenordnungen in bedeutendem Maße, wirkte an der Ausarbeitung zur Leipziger Landtagsvorlage 1548 mit (dem sog. Leipziger Interim), des weiteren an der Confessio Saxonica 1551, und nahm an mehreren Religionsgesprächen teil.[80] Für Camerarius stellte sich in dieser Zeit auch die Frage, ob er überhaupt nach Leipzig zurückkehren sollte.[81]

Das Jahr 1560 schließlich bringt den Tod Melanchthons. Diesem kommt in der Rückschau eine größere theologische Bedeutung zu als seinem Leipziger Freund und Kollegen. Wir können aber oft nicht ermessen, wieviel „Camerarius“ in jedem Werk steckt, auf dem „Melanchthon“ draufsteht. Mit dessen Tod war Camerarius nun der letzte Überlebende der ersten Reformatorengeneration, wenn man ihn dazu zählen will. Diese Rolle zeigt sich deutlich in seiner Ladung durch Kaiser Maximilian II. (HRR) nach Wien, um bei der Erstellung einer Kirchenordnung mitzuarbeiten (vgl. Schlagwort Biographisches (Wienreise).) Ob Camerarius den Drang verspürte, das Erbe Melanchthons weiterzuführen, oder aus anderen Gründen: Jedenfalls verfasste er in den nächsten 14 Jahren mehr theologische Werke als zuvor. Den nächsten Einschnitt bildet nicht nur sein Tod 1574, sondern im gleichen Jahr die religionspolitische Wende Augusts, der viele „Philippisten“ wegen des Verdachts auf Kryptocalvinismus aus ihren Ämtern entfernte; Georg Cracow und Caspar Peucer wurden sogar eingekerkert. Auch Camerarius-Schüler wie Gregor Bersman,[82] Ernst Vögelin und Andreas Freyhub konnten sich nicht mehr lange halten.[83]

(Vinzenz Gottlieb)

Voraussetzungen in Leipzig

Bis 1539 war die Universität Leipzig wie das gesamte albertinische Herzogtum Sachsen ein Hort des alten Glaubens, an dem Herzog Georg (Sachsen) den Einflüssen der Reformation (trotz anfänglicher Sympathie in einigen Punkten) durch eine eigenständige Reformpolitik trotzte.[84] Dabei zeigt die Arbeit von Christoph Volkmar eindrucksvoll, dass dieses Vorgehen keineswegs automatisch zum Scheitern verurteilt war, sondern dass erst durch den Tod von Georgs Söhnen (Johann und Friedrich) die "Fürstenreformation von oben"[85] durch Heinrich (Sachsen) ermöglicht worden ist. Durchaus nicht unwidersprochen[86] predigte der Ablassprediger Johann Tetzel 1516, 1517 und 1518 in der Stadt.[87] Auch Camerarius soll im Jahr 1517 zusammen mit seinem Lehrer Georg Helt eine dieser Predigten gehört und entrüstet die Kirche verlassen haben.[88] Die Leipziger Disputation 1519 zwischen Martin Luther, Andreas Bodenstein und Johannes Eck verfolgte er aus der Ferne, während er in Erfurt studierte. Sein Freund Adam Krafft war in Leipzig zugegen und bewog dort Philipp Melanchthon, einige Verse für Camerarius zu verfassen, was den Beginn von deren langer Freundschaft bildete.[89]

Mit der Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen[90] ergab sich auch die Notwendigkeit, den Lehrkörper der Universität an die geänderte konfessionelle Situation anzupassen. Besonders wichtig war die Ausbildung zuverlässiger Staatsbeamter und Pfarrer.[91] Nachdem am 13.8.1539 die Visitatoren im Auftrag Herzogs Heinrich (Sachsen) alle Universitätsangehörigen auf die Augsburgische Konfession und deren Apologie verpflichtet hatten,[92] bestanden aber gerade an der Theologischen Fakultät noch einige Schwierigkeiten, wie Camerarius sie schon in Tübingen angetroffen hatte. Besonders der Franke Hieronymus Dungersheim verweigerte sich der neuen Lehre. Er war seit Anfang 1538 Dekan und der einzige promovierte Theologe vor Ort. Auf besagte Visitation des Herzogs reagierte die Fakultät, sicher auf Dungersheims Betreiben hin, mit der Zusage „sie wolten der Augspurgischen Confeßion und derselben Apologie nicht widerstehen, in so ferne sie weder dem Evangelio noch der Wahrheit widersprächen“.[93] Dies wird allgemein als nur äußerliche Zustimmung gesehen, die im Widerspruch zum Standpunkt der übrigen Fakultäten stand und dem Herzog auch nicht genügte.

Die häufige Abwesenheit von Professoren, die meist auswärtige Kanonikate bekleideten und ihren Lebensmittelpunkt nicht in Leipzig hatten,[94] bereitete schon zu Regierungszeiten Herzog Georg (Sachsen) Schwierigkeiten: Bei der Promotion von Melchior Rudel und Matthäus Metz am 3. April 1538 hatten sich die anderen zuständigen Professoren aus Krankheitsgründen entschuldigen lassen. Da ein Professor allein nicht promovieren durfte, musste Dungersheim seinen Kollegen Johann Sauer aus Halle heranziehen.[95] Dungersheim starb nach Krankheit am 2.3.1540. In seine Fußstapfen trat der aus Halle (Saale) herbeigeeilte Johann Sauer, der die Reformation auch bestenfalls halbherzig unterstütze und Leipzig schon 1544 in Richtung Wien verließ. Nur kurz (1539-1541) währte die Professorenkarriere des ersten evangelischen Theologieprofessors Nicolaus Scheubleyn, die durch seinen unglücklichen Tod ein jähes Ende fand.[96] Der systematische Neuaufbau der Fakultät erfolgte unter Heinrichs Sohn und Nachfolger Moritz (Sachsen), der nach der Berufung des Camerarius den Reformkurs fortsetzte, indem er am 26.5.1542 fünf theologische Lehrstühle stiftete (je zwei für das Alte und das Neue Testament sowie einen für Hebräisch) und für deren Finanzierung durch die Erträge des vormaligen Paulinerklosters sorgte. Es dauerte allerding bis zum Wintersemester 1544, bis durch die Aufnahme des Schotten Alexander Alesius in die Fakultät alle theologischen Lehrstühle besetzt werden konnten.[97] Jakob Schenck lehrte vom Wintersemester 1541/42 bis Oktober 1542, wurde dann aber entlassen und im August 1543 des Landes verwiesen.[98]


(Vinzenz Gottlieb)

1541 bis 1546

Am 10.10.1543 erfolgte in Leipzig die theologische Doktorpromotion von Caspar Borner, Johann Pfeffinger, Andreas Samuel[99], Wolfgang Schirmeister und Bernhard Ziegler – die erste nach dem neuen Bekenntnis. Fast alle der Promovenden waren Absolventen der Universität (Wittenberg), die somit ihren Einfluss in Leipzig intensivierte. Zu besagter Promotion wurden auch die Wittenberger Theologen eingeladen, um das gute Verhältnis zu demonstrieren (MBW Nr. 3333). Martin Luther, Johannes Bugenhagen und Philipp Melanchthon mussten zwar wegen der gleichzeitigen Promotion des Erasmus Alberus absagen, schickten aber Caspar Cruciger und Paul Eber als Vertreter (MBW Nr. 3338).[100] Die von den Kandidaten disputierten quaestiones wurden von Camerarius ediert, zusammen mit Zieglers Promotionsrede, einem lateinischen Bericht über die Vereidigung, dem Einladungsschreiben an die Wittenberger Fakultät, dem Wittenberger Antwortschreiben und einer Psalmenparaphrase in lateinischer (Melanchthon) und griechischer (Camerarius) Sprache: Div., Quaestiones quinque, 1544.[101]

Schon bald nach Camerarius‘ Ankunft in Leipzig wurde er von Hz. Moritz in theologische Belange einbezogen. So widmete er sich mit Borner zusammen der Universitätsreform; dann bat Moritz ihn und die Theologische Fakultät um ein „Gutachten für die weitere Gestaltung der Landeskirche“,[102] wobei Camerarius auch an der Vorbereitung des Konsistoriums mitwirken sollte. Melanchthon unterstützte ihn durch Zusendung der Wittenberger Konsistorialordnung von 1542.[103] Streitpunkt dabei war die Kirchenstruktur: Während eine Gruppe um Georg von Karlowitz die alten Strukturen beibehalten wollte,[104] strebten die Superintendenten ein Konsistorium an, wie es im ernestinischen Kurfürstentum bereits bestand.[105] Zur Entscheidungsfindung wurden die Leipziger Theologen einbezogen und auch Camerarius. Die Ideen von Georg III. (Anhalt-Plötzkau) sind hier auch zu beachten.[106]

Im Zuge der Universitätsreform richtete Herzog Moritz 100 Stipendien ein, die in erster Linie Theologiestudenten zugute kommen sollten. So wollte er dem Mangel an evangelischen Theologen abhelfen. Dies war nötig geworden, um die wegfallenden Einkommen aus kirchlichen Pfründen zu kompensieren. Camerarius gehörte zu den Prüfern der Stipendiaten; außerdem arbeitete er 1556 an einer neuen Stipendienordnung mit.[107] Ob die Ähnlichkeiten im Stipendienwesen der Universitäten Leipzig und Tübingen[108] Camerarius zu verdanken sind, ist noch zu prüfen.

