Camerarius an Vettori, 24.03.1562

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Vettori an Camerarius, 01.06.15611 Juni 1561 JL
Camerarius an Vettori, 22.03.156122 März 1561 JL
Camerarius an Vettori, 05.01.15535 Januar 1553 JL
 Briefdatum
Camerarius an Vettori, 09.07.15629 Juli 1562 JL
Vettori an Camerarius, 01.03.15651 März 1565 JL
Camerarius an Vettori, 05.04.15655 April 1565 JL
Werksigle OCEp 1246
Zitation Camerarius an Vettori, 24.03.1562, bearbeitet von Manuel Huth und Maximilian Wolter (08.06.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1246
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 475-478
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? ja
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Pietro Vettori
Datum 1562/03/24
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum 9. Calend. April.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Bamberg
Zielort o.O.
Gedicht? ja
Incipit Cum tam diu distulissem responsionem ad literas tuas
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand unkorrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:HIWI7
Gegengelesen von
Datumsstempel 8.06.2021
Werksigle OCEp 1246
Zitation Camerarius an Vettori, 24.03.1562, bearbeitet von Manuel Huth und Maximilian Wolter (08.06.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1246
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 475-478
Fremdbrief? ja
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Pietro Vettori
Datum 1562/03/24
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum 9. Calend. April.
Sprache Latein
Entstehungsort Bamberg
Zielort o.O.
Gedicht? ja
Incipit Cum tam diu distulissem responsionem ad literas tuas
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Datumsstempel 8.06.2021


Regest

Entschuldigung und Bitte um Verzeihung für die lange Zeit ohne Briefwechsel. Es habe viele anderweitige Verpflichtungen gegeben, die ihn von diesem Freundschaftsdienst abgehalten haben, und je länger er wartete, desto schwieriger sei es geworden, einen Anfang zu finden. Um es mit Athenaios zu sagen: Ἄγε δή, τίς ἀρχὴ τῶν λόγων γενήσεται; (Deipnosophistae, 11,1,1). Außerdem seien Reisen und notwendige Erledigungen seinen Hausstand betreffend hinzugekommen. Es habe sich auch um gewisse spärliche Reste seines Vermögens kümmern müssen, die er seinen Angehörigen bewahren sollte. Wenn es nur auf ihn angekommen wäre, hätte er sich fast schon überlegt, es so zu machen, wie es gemäß dem Tadel des Horaz (Serm. 2,3,99ff.) schon Aristippus gemacht habe: den Sklaven zu befehlen, sein Geld fortzuwerfen. Als er dann, obgleich eigentlich genügend beschäftigt, sich untätig in der Heimat befand, habe er die Gelegenheit gesehen, Vettori einen Brief zu schreiben, und somit die Erfüllung seiner Pflicht als Freund nicht länger aufzuschieben.

Er bedankt sich für Vettoris freundschaftlichen Brief an seinen Sohn (Joachim), obwohl er diesen noch nicht einmal gesehen hatte. Sein Sohn habe ihm sofort eine Abschrift dieses vor väterlicher Liebe und Großherzigkeit strotzenden Briefes geschickt. Beide von ihnen seien dankbar und werden sich bemühen, Vettoris Gunst zurückzuzahlen.

Den Brief, auf den ihn Vettori aufmerksam gemacht habe (wohl von Denis Lambin. Siehe Vettori an Camerarius, 01.01.1561), habe er endlich bekommen und große Freude daraus gewonnen. Über das andere beliebe es nicht, zu schreiben. Bildung sei natürlich zum Merkur gehörig. Wie Vettori wisse, erklärten Astrologen die Wirkungen dieses Gestirns gemäß dessen Anordnung im Raum. Er sei überzeugt, das sie beide Im Zeichen des Jupiter stehen, was Würde und Leichtigkeit im Leben und Anständigkeit und Aufrichtigkeit in allen Handlungen verspreche. Wenn andere aber zum Kampf geneigt seien, dann sollen sie sich einen willigen Gegner suchen. (ὁ γοῦν θέλων μάχεσθαι, πάρεστι γάρ, μαχέσθω, Anakreon, Frg. 84,2). Er zumindest gedenke, vor allem in seinem hohen Alter, den jungen Kämpfern das Feld zu überlassen und ihnen den Sieg zuzugestehen. Dennoch werde er immer Ciceros Ausspruch im Sinn behalten, caritate enim benevolentiaque sublata omnis est e vita sublata iucunditas (Lael. 102,5). Deshalb sollten sie beide wie bisher auch immer weitermachen und die schönen Künste pflegen. Vettori solle nicht Müde werden, sich literarisch zu betätigen. Die übelgemeinte Kritik sollte er im Sinne von Hercules nehmen und sie ignorieren: οὐδ’ ὅσσον μυίας στυγερῶν ἐμπάζετο μύθων (Plutarch, De capienda ex inimicis utilitate 90,d,5). Auch Demokrit habe schon gesagt, dass man in einer solchen Situation am besten schweigt: Μωμεομένων φλαύρων ὁ ἀγαθὸς οὐ ποιέεται λόγον (frg. mor. 123 Mullach). Er sage dies nicht, um Vettori zu belehren, denn das das wäre eine verkehrte Welt (ἄνω γὰρ ποταμῶν οὕτω γ᾽ αἱ πηγαὶ, Aelius Aristides, Κατὰ τῶν ἐξορχουμένων, Jebb 408,18). Vielmehr sei er nur besorgt, dass ihn diese Umstände von der Herstellung seiner Werke abhielten, deren Lektüre er so begehre.

Falls sein Sohn Joachim auf seiner Rückkehr von Rom ihm einen Besuch abstatte, bitte er Vettori um eine genauso freundschaftliche Behandlung wie er sie ihm auch schon per Brief gegeben habe.

Auf seine Frage, wie die Lage in Deutschland stehe, so sei sie gemischt (ὡς εὖ μὲν χαλεπῶς, ὡς χαλεπῶς δὲ μάλ’ εὖ, Theognis, Elegiae 1,520). Wenn er allerdings bedenke, dass Frömmigkeit und Treue immer mehr missachtet werden und dass auch eine Gefahr von außen naht, dann verliere er zunehmend den Glauben an einen guten Ausgang.

Diesem Brief an ihn habe er noch einen weiteren an seinen Sohn angehängt, den er ihm bitte übergeben möge, falls er vorbeikomme. Sollte dieser Brief ihn aber nicht rechtzeitig dafür erreichen, bitte er ihn, den Brief nach Padua zu schicken, wo sein Sohn gedenke, etwas zu verweilen.

(Maximilian Wolter)