Die Visitation der neugegründeten Fürstenschulen wurde der Universität (Leipzig) übertragen, wobei Camerarius ausdrücklich persönlich genannt wird.[109]

Aber auch fremde Landesfürsten bemühten sich außerordentlich um die Dienste des Camerarius. Dabei ist vor allem Herzog Albrecht (Preußen) zu nennen: Während C. im Oktober 1543 eine Stelle als Rektor der Königsberger Universität ablehnen musste, konsultierte der Herzog ihn (und Melanchthon) am 30.6.1545 bei der Problematik des Promotionsrechts. Dieses konnte nur vom Papst oder Kaiser erteilt werden. Von beiden war keine Zustimmung zu erwarten. Albrecht wandte sich weder an Juristen noch an prominente Theologen wie Martin Luther, sondern an die beiden Humanisten, die ihm nahe standen.[110] Das deutet auf den Willen hin, die Angelegenheit relativ diskret und geschickt zu lösen.[111]. Eine entsprechende Lösung präsentierten sie in MBW Nr. 3970 unter Verweis auf die Kirchengeschichte, insbesondere die Zeit unter Kaiser Julian (Apostata). Die Situation ähnelte der Tübinger Problematik so sehr, dass die beiden Gutachten sogar in der Forschung verwechselt worden sind: Vgl. Volz 1977, S. 90-93 und 3970 Anm..[112] Das gute Verhältnis, das Camerarius und die Wittenberger Theologen zu Albrecht hatten, zeigt sich auch in einem Brief vom 8.10.1543, worin sie ihn (letztendlich vergeblich) bitten, auf das Studium seines Leibarztes Andreas Aurifaber in Italien zu verzichten.[113]

(Vinzenz Gottlieb)

1547 bis 1553

Während des Schmalkaldischen Krieges fand C. zunächst in Merseburg bei Fürst Georg Unterschlupf, dann zog er über Erfurt weiter nach Franken.[114] Der Rat der Stadt Nürnberg bot ihm und Melanchthon Asyl an. Damit verbunden war möglicherweise die Hoffnung, dass beide Lehrtätigkeiten an der behelfsmäßigen Hochschule übernehmen würden, die dort eingerichtet worden war, vor allem für geflüchtete Wittenberger und Leipziger Studenten.[115] Melanchthon verblieb aber in Sachsen, und für eine Lehrtätigkeit des Camerarius in Nürnberg gibt es keine Belege. Allenfalls die Erwähnung, er werde zahlreiche Schüler nach Leipzig mitbringen,[116] kann ein Hinweis darauf sein. Die Wiederaufnahme seines Amtes in Leipzig war keineswegs sicher; so erwog er sogar, eine Theologieprofessur in Königsberg anzunehmen, wo sein Sohn Johannes Camerarius II. bereits studierte.[117] Auch Alesius interessierte sich dafür, und Melanchthon wurde sogar von Albrecht (Preußen) dorthin berufen.[118] Ebenso gab es Angebote des Kurfürsten Joachim II. (Brandenburg), dass C. an der Universität (Frankfurt an der Oder) unterkommen könne.[119] Camerarius wurde durch (den neuen Kf.) Moritz im Sommer 1547 nach Leipzig zurückberufen, wobei auch einige Theologen dies forderten.[120] Nachdem Camerarius und Melanchthon nach Kriegsende wieder in Sachsen weilten, wurden sie wie zuvor mit einigen Aufgaben betraut; Georg von Anhalt wirkte weiterhin mit, obwohl er in Merseburg seine Leitungsfunktionen nach dem Schmalkaldischen Krieg an den altgläubigen Bischof Michael Helding abtreten musste.

Eine wichtige Aufgabe war zunächst die Arbeit an der Umsetzung des "Augsburger Interims", das als Übergangslösung für das Zusammenleben der Konfessionen bis zur Lösung auf einem Konzil bilden sollte.[121] Jedoch verweigerten die altgläubigen Reichsstände die Annahme, so dass es nur noch für die evangelischen Reichsstände gelten sollte. Kurfürst Moritz zögerte mit der Annahme und verwies auf die Bedenken seiner Landstände und Theologen. Melanchthon und andere (Caspar Cruciger, Johann Pfeffinger und Georg Maior) forderten ausdrücklich, dass neben Georg von Anhalt auch Camerarius in die Theologenkommission berufen wurde.[122] Diese erarbeitete dann Vorschläge, wie man dem Kaiser in Äußerlichkeiten (Mitteldinge, Adiaphora) entgegenkommen könnte, ohne zentrale Glaubensinhalte aufzugeben.[123] Wichtige Stationen in der Entstehung dieser sog. Landtagsvorlage[124] waren die Konferenzen von Theologen und Räten, wobei die Treffen in Pegau (23.-25.8.) und Torgau (18.10.) ohne Beteiligung des Camerarius,[125] die von Altzella im November 1548 und der Theologentag zu Jüterbog am 16. und 17.12. in seiner Anwesenheit erfolgten.[126] Präsentiert wurden die Ergebnisse auf dem Landtag in Leipzig Ende Dezember.[127] Obwohl die Stände die Vorlage ganz überwiegend akzeptierten, gab es jedoch Schwierigkeiten bei der Umsetzung, da die altgläubigen Bischöfe nicht einverstanden waren. Veröffentlicht wurden nur Auszüge der neuen Kirchenordnung;[128] durch Moritzens Hinhaltepolitik und Bedenken von Seiten der Theologen verzögerte sich die Annahme der Interimsartikel in Sachsen und unterblieb schließlich ganz, abgesehen von Details wie dem Tragen des Chorrocks.[129] Das zögerliche, aber zunächst nicht klar ablehnende Verhalten des Landesherrn schützte so auch seine eigenen Theologen: So gab es in Sachsen kaum Verfolgungen oder Verbannungen von Theologen, die dem Interim widersprachen. Zwar forderte Karl V. (HRR) kurzzeitig Melanchthons Auslieferung, konnte aber schließlich davon abgebracht werden. Anders sah es bei kleineren, besonders süddeutschen, Reichsständen aus: Aus Württemberg musste Johannes Brenz, aus Braunschweig-Calenberg Joachim Mörlin, aus Nürnberg Andreas Osiander fliehen, während Veit Dietrich dort bereits 1547 suspendiert worden war und Anfang 1549 nach schwerer Krankheit starb.[130] In Leipzig dagegen konnte ein Interim-Gegner wie Alexander Alesius weiterhin seine Positionen lehren.[131] Für Camerarius und besonders für Melanchthon sollte die Mitwirkung an der Landtagsvorlage aber in zahlreichen Schmähungen innerhalb des protestantischen Lagers resultieren, hauptsächlich von Seiten der Gnesiolutheraner.[132] Zunächst scheint sich die Schmähkritik auf Melanchthon konzentriert zu haben; Camerarius geriet ins Visier, als er den Freund durch die Querela Lutheri unterstützte.[133]

Wie oben bereits erwähnt, war das Interim nur als Übergangslösung bis zu einem Konzil gedacht. Auf diesem sollte die Kirchenspaltung entgültig überwunden werden. So kam auf die sächsischen Theologen die Aufgabe zu, ihre Glaubenswahrheiten überzeugend darzustellen. Im Jahr 1551 erarbeiteten sie daher, wiederum unter Mitwirkung des C., die Confessio Saxonica zur Vorbereitung auf das Konzil von Trient.[134] Camerarius wurde im April 1551 nach Württemberg geschickt, um mit Johannes Brenz Vorbesprechungen abzuhalten.[135] Die Wahl seiner Person lag sicher an den guten Kontakten der beiden aus Tübinger Zeit. Camerarius traf sich auch mit süddeutschen Theologen am 19.8.1551 in Langensalza, um über die Confessio Saxonica und die Confessio Virtembergica zu sprechen.[136] Das Konzil kam nach einer Unterbrechung im Mai 1551 wieder in Trient zusammen. Melanchthons Teilnahme war vorgesehen, doch musste er in Nürnberg den angestrebten Geleitbrief erwarten.[137] Das Geleit wurde aber nie in der von Moritz (Sachsen) geforderten Form bewilligt.[138] Melanchthon kehrte schon im März 1552 wieder nach Sachsen zurück, als seine Teilnahme aufgrund des Fürstenaufstands obsolet wurde.[139]

Der Bedarf an (neugläubigen) Theologen in Leipzig blieb in diesen Jahren weiterhin groß, auch bedingt durch den Tod Borners (1547), Johannes Mentzels und Zieglers (beide 1552) sowie den Weggang Nikolaus Zipsers (1553).[140] Dies führte dazu, dass 1553 sogar der Mathematiker Johann Hommel gedrängt wurde, den Doktorgrad der Theologie zu erwerben. Diesem Ersuchen kam er aber nicht nach.[141]

(Vinzenz Gottlieb)

1553 bis 1560

Anders als in der Reichspolitik brachte der Tod des Kurfürsten Moritz (Sachsen) zunächst keinen Bruch in der kursächsischen Kirchenpolitik mit sich. Kurfürst August (Sachsen) führte hier die Politik seines Bruders fort und baute die evangelische Landeskirche weiter aus.[142] Sofort nach seiner Rückkehr aus Dänemark suchte er das Gespräch mit Philipp Melanchthon, der künftig die führende Rolle unter den sächsischen Theologen spielen sollte.[143] Für Camerarius änderte sich einiges dadurch, dass er sich theologisch stärker exponierte: Mit der Herausgabe der Querela Martini Lutheri geriet er plötzlich ins Visier von Kontroverstheologen.

Vom 20.-29.5.1554 nahm Camerarius am Naumburger Konvent teil, zusammen mit Theologen aus Kursachsen, Hessen und Straßburg, wie Melanchthon, Alexander Alesius, Johann Forster, Adam Krafft und anderen.[144] Ziel des Treffens war das Finden einer gemeinsamen Linie für den Augsburger Reichstag 1555,[145] der im Augsburger Religionsfrieden resultierte. Inhalte des Naumburger Konvents waren das Verwerfen der osiandrischen und schwenkfeldschen Lehre, des Interims und des Papsttums sowie die Behandlung von Zeremonien, Beichte, Konsistorien, Kirchenstrafen und kirchlicher Autorität. Das Treffen scheiterte letztendlich am Ausbleiben der württembergischen Vertreter. Im Abschlussdokument werden einige Positionen erkennbar, die Camerarius mitgetragen hat. Deutlich wird die klare Ablehnung der Schwenckfeld’schen Lehre, während Osianders Lehre differenziert betrachtet wird.[146] Während der theologische Schulterschluss nicht klappte, so war doch am selben Ort ein Treffen politischer Vertreter von Erfolg gekrönt, indem schon im Februar 1554 (zumindest vorübergehend) ein Ausgleich zwischen albertinischen und ernestinischen Interessen geschaffen wurde.[147]

Camerarius wurde weiterhin mit der Visitation der Fürstenschulen betraut;[148] für die Kirchenvisitation wurden nur die Wittenberger Theologen sowie aus Leipzig Superintendent Pfeffinger herangezogen.[149]

Der Reichstag 1555 brachte mit dem „Augsburger Religionsfrieden“ eine entscheidende Zäsur in der Reichs- und Religionspolitik des 16. Jahrhunderts mit sich. Die sächsischen Kurfürsten (Moritz und August) und deren Räte legten hierfür wichtige Grundlagen.[150] Während des Reichstags war Camerarius (zumindest im Juni 1555) in Augsburg: Vgl. OCEp 0680 und OCEp 0909. Ob er an den Verhandlungen teilnahm, ist unklar. So bittet er H. Wolf in OCEp 0820 vorsorglich um Berichte. Wolf schreibt ihm aber (am 29.9.1555) nichts darüber, unter Verweis auf die sächsischen Gesandten, die das berichten würden.[151]

1555 war C. Teil der kursächsischen Gesandtschaft in Nürnberg zur Beilegung des Osiandrischen Streits.[152] Nähere Informationen zur Reise unter MBW 7591 m. Anm.; siehe auch Siegmund-Schultze 2005, S. 304-307. Auch hier waren Melanchthon und Alesius zugegen. Wendorf 1957, S. 78 zeigt anhand dieser Reise sowie des Naumburger Konvents auf, dass die Meinung des Camerarius für Melanchthon sehr wichtig war.

Camerarius nahm 1556 am Regensburger Reichstag teil: Vgl. OCEp 0688 und MBW Nr. 8008 (28.10.56): C. ist mit Franz Kram in Regensburg.

Die Teilnahme am Religionsgespräch Worms 1557 war nicht geplant. Da jedoch währenddessen Melanchthons Frau Katharina Melanchthon am 11.10. starb, reiste C. persönlich nach Worms, um dem Freund die Nachricht zu überbringen und ihn zu trösten. Er fand ihn schließlich Ende Oktober in Heidelberg, wohin er in einer längeren Verhandlungspause[153] gereist war und wo er Kurfürst Ottheinrich (Pfalz) bei der Reform der Universität (Heidelberg) beriet, während die Wormser Verhandlungen stagnierten.[154] C. scheint noch vor der (letztlich erfolglosen) Wiederaufnahme der Verhandlungen zurückgereist zu sein. Den Reiseweg hat er in einem Reisegedicht nachgezeichnet.

Im Sommersemester 1558 war C. Rektor der Universität Leipzig. [155] Fast gleichzeitig mit seinem Amtsantritt wurden die neuen Statuten der Artistenfakultät durch den Kurfürsten bestätigt, an deren Erstellung Camerarius maßgeblich beteiligt war.[156] In diese Zeit fallen auch die Neubesetzungen von vakanten Posten der theologischen Fakultät: Nach dem Tod Wolfgang Schirmeisters 1555 waren nur Pfeffinger und Alesius als ordentliche Professoren verblieben. Mit der Berufung von Andreas Knauer als Tertius und Heinrich Salmuth sowie Peter Helborn als Hebräischlektor konnte dem Mangel wiederum abgeholfen werden.[157]

Dass C. 1559 am Reichstag in Augsburg teilgenommen hat, ist eher unwahrscheinlich.[158]

(Vinzenz Gottlieb)

1560 bis 1574

Visitationstätigkeit

Visitationen führte Camerarius meist in landesherrlichem Auftrag und qua Amt durch: In Tübingen wirkte er im Auftrag von Herzog Ulrich (Württemberg) als Kommissar an der Universität (Tübingen). Von Leipzig aus visitierte er u.a. die drei Fürstenschulen.[159]

Camerarius und bedeutende Theologen

Hier sei verwiesen auf die Briefwechsel, die C. mit einigen Theologen führte: Georg von Anhalt in diesem Lexikon; Philipp Melanchthon im Melanchthon-Briefwechsel, Johannes Brenz im Theologenbriefwechsel (vgl. ThBW 1, S. lxxii-lxxiv, lxxx, xcix, 16-18, 23-25, 70-72, 205-207). Gesonderte Betrachtung verdienen Martin Luther und Alexander Alesius. Gar nicht untersucht wurden hier bisher Matthäus Alber (ThBW 1, S. 176-179: Alber bezeichnet C. als "mein allt bekhandter freindt"; vgl. auch MBW - Regesten online, Nr. 6175) und Jakob Andreae (ThBW 1, S. 614). Auf katholischer Seite Julius von Pflug und Daniel Stiebar. Dazu in Kürze mehr.

Theologische Schriften des Camerarius

Kirchengeschichtsschreibung

Die Theodoret-Übersetzung - Philologie, nicht Theologie

Glaubt man Camerarius' Widmungsbrief an Justus Jonas, war es wie auch in anderen Fällen seine schlechte Gesundheit, die den Anstoß zu seiner Beschäftigung mit Theodoret gab.[160] 1535[161] habe er wieder einmal krank im Bett gelegen, vermutlich aufgrund seines langjährigen offenen Geschwürs am Fuß, das ihm zu dieser Zeit zu schaffen machte (→ Medizin); bei dieser Gelegenheit habe er in einem Buch gelesen, das sowohl eine griechische Edition von Theodorets Kirchengeschichte als auch Teile einer lateinischen Übersetzung derselben durch Epiphanius Scholasticus enthalten habe (es muss sich um das Kompendium zur Kirchengeschichte gehandelt, das Beatus Rhenanus 1535 in Basel herausgab[162]). Auf das Drängen von Freunden, die bei ihm auf Krankenbesuch waren, darunter Johann Mylius, habe er mit der Übersetzung des Werks ins Lateinische begonnen: Die Version des Epiphanius, dem Camerarius barbaries, inscitia und somnolentia zuschreibt (Bl. α2r), habe sowohl Mylius als auch er selbst als völlig nutzlos erkannt, da Epiphanius selbst vermutlich bereits eine spätere Sprachstufe des Griechischen gebrauchte und daher mit der älteren Form Theodorets weniger vertraut war als Camerarius, der das Griechische von den besten (d.h. von den klassischen) Autoren und dem hervorragenden Georg Helt gelernt habe. Camerarius habe sich beim Lesen gar die Frage gestellt, wie es sein könne, dass einem Griechen nicht nur die lateinische, sondern gar seine eigene Sprache so fremd sei![163]
Es handelt sich bei Camerarius' Übersetzung offenbar um ein recht kurzfristiges Unterfangen: Da er sie als Produkt langer Sommertage (opella aestivalium dierum longarum, Bl. A3v) bezeichnet, ist anzunehmen, dass sie tatsächlich in den Sommermonaten des Jahres 1535 entstand, mutmaßlich noch vor Verfassen des Widmungsbriefes, der auf den 13. August datiert ist. Die Übersetzung wurde schließlich 1536 gedruckt.[164] Neben dem lateinischen Text enthält sie an einzelnen Stellen Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge zur griechischen Textgestalt in Form von Marginalien. Camerarius' Übertragung ist freier als die des Epiphanius; während letzterer sich stets bemüht, nah am griechischen Text zu bleiben und dafür häufig zu griechischen Fremdwörtern (scandalizare für σκανδαλίζειν, zelus für ζῆλος) und gräzisierender Syntax greift (Post quem Philogonius Pontificatum sumens ... für Φιλογόνιος δὲ μετὰ τοῦτον τὴν προεδρείαν λαβῶν),[165] verwendet Camerarius lateinische Ausdrücke (offendiculo esse, fervor) und zielsprachenorientierte Syntax (quem excipiens Philogonius ...).[166] Zugleich korrigiert Camerarius auch Verständnisfehler des Epiphanius (so übersetzt Epiphanius Genitiv und Partizip nach ἀκούειν mit einer Kombination von audire und Ablativus absolutus, wohingegen Camerarius korrekt ein Genitivobjekt erkennt, s.o. Anm.) und arbeitet semantisch genauer (für παντοδαποῖς κοσμούμενος ἀγαθοῖς hat Epiphanius omnibus bonis ornatus, Camerarius multiplicibus bonis ornatus[167]).

Camerarius bezeichnet seine Übersetzung ausdrücklich als philologische, nicht theologische Arbeit: Auf das Gebiet der Theologie habe er sich nicht begeben und er werde es auch nur unter Zwang tun. Jeder, nicht nur Theologen, sollten sich an seiner Arbeit erfreuen, gerade in einer Zeit, in der die von Theodoret beschriebenen Laster in allzu ähnlicher Form wieder aufträten; das Werk solle zu deren Heilung dienen.[168] Außerdem betont er den Wert seiner Übersetzung als geschichtliche Quelle, da die bisherigen Übersetzungen und Parallelberichte die Ereignisse zeitlich durcheinandergebracht hätten.[169] Eine Folge davon sei etwa, dass man allgemein annehme, der Häretiker Arius sei unter Kaiser Constantius gestorben; Theodoret schreibe aber klar und deutlich, dass sein Tod unter Kaiser Konstantin erfolgt sei.[170] Entsprechend sei entweder Theodoret unglaubwürdig oder Rufinus (von Aquileia) sowie die Übersetzer Theodorets, von denen die verbreitete Interpretation stammte, hätten ungenau gearbeitet.[171]
Der Ireniker Camerarius bemüht sich also ganz bewusst, sich von den theologischen Inhalten des Werks zu distanzieren, um nicht in die Schusslinie zu geraten, falls mancher Theologe sich durch Theodorets Aussagen oder Camerarius' Übersetzung derselben angegriffen fühlen sollte. Auch die beiden Werbegedichte in drei griechischen und sieben lateinischen Distichen, die er im Anschluss an die Widmung dem Hauptwerk voranstellt, betonen vor allem den Quellenwert von Theodorets Werk, das die Geschichte von Gottes Volk erzähle:[172] Es behandle eine Zeit, für die sonst wenige Quellen existieren; auch wenn es seine Mängel habe, sei es daher dennoch extrem wertvoll.[173]
Das eigentliche Werk enthält darüber hinaus neben einer lateinischen Übersetzung von Theodorets Kirchengeschichte Übertragungen weiter kleiner Werke aus Theodorets Korpus; auch diese unterstreichen die Interpretation des Bandes als Geschichtswerk, indem sie Verständnishilfen und Hintergrundinformationen zu diesem liefern. Darunter finden sich Kurzbiographien der Kaiser von Konstantin bis Theodosius II., der Bischöfe und weiterer Theologen, kurze Erläuterungen zu den in der "Historia Ecclesiastica" erwähnten Häresien sowie zwei kurze Traktate zum Unterschied zwischen den lateinischen Begriffen substantia und essentia.[174]

Camerarius' Übersetzung scheint recht beliebt gewesen zu sein. Philipp Melanchthon bedankt sich im Februar 1536 für die geleistete Arbeit und zeigt sich über die geplante Widmung an Justus Jonas erfreut.[175] Ebenso bestätigen die häufigen Neuauflagen die Beliebtheit des Textes: Während Beatus Rhenanus' Band zur Kirchengeschichte in der Auflage von 1535 noch den griechischen Theodoret abdruckte und als einzige Übersetzungsversatzstücke die des Epiphanius Scholasticus aus der "Historia Tripartita" bot, enthalten die sieben zwischen 1539 und 1570 publizierten Neuauflagen zunächst beide Texte und später dann nur noch die vollständige Übersetzung des Camerarius.[176]

(Alexander Hubert)

Bibelexegese

Gebete und Frömmigkeit

Polemisches

Anmerkungen

  1. Diese Tatsache verdankt sich vor allem der unermüdlichen Arbeit der/Melanchthonforschungsstelle Heidelberg. Der Briefwechsel mit Melanchthon (über 600 Briefe) ist mit Abstand der umfangreichste des Camerarius: Vgl. Mundhenk 2020, S. 686.
  2. Zu Redaktionen im Humanistenbrief vgl. Schlegelmilch 2017, S. 279-281.
  3. Stählin begnügt sich damit, „den Gehalt der biographischen Schriften an religiösen Anschauungen und Empfindungen herauszuarbeiten“ (a.a.O. S. 52). Dies erfolgt auf S. 52-61.
  4. Vgl. Dall'Asta 2024, S. 154.
  5. Deutlich wird dies zunächst bei Stählin, Wendorf 1957, Wartenberg 1988, Hasse 2000. Einen knappen, aber guten Überblick über Literatur zu Camerarius bietet Woitkowitz 2003, S. 19-27.
  6. Hier sind zunächst die Akten des Hauptstaatsarchivs Dresden zu nennen. Sehr gründlichen Gebrauch davon hat Günther Wartenberg gemacht, der die Erkenntnisse in zahlreichen Artikeln niedergeschrieben hat. Eine explizite Camerarius-Abhandlung konnte Wartenberg abgesehen von Wartenberg 2003 vor seinem Tod nicht mehr verfassen. Auch Wendorf 1957 hat diese Quellen genutzt, was jedoch durch seinen Verzicht auf exakte Quellenangaben die Nutzung erschwert.
  7. In der Vita Melanchthonis verschweigt er gelegentlich seine eigene Teilhabe an wichtigen Ereignissen, obwohl diese angesprochen werden: z.B. die Mitschrift der Confutatio zur Augsburgischen Konfession: Vgl. Werner 2010, §41, S. 117 (mit Anm. 121).
  8. So beschwert er sich z.B. in OCEp 0313: Bei den Berufungsverhandlungen für die Universität (Leipzig) hatte er sich ausgebeten, keine Verpflichtungen außerhalb der Lehre auferlegt zu bekommen: Vgl. auch Gindhart/Hamm 2024, S. 16-18.
  9. Vgl. Aulinger/Schweinzer 2011, S. 83 etc. Zu C.‘ Mitschrift der Confutatio zur Confessio Augustana vgl. Peters 2014a, S. 226-236. Bei mehreren Reichstagen war Camerarius aber als Besucher anwesend und nutzte diese Treffen zum „Networking“. Es steht zu vermuten, dass er dabei auch seinen Freund Melanchthon beraten hat; wegen des inoffiziellen Charakters solcher Ereignisse ist aber die Wirkung seiner Tätigkeit schwer nachzuweisen.
  10. Vgl. Schäfer 2003 und Mundt 2001 sowie Kunkler 1998, S. 269-278. Die Datenbank Controversia et Confessio ergibt heute (7.12.2023) zur Suchanfrage „Camerarius“ 8 Treffer, darunter als einziges seiner Werke die Querela Lutheri.
  11. Vgl. Wendorf 1957, S. 36-40.
  12. Vgl. Gindhart/Hamm 2024, S. 17 sowie Schultheiß 2017, S. 204-206
  13. Zur Einführung vgl. Kirn 1909, S. 40-65 und Wartenberg 1988.
  14. Brief-ID 20922, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/20922. Zugriff am 16.2.2024.
  15. Zur Rechtfertigungslehre bezieht C. gelegentlich Positionen, die lutherischem Denken fern stehen, ja sogar Elemente der Werkgerechtigkeit enthalten: Vgl. Stählin 1936, S. 59. Das bezieht sich vor allem auf die Historia Jesu, S. 2, und die Querela Lutheri, Bl. Bv (die genaue Formulierung dort muss noch geprüft werden).
  16. Das bezieht sich, wie der Hinweis auf 1545 zeigt, auf die Leipziger Bartholomäuskonferenz, an der Camerarius teilgenommen hatte: Vgl. Wartenberg 1988, S. 207-209.
  17. Hier ist die Position zur Willensfreiheit angesprochen. Bereits in den diesbezüglichen Streit zwischen Luther und Erasmus von Rotterdam hatte Camerarius 1524/25 vermittelnd einzugreifen versucht.
  18. Vgl. MBW Regesten, Nr. 7591.
  19. In der Catechesis aus dem Jahr 1552 ist bemerkenswert, dass C. einige reformierte (zur Abendmahlslehre) und katholische Positionen (Heiligenverehrung, Zölibat) ablehnt, sich jedoch für die Einheit der Kirche einsetzt. Dies passt zu seinen Einigungsbemühungen in der Interimsfrage und der Confessio Saxonica. Siehe auch Schultheiß 2024, S. 198-200.
  20. Vgl. Kunkler 1998, S. 44; Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574, Bl. B1r und Adam 1615, S. 259.
  21. Krafft war für C.' theologisches Netzwerk von nicht zu unterschätzender Bedeutung: Er vermittelte ihm den Kontakt zu Hessus (vgl. Camerarius, Narratio de Helio Eobano Hesso, 1553, Kapitel 3 und 16), Melanchthon (vgl. Camerarius, Vita Philippi Melanchthonis, 1566, Kapitel 11) sowie zu Conradus Mutianus Rufus und Ulrich von Hutten (vgl. Woitkowitz 2003, S. 35).
  22. So auch Stählin 1936, S. 56. Vgl. dazu Asche 2003, S. 59 sowie ebda., S. 43-60, zur Studienzeit des Camerarius in Leipzig und Erfurt.
  23. Zur Studienzeit in Leipzig, Erfurt und Wittenberg vgl. Gindhart/Hamm 2024, S. 10-12.
  24. . Laut MBW 343.2 brach C. um den 25.9. von Wittenberg auf.
  25. Ihre Identität ist unsicher: So nennt Kunkler 1998, S. 72 sie in Berufung auf Schelhorn 1740, Stammtafel (hinter S. 8) Barbara. Schelhorns Angaben zu Barbara Camerarius sind aber nicht zuverlässig. Es kann sich auch um eine andere Schwester handeln.
  26. Beschreibung der Flucht in MBW 354 und Kunkler 1998, S. 73-78.
  27. Der Streit ist vielfach beschrieben worden, so in Schwanke 2012 und in Peters, Christian: Zwischen Erasmus und Luther. Justus Jonas und die Krise des Erfurter Humanistenkreises. In: Irene Dingel (Hrsg.): Justus Jonas (1493-1555) und seine Bedeutung für die Wittenberger Reformation. Leipzig 2009, S. 39-58. Die Rolle des Camerarius kommt dabei jedoch selten zur Sprache.
  28. Vgl. Kroker 1909, S. 51-54.
  29. Kroker, Ernst: Luthers Tischreden in der Mathesischen Sammlung: aus einer Handschrift der Leipziger Stadtbibliothek, Leipzig 1903, S. 146, Nr. 212[1]
  30. Vgl. Kunkler 1998, S. 88-98.
  31. Vgl. Kolde 1911, S. 210-212. Hieronymus scheint aber zumindest offziell dem alten Glauben treu geblieben zu sein; jedenfalls schreibt Melanchthon in einem Fürbittbrief (MBW Nr. 554.2): "ne quidem Lutheranis ita favit unquam, ut reprehendi posset."
  32. MBW Nr. 555.2: Hoc scio nullam ei familiaritatem cum ullis Lutheranis unquam fuisse.
  33. Vgl. MBW Nr. 557.
  34. Vgl. Gindhart/Hamm 2024, S. 12-14; ausführlicher Heerwagen 1867 und Heerwagen 1868.
  35. Siehe die etwas später verfassten Praecepta. Aus seiner Nürnberger Zeit sind erstaunlicherweise kaum theologische oder pädagogische Schriften erhalten. Lediglich die Capita sacrosanctae fidei sind bekannt.
  36. Siehe den Brief Hessus an Groningen, 20.12.1526, in Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Q3v-Q4r.
  37. Vgl. Aulinger 2011, S. 100–101 und 955–956. Anscheinden mussten die Gesandten wegen der Türkengefahr (Schlacht von Mohács am 29.8.1526) am 18-Fürstentag (1.-21.12.1526) teilnehmen. Damit reichte die Zeit für die Sendung nicht mehr, da Frankreich nur für vier Monate freies Geleit gewährt hatte.
  38. Zur Hochzeit vgl. Walter 2024. Arrangiert wurde die Hochzeit möglicherweise von Christoph Führer I. (vgl. Woitkowitz 2003, S. 39 Anm 107).
  39. Dazu Taegert 2023.
  40. Die Nürnberger Gesandtschaft schreibt dazu in ihrem Bericht über die Verlesung an den Nürnberger Rat (CR II, S. 249–252, hier S. 250): Darauf ist dieselbe Schrift, die über 50 Blaetter lang, verlesen. Also haben wir, so viel wir dieß Mal deß behalten moegen, den Effect davon Joachim Cammermeister, so wir auch zu uns hinein genommen, verzeichnen lassen, der es also mit Fleiß auf alle Artikel mit kurz in sein Taefelein aufgezeichnet so viel ihm moeglich, und mehr denn wir alle verstehen und behalten können, wie E. W. aus beiliegender Copey vernehmen. Eine Edition der für den Nürnberger Rat überarbeiteten Notizen des Camerarius nach der Abschrift Hall, StA, 4/55, 152r–158r u.a. bei Peters 2014a, S. 230–236. Vgl. auch Gindhart/Hamm 2024, S. 20 m. Anm. 59.
  41. Vgl. MBW Nr. 827.3 und 939.
  42. Vgl. Klaus 1958 passim sowie MBW Nr. 816, 1638, 1656.
  43. Vgl. MBW 1659.2, 1660 1660, 1662.2).
  44. Vgl. OCEp 0262 und zahlreiche Melanchthon-Briefe: Vgl. MBW Regesten Nr. 1638.6, 1656, 1858-59, 1869.4, 1919/1920, 2052/2053, 2066/2067, 2086, 2141/2150, 2184.5, 2210/2201, 2314/15, 2407, 2414-16, 2484, 2725/2726.3, 2786/2787.5, 2789/90.
  45. Vgl. MBW Nr. 1406, OCEp 1002 und Heerwagen 1868, S. 16. In MBW Nr. 1330.2 wird auch C.' Bruder Hieronymus Camerarius trotz seiner Haft mit dieser Stelle in Verbindung gebracht.
  46. Dazu Holtz, Sabine: "[...] für eine conciliare katholische Reform der Kirche". Die Tübinger Theologische Fakultät und die Einführung der Reformation. In: Sönke Lorenz, Dieter R. Bauer und Oliver Augr: Tübingen in Lehre und Forschung um 1500. Zur Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen. Festgabe für Ulrich Köpf. Tübingen 2008, S. 61-74. Dort wird auch ein Grundproblem der Tübinger Universitätsreform angerissen, nämlich die Erzwingung der Reformation durch landesherrliche Autorität statt durch wissenschaftlichen Diskurs (ebda. S. 74).
  47. Vgl. MBW Nr. 1487-1489, 1492, 1505.4.
  48. MBW Nr. 1501, 1503.
  49. Zu deren Reformationsversuchen an der Universität vgl. Pill-Rademacher 1993, S. 110-130. Zur ersten Ordnung, die Ulrich an der Universität am 20.1.1535 durchdrückte, siehe Köpf 2020, S. 58f. sowie Roth 1877, S. 176-185 (Edition der Ordnung). Dazu gehörte u.a. die Einrichtung von zwei (statt bisher vier) theologischen Lehrstühlen: Altes Testament und Neues Testament.
  50. Zu C.' Berufung vgl. MBW Nr. 1584.1 sowie der Brief des Grynäus OCEp 0276.
  51. Vgl. Brief Grynäus an (Ambrosius) Blarer, ca. 10.6.1535, Rädle 1990, S. 65. Für Theologie war Camerarius ausdrücklich nicht vorgesehen.
  52. Vgl. Köpf 2020, S. 44 und Roth 1877, S. 184.
  53. Vgl. Köpf 2020, S. 62-65; Statuten: Roth 1877, S. 205-231.
  54. Vgl. Schultheiß 2017, Pill-Rademacher 1993; zusammenfassend Gindhart/Hamm 2024, S. 14-15.
  55. Vgl. MBW Nr. 1795 und 1796. Die Ordnung ist ediert Roth 1877, S. 185-204. Melanchthon hatte sogar auf eine Anstellung in Württemberg gehofft, da er in Kursachsen nicht zufrieden war. Aber er erhielt keine Freigabe des Kurfürsten Johann Friedrich I. (Sachsen): Vgl. MBW Nr. 1616.4, 1787. Es ist nicht vollständig geklärt, ob sein Besuch neben der Universitätsreform noch andere Zwecke hatte. Dazu Pill-Rademacher 1993, S. 142-145.
  56. Johannes Brenz stand ihm für ein Jahr als Kollege zur Seite. Siehe auch Pill-Rademacher 1993, S. 412, Nr. 16. Der Gebrauch des Begriffs Superattendent ist hier noch zu klären. Sicher handelt es sich um etwas anderes als die sächsische Verwendung des Begriffs. Dazu Goldenstein 2015. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass C. kirchliche Funktionen ausgeübt hätte. Der Begriff taucht u.a. in der zweiten herzoglichen Ordnung vom 3.11.1536 auf (Roth 1877, S. 185-204, hier S. 193f.) bezieht sich dort auf Aufseher über die Conturbernien, Bursen und das Pädagogium. Da dort ausdrücklich Theologen, Juristen und Mediziner genannt sind, kann hier keine kirchliche Leitungsposition gemeint sein.
  57. Die Mitwirkung des Kanzlers an Promotionen war durch die päpstliche Gründungsbulle von 1476 vorgeschrieben (vgl. Köpf 2020, S. 44f. und Roth 1877, S. 18f.). Zu den Lösungsversuchen durch Melanchthon und Camerarius vgl. MBW Nr. 2039.2 und 2051.4 und Volz 1977, S. 70-82. Wirklich lösen ließ sich die Problematik erst durch Widmanns Tod 1561.
  58. Vgl. MBW Nr. 2018.2.
  59. Vgl. Pill-Rademacher 1993, S. 167.
  60. MBW Nr. 1919.3
  61. Vgl. MBW Nr. 1796.2 und 1824.3
  62. Vgl. MBW Nr. 1659.2, 1660.2, 1858-1860, 1869.4.
  63. Vgl. Köpf 2020 S. 49; MBW Nr. 1919.2.
  64. Vgl. Pill-Rademacher 1993, 172-173. Auch Martin Aichmann macht in seiner historischen Abhandlung über die Visitationen (1599) den Dissens zwischen Senat und Artistenfakultät über Forsters Entlassung verantwortlich dafür, dass Camerarius Tübingen verließ, freilich ohne Nennung von Belegen: in Pill-Rademacher 1993, S. 380-385, besonders S. 383.
  65. Ediert Roth 1877, S. 427f. Dort führt er u.a. die grassierende Pest als Grund seiner Abreise an, geht aber auch auf das sächsische Stellenangebot ein. Melanchthon befürchtete eine gewaltsame Rückholung oder gar Inhaftierung C.' durch Herzog Ulrich (Württemberg), ähnlich dem Schicksal von C.' Bruder Hieronymus Camerarius in Bamberg: Vgl. MBW Nr. 2789, 2794 und 2807.1
  66. Vgl. Schultheiß 2017, S. 206-208 sowie Horst Schmidt-Grave, Leichenreden und Leichenpredigten Tübinger Professoren (1550-1570). Untersuchungen zur biographischen Geschichtsschreibung in der Frühen Neuzeit. Tübingen 1974, S. 41-42.
  67. Vgl. MBW Nr. 2579.1 und 2584.
  68. Vgl. Luttenberger, Albrecht/Neerfeld, Christiane: Deutsche Reichstagsakten /11. Band, Der Reichstag zu Regensburg 1541. 2. Teilband, Göttingen 2018, S. 1617: Christoph von Kreytzen an Hg. Albrecht von Preußen – Regensburg, 1541 April 30/Mai 1.
  69. Es gibt gewisse Unstimmigkeiten der Quellen: Aulinger/Schweinzer 2011 führt Hieronymus Kammermeister als (einzigen) Gesandten Philipps von Pfalz-Neuburg in Regensburg (die beide vorzeitig abreisten: Vgl. MBW Nr. 2732.2), erwähnt Joachim aber nicht. Dagegen nennt Rädle 1990 Joachim als Württemberger Vertreter unter Berufung auf einen Brief von Frecht an Grynaeus (28.7.1541; Herminjard VII, Nr. 1019, S. 211[2]). Daraus ergibt sich, dass Joachim C. sich fast einen Monat lang in Regensburg aufhielt. Das wäre ungewöhnlich lange, sofern er keinen offiziellen Auftrag hätte.
  70. Zum Reichstag vgl. Wolgast 2003, S. 20-22.
  71. So Werner 2010, S. 155. Siehe auch Naturkunde (CamLex), Abschnitt Von Löwen und Chimären – Mantisches mit Tiermotivik.
  72. Vgl. Wartenberg 2003, S. 17-19.
  73. Vgl. Rudersdorf 2009, S. 357-365 und Rudersdorf 2015.
  74. Wartenberg 2003, S. 11; vgl. Dall'Asta 2024, S. 159-160.
  75. Dieses Junktim unterliegt keiner zwingenden Logik; allerdings ist die Quellenlage für die sächsische Landesgeschichte weitgehend davon abhängig. So existieren für Moritzens Regierungszeit wesentlich mehr systematische Untersuchungen und mit der "Politischen Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen" (Band 1 bis 6, entspricht PKMS 1 bis PKMS 6) eine umfassende Quellenedition. Ein Äquivalent zu Augusts Regierungszeit liegt noch nicht vor. Die diesbezüglichen Originalquellen im Dresden, HStA sind jedoch wesentlich umfangreicher und warten noch auf eine gründliche Aufarbeitung.
  76. Die Jahre 1541 bis 1546 sieht auch Wartenberg 1988, S. 19 als Einheit.
  77. Vgl. Nicklas 2007, S. 26f.
  78. Für die Wittenberger war es nicht selbstverständlich, nach dem Krieg ihre Universität wieder zu beziehen. Einige blieben ihrem bisherigen Dienstherren Johann Friedrich I. (Sachsen) treu und gingen an die Hohe Schule nach Jena. Den Ausschlag für Wittenberg gab sicher die Rückkehr Melanchthons, der seinem Freund Camerarius nun nicht mehr nur räumlich nahestand, sondern auch durch den gemeinsamen Dienstherren.
  79. Vgl. Nicklas 2007, S. 40.
  80. Vgl. zu Georg vor allem die Biographie, die Camerarius über Georg verfasst hat, den Briefwechsel mit Camerarius sowie Wartenberg 1988 und Gabriel 1997 passim.
  81. Im Herbst 1553 hielt er sich in Franken auf, entschied sich dann aber doch für die Rückkehr.
  82. Vgl. Zinck 1908, S. 118,
  83. Vgl. Hasse 2000, S. 140-148 und 229-232.
  84. Zur Einführung in Leipziger Stadt- und Universitätsgeschichte vgl. Hofmann 1739 und Wartenberg 1996a. Zur Vorgeschichte der Reformation in Leipzig vgl. Wartenberg 1988, S. 29-38. Zu Georgs kirchlichen Reformen vgl. Wartenberg 1988, S. 89-93 und Volkmar 2008.
  85. Volkmar 2008, S. 610.
  86. Vgl. Volkmar 2008, S. 380f.: Selbst Herzog Georg opponierte gegen einige Auswüchse des Ablasswesens, wobei hier nicht der Ablass an sich das Problem war, sondern der Geldfluss ins Ausland.
  87. Vgl. Hofmann 1739, S. 29-33.
  88. Vgl. Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574, Bl. A4v-B1r. Eine Überprüfung dieses Ereignisses durch andere Quellen steht noch aus.
  89. Vgl. Vita Melanchthonis, §10-11 und Woitkowitz 1997, S. 31.
  90. Dazu vgl. den Aufsatz von Enge 2017, der eine größere Eigenleistung Herzog Heinrichs würdigt, als dies die bisherige Forschung unternommen hat.
  91. Zum folgenden vgl. Junghans 2009, S. 47-50 sowie Wartenberg 1981.
  92. Zur Durchführung der Reformation in Stadt und Universität Leipzig vgl. Freudenberger 1988, S. 356-373. Auch legt Heinrich den Grundstein für die Reform der Universität, unter anderem die Bestellung Caspar Borners zum Rektor für Wintersemester 1539/40 hat er wahrscheinlich mit beeinflusst. Auch die ersten Schritte zur Berufung des Camerarius unternahm er noch selbst, wobei in all diesen Belangen die Rolle Melanchthons nicht zu unterschätzen ist: Vgl. MBW Nr. 2785. So verfasste dieser ein Gutachten mit Reformvorschlägen: Vgl. Rudersdorf 2009, S. 354-363, bes. 359f., siehe Nr. 2542. Die Umsetzung konkreter Reformmaßnahmen blieb aber als Aufgabe für Heinrichs Sohn Moritz.
  93. Hofmann 1739, S. 405; vgl. Freudenberger 1988, S. 367.
  94. Die Leipziger Theologen hatten Stiftspfründe in Meißen, Halle (Saale) und Magdeburg.
  95. Vgl. Freudenberger 1988, S. 350-352 sowie Zarncke 1859, S. 96-98.
  96. Scheublin starb bei einem Sturz im Weinkeller: Vgl. MBW Nr. 2653.3.
  97. Vgl. Hein/Junghans 2009, S. 305. Die dortige Übersichtstabelle ist mit Vorsicht zu genießen, da nur Lehrstuhlinhaber verzeichnet sind, die der Fakultät angehören. Alesius war zwar schon im Herbst 1542 berufen worden und hatte am 24.9.1543 pro loco disputiert, wurde aber erst am 17.10.1544 in die Theologische Fakultät aufgenommen (vgl. Siegmund-Schultze 2005, S. 164). An der Doktorpromotion 1543 wirkte er aber bereits mit. Eine wichtige Rolle bei den Stellenbesetzungen spielte auch Melanchthon: Vgl. MBW Nr. 2802.
  98. Vgl. Wartenberg 1988, S. 155f. Schenk hatte sich in Wittenberg und Leipzig viele Feinde gemacht, darunter auch Superintendent Johann Pfeffinger. Vgl. P. Vetter: Jakob Schenk und die Prediger zu Leipzig 1541 - 1543. In: NASG 12 (1891), S. 247-271.
  99. Samuel fand Ende 1543 oder Anfang 1544 Anstellung bei Herzog Albrecht (Preußen): Vgl. MBW Nr. 3352 und 3441.1
  100. Dass Melanchthon regen Anteil nahm, zeigt sich auch daran, dass er Georg III. (Anhalt-Plötzkau) um Wildbret für den Doktorschmaus bat: Vgl. MBW Nr. 3322.
  101. Dazu Weng 2003.
  102. Zu dieser Angelegenheit vgl. Wartenberg 1988, S. 181-187 sowie die herzogliche Anordnung vom 22.9.1543: Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10532: Leipzigische Händel 1422-1533, Bl. 303b. Aufforderung Moritzens an Camerarius für Gutachten: Dresden, HStA, Kopial 181, 152a. Diese Gremienarbeit war nicht im Sinne von Camerarius, der sich in einem Brief an Stramburger darüber beschwert, dass dies nicht der Zweck seines Dienstes sei.
  103. Vgl. Wartenberg 1988, S. 186 mit Anm. 70 und Zarncke 1859, S. 196f.; auch MBW 3343 und 3372.
  104. Georg von Karlowitz hatte bereits zu Lebzeiten Herzog Georgs einen eigenen Kompromisskurs über Religionsgespräche und kirchliche Reformen versucht, wobei auch Julius von Pflug einige Versuche unternahm, Erasmus von Rotterdam für eine Vermittlerrolle zu gewinnen. Dazu Wartenberg 1988, S. 65-70.
  105. Vgl. Wartenberg 1988, S. 184.
  106. Vgl. Gabriel 1997 und Achim Detmers: 500 Jahre Georg III. Fürst und Christ in Anhalt. Köthen 2008.
  107. Vgl. Ratajszczak 2009, S. 60-63, Wartenberg 2003, S. 19.
  108. Vgl. Ratajszczak 2009, S. 159-163.
  109. Vgl. Zarncke 1857, S. 664-666.
  110. Zur Beziehung zwischen C. und Albrecht vgl. Voigt 1841, S. 110-139. Der Melanchthon-Briefwechsel zählt 92 Briefe Melanchthons an den Herzog und 97 in der Gegenrichtung. Auch Melanchthons Schwiegersohn Georg Sabinus, ein Freund des Camerarius, wirkte als Königsberger Rektor in dieser Angelegenheit mit.
  111. Zur Angelegenheit vgl. MBW Nr. 3931 und 3933.2
  112. Eine Abschrift ist in der Collectio Camerariana erhalten unter München, BSB, clm 10355, f. 108f.[3]
  113. MBW Nr. 3340 und Vogt 1966, Nr. 127 (S. 274f.). Autoren des Briefs waren Melanchthon, Martin Luther, Johannes Bugenhagenund Camerarius. Der Brief ist einer von nur wenigen Belegen für eine Zusammenarbeit zwischen Bugenhagen und Camerarius.
  114. Vgl. besonders OCEp 0330 sowie OCEp 1038, OCEp 0631, OCEp 1039 und das Itinerar.
  115. Vgl. Klaus 1958, S. 254, MBW Nr. 4570.1, 4585a, 4605.3.
  116. Vgl. OCEp 0572.
  117. Vgl. MBW Nr. 4721.4. Eine Stelle als Rektor der dortigen Hochschule wurde Camerarius bereit im Herbst 1543 angeboten, was dieser aber nicht annehmen konnte: Vgl. https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3334 MBW Nr. 3334.4.2 und 4.4], 3371.1 3377.1.
  118. Vgl. MBW Nr. 4853.1-3
  119. Vgl. MBW Nr. 4778.2.
  120. Vgl. PKMS 3, Nr. 697. Weitere Briefe dazu sind zitiert bei Woitkowitz 2003, S. 185. Zusätzlich existiert ein dort nicht erwähnter Brief des Camerarius an den Rektor (Paul Bussius) vom 21.6. (ohne Jahr, aber auf 1547 datierbar), worin C. sich auf ein Schreiben des Kurfürsten und Ulrich von Mordeisens bezieht. Er könne momentan noch nicht zurückkehren: Leipzig, Universitätsarchiv, Bestand des Rektors, Rep. I/VIII/I (einzelne Professoren, ab 1549), Bl. 4r.
  121. Die Nicht-Durchsetzung des Interims in Sachsen sollte schließlich dazu führen, dass Karl V. (HRR) wieder auf das Konzil als einzige Lösung für die Glaubensspaltung zurückkam. Dies wurde ermöglicht durch den Tod Pauls III. am 10.11.1549; das Konzil wurde in Trient am 1.5.1551 erneut eröffnet. Vgl. Wartenberg 1996, S. 275-276.
  122. PKMS 3, Nr. 1041 = MBW Nr. 5137.
  123. Zu diesem sog. Leipziger Interim vgl. Wartenberg 2006, 25-32; Issleib 1907, S. 194; Issleib 1892, S.206-220; Wartenberg 1988a (Philipp Melanchthon und die sächsisch-albertinische Interimspolitik. In: Jonas Flöter und Markus Hein (Hrsg.): Wittenberger Reformation und territoriale Politik. Leipzig 2003, S. 87-103), S. 98-100; Engel 2014, 106–113 und OCEp 0648.
  124. Zum Text vgl. PKMS 4, S. 254-257, Nr. 212.
  125. Vgl. Engel 2014, S. 101-104.
  126. Zur Teilnahme des Camerarius vgl. MBW Nr. 5380 und OCEp 0648 sowie Engel 2014, S. 108-113.
  127. Zu den Landtagsverhandlungen vgl. Wartenberg 2006, S. 25-27; auf S. 27-32 wird die Landtagsvorlage mit dem Augsburger Interim verglichen.
  128. Die sogenannte Georgsagende verfasste Georg III. (Anhalt-Plötzkau) unter Mitwirkung von Melanchthon, Camerarius, Johann Pfeffinger, Johannes Bugenhagen, Georg Maior, Johann Forster und Daniel Greiser. Nach der zwischenzeitlichen Verwerfung brachte Kurfürst August (Sachsen) die Agende im August 1553 wieder ins Spiel. Vgl. Jadatz 2007, S. 182.
  129. Vgl. dazu ausführlich Issleib 1894, S. 558-570 und zusammenfassend Engel 2014, S. 115-120.
  130. Vgl. Werner 2010, S. 193 zu Dietrichs Kampf gegen Kaiser und Interim sowie Klaus 1958, S. 272-299 zur Haltung der Reichsstadt Nürnberg gegenüber dem Interim. Das Verhältnis Dietrichs zu Camerarius scheint sehr gut gewesen zu sein. Der edierte Briefwechsel spiegelt das nicht wider, da die Camerarius-Söhne nur Briefe von Camerarius edierten. Handschriftlich existieren aber nur zahlreiche Briefe Dietrichs an Camerarius.
  131. Vgl. Wiedermann 1988, S. 66f. Demnach lehnte Alesius nicht nur das Augsburger Interim, sondern auch Melanchthons Adiaphora-Verständnis ab. In einem Gutachten setzt er sich gar mit dem Widerstandsrecht gegen den Kaiser auseinander: Vgl. Gotha, FB, Chart. A 401, f. 227r-229r [4] und Siegmund-Schultze 2005, S. 248-250.
  132. Vgl. Wengert 2006.
  133. Vgl. Schäfer 2003.
  134. Vgl. Wartenberg 1996 und Issleib 1907, S. 203-205.
  135. Vgl. Brief-ID 15094, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15094. Zugriff am 24.11.2023, und Brief-ID 15263, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15263. Zugriff am 24.11.2023.
  136. Vgl. MBW Nr. 6165 und 6175 sowie Brief-ID 15304, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: [5]. Zugriff am 22.1.2024. Anwesend waren von Württemberger Seite Jakob Beurlin und Johannes Isenmann sowie der Straßburger Johannes Marbach.
  137. Melanchthon reiste mit seinem Schwiegersohn Caspar Peucer, Erasmus Sarcerius und Valentin Paceus am 13.1.1552 aus Leipzig ab, Camerarius begleitete sie bis Zwickau: Vgl. MBW Regesten Nr. 6303 und 6310.
  138. Die sächsischen Gesandten forderten ein Geleit in der Form des Konzils von Basel (ab 1431): Vgl. Freudenberger 1975, S. 336.
  139. Vgl. MBW Nr. 3678 und 6380. Die sächsischen Konzilsvorbereitungen beschreibt ausführlich Freudenberger 1975, besonders S. 315-341.
  140. Bei den Stellenbesetzungen wirkte Melanchthon mit, indem er Paceus als Hebräischprofessor empfahl: Vgl. MBW Nr. 6361.6 und 6392.
  141. Vgl. Woitkowitz 2008, S. 74. Hommel hatte immerhin Theologie studiert und mehrere Jahre als Pfarrer gearbeitet, war aber mittlerweile in der Mathematik zu einer Koryphäe geworden.
  142. Vgl. Jadatz 2007, S. 189.
  143. Vgl. MBW Nr. 6927.1 und 6928.4.
  144. Vgl. MBW 7184-7195 und [6] sowie Dresden, HStA 10024, Loc. 10298/4, 56r-62v. Vgl. Siegmund-Schultze 2005, S. 298f. Siegmund-Schultze hat nur die Marburger, aber nicht die Dresdner Fassung des Abschlussdokuments gekannt, bei dem Camerarius und Alesius unter den Unterzeichnenden zu finden sind. Insofern geht er fälschlich davon aus, dass beide nicht dabei waren. Tatsächlich erlaubt die Unterschrift des Alesius (Ego Alexander Alesius D legi, et probo) eine nachträgliche Unterzeichnung. Camerarius unterzeichnet im Dresdner Dokument als Letzter mit Hinweis auf seine Teilnahme (Ego Ioachi. Camerar. huic actioni interfui & his ...). Er war also dabei. Freilich schreibt er in seiner Vita Melanchthonis (Z3v), dass Alesius anwesend gewesen sei. Unterzeichner des Dresdner Dokuments sind, neben den Genannten, auch Valentin Paceus, Heinrich Salmuth, Andreas Hyperinus, Caspar Lanius und Johannes Sleidanus.
  145. Vgl. MBW Nr. 7147.
  146. Dies tut C. auch 1559, wobei er sie dort zwar nicht teilt, aber toleriert.
  147. Vgl. Wartenberg 2004, S. 43f. Text des Abschlussvertrages bei Glafey, Adam Friedrich: Kern der Geschichte des Hohen Chur- und Fürstlichen Hauses zu Sachsen. Frankfurt/Leipzig 1721, S. 236-263.[7] Der Vertrag klärte territoriale und finanzielle Fragen, bestätigte die Wittenberger Kapitulation vom 19.5.1547 und regelte das künftige Zusammenleben beider Linien des Wettinischen Gesamthauses, mit deutlichem Übergewicht der Albertiner. Das enthaltene "Ruhegebot" für theologische Streitigkeiten hatte kaum Konsequenzen.
  148. Vgl. Meyer 1897: Bis 1570 war er fast jährlich an den Visitationsreisen beteiligt.
  149. Vgl. Jadatz 2007, S. 184.
  150. Vgl. Wartenberg 2006c, S. 69.
  151. Vgl. Zäh 2013 Nr. 95= OCEp 2540. Dazu auch Bruning 2003, S. 88.
  152. Vgl. Wendorf 1957, S. 77f.: Verhandlungen in Nürnberg 26.-30.9.; kurfürstliches Schreiben vom 27.8. vgl. MBW 7568; zwei Konzepte des Schreibens an Melanchthon, C. und Valentin Paceus: Dresden, HStA, Loc. 10298/04 Religionssachen 1554-1558, f. 94r-95v sowie f. 96r-97v.
  153. Vom 17.10. bis 19.11. waren die Sitzungen unterbrochen: Vgl. Bundschuh 1988, S. 583.
  154. Zu C.' Reise vgl. Werner 2010, S. 255; MBW Nr. 8394, 8409,8412, 8427. Vgl. zusammenfassend Gindhart/Hamm 2024, S. 28f. Zu Vorgeschichte und Ablauf des Religionsgesprächs vgl. Bundschuh 1988 passim.
  155. Vgl. acta rectorum (hs.) Bl. 4r-17r; Zarncke 1859, S. 475-482.
  156. Vgl. Zarncke 1861, S. 516-544.
  157. Vgl. Hein/Junghans 2009, S. 306.
  158. OCEp 0699 wird durch MBW Nr. 9011 und 8986 widerlegt.
  159. Vgl. dazu Meyer 1897.
  160. Wenn Camerarius krank darniederlag, pflegte er zu lesen; die daraus resultierende intensive Beschäftigung mit einem Stoff äußerte sich in der Folge immer wieder in literarischer Produktivität. Vgl. hierzu → Medizin. So führte eine Krankheit 1538 letztlich zur Abfassung und Publikation mehrerer hippologischer Schriften (→ Naturkunde).
  161. Der Brief ist ohne Jahresangabe auf den 13. August datiert. Der Druck erschien allerdings laut Titelblatt 1536. Da Philipp Melanchthon sich bereits im Februar 1536 für Camerarius' Übersetzung bedankt und sich über dessen Vorhaben freut, sie Justus Jonas zu widmen (vgl. MBW - Regesten online, Nr. 1694), ergibt sich als Entstehungsjahr des Widmungsbriefes 1535; dies deckt sich auch mit dem Absendeort Nürnberg (vgl. Itinerar). (Eine frühere Datierung des Briefes erscheint dagegen aufgrund des dann sehr großen Abstandes zum Druck unplausibel.)
  162. 1535 erschien in Basel, Léon Parmentier zufolge auf Basis des Codex Basileensis A III 18, die Editio princeps von Theodorets Kirchengeschichte; der Codex wurde selbst für den Druck benutzt und dazu die Blattbindung gelöst (vgl. Parmentier 1911, X und LXVI). Die Edition selbst wurde schon 1535 ohne eigenes Vorwort in Rhenanus' Kompendium eingebunden, das außerdem Fragmente von Epiphanius' Übersetzung als Teile der "Historia Tripartita" enthielt; Parmentier sind jedoch auch Exemplare bekannt, in denen sie mit Camerarius' Übersetzung zusammengebunden ist, die immerhin bereits ein Jahr später ebenfalls in Basel erschien (vgl. ebd., LXVI).
  163. Vgl. OCEp 1468, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, Bl. A2r/v. Was Camerarius meint, wenn er Epiphanius' Kenntnis des Griechischen so kritisiert, verdeutlicht wohl bereits einer der ersten Ausschnitte aus Theodoret, den Epiphanius übersetzt hat. Im griechischen Text heißt es hier: Ἤκουσεν γὰρ τοῦ θείου νόμου βοῶντος· ἐὰν ... (Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535, Bl. αa2v). Theodoret verwendet also klassisch griechisch das Verb ἀκούειν mit folgendem Genitiv und Partizip. Epiphanius übersetzt hier jedoch: Audiverat enim clamante divina lege: Si ... (Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535, S. 283). Die Partizipialkonstruktion im Genitiv deutet er also nicht als Objekt des Verbs ἀκούειν, das lateinisch als Akkusativobjekt zu audire wiederzugeben wäre, sondern als Genitivus absolutus, den er dann folgerichtig als Ablativus absolutus ins Lateinische überträgt. Camerarius übersetzt korrekt: Audierat enim divinam legem clamantem: Si... (Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, S. 4).
    Nur wenige Zeilen später heißt es im Griechischen: [Βιτάλιος] καἰ τὴν ἐν τῇ παλαιᾷ καταλυθεῖσαν ὑπὸ τῶν τυράννων, ᾠκοδόμησεν ἐκκλησίαν (Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535, Bl. αa2v). Epiphanius bietet hierfür: [Vitalius] etiam antiquam ex multis temporibus destructam a tyrannis aedificavit ecclesiam (Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535, S. 283), Camerarius dagegen: Vitalius ... extruxit in antiqua urbe dirutam a tyrannis ecclesiam (Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, S. 4). Während Camerarius also ἐν τῇ παλαιᾷ korrekt als Ortsangabe ("in der Altstadt") versteht, übersetzt Epiphanius als hätte er stattdessen bloßes παλαιάν vorliegen; was sich leicht durch eine alternative Textgestalt erklären lässt (vgl. die Anmerkungen bei Parmentier 1911, S. 7), mag auf Camerarius als Fehler gewirkt haben.
  164. Vgl. Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536.
  165. Vgl. Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535, S. 283f. für das Lateinische, ebd., Bl. αa2v für das Griechische.
  166. Vgl. Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, S. 4f.
  167. Vgl. Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535, S. 284 für Epiphanius, ebd., Bl. αa2v für das Griechische, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, S. 5 für Camerarius.
  168. Vgl. OCEp 1468, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, Bl. A3r.
  169. In der Folge kritisiert Camerarius besonders Rufinus' "Historia Ecclesiastica" sowie namentlich nicht genannte Theodoretübersetzer.
  170. Vgl. OC 0194, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, S. 28 in Camerarius' Übersetzung.
  171. Zu Rufinus' Version der Erzählung, in der Arius' Tod in der Tat nach dem des Konstantin eingeordnet ist, vgl. Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535, S. 229.
  172. Vgl. OC 0196, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, Bl. a1r.
  173. Vgl. OC 0195, Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536, Bl. a1r.
  174. Vgl. die Streckenbeschreibung des Drucks von 1536.
  175. MBW - Regesten online, Nr. 1694: De Theodorito verso gratiam tibi habeo. Est et illud mihi gratissimum, quod Ionae dedicas, sic enim intellexi tuas literas. Amo enim Ionam et candorem ac fidem ei tribuo. Scio eum et de tuo ingenio tuisque virtutibus honorifice sentire.
  176. Vgl. Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1539, Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1544, Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1549, Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1554, Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1557, Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1562 und Eusebius, Ecclesiastica historia, 1570.