Camerarius, Εἰς τὴν περὶ τῶν ἀνελιττουσῶν πραγματείαν Νικόλεω τοῦ Κοπερνίκου Δωριέως, 1543

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 1032
Zitation Εἰς τὴν περὶ τῶν ἀνελιττουσῶν πραγματείαν Νικόλεω τοῦ Κοπερνίκου Δωριέως, bearbeitet von Alexander Hubert (02.06.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_1032
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Griechisch
Werktitel Εἰς τὴν περὶ τῶν ἀνελιττουσῶν πραγματείαν Νικόλεω τοῦ Κοπερνίκου Δωριέως
Kurzbeschreibung Handschriftliches griechisches Werbegedicht für Kopernikus' Schrift "De revolutionibus" in 16 Distichen in Dialogform.
Erstnachweis 1543
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierbar nach Widmung des Rheticus an Aurifaber
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Astronomie
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Kopernikus, De revolutionibus, 1543
Überliefert in
Druck Kopernikus, De revolutionibus, 1543
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? ja
geehrte Person Nikolaus Kopernikus
Incipit Ξ. Τίς βίβλος ἥδε; Φ. Νέα. Ξ. Καινὸν δὲ τί ἐστιν ἐν αὐτῇ;
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
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Bearbeiter Benutzer:HIWI
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Bearbeitungsdatum 2.06.2022
Opus Camerarii
Werksigle OC 1032
Zitation Εἰς τὴν περὶ τῶν ἀνελιττουσῶν πραγματείαν Νικόλεω τοῦ Κοπερνίκου Δωριέως, bearbeitet von Alexander Hubert (02.06.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_1032
Name Joachim Camerarius I.




Sprache Griechisch
Werktitel Εἰς τὴν περὶ τῶν ἀνελιττουσῶν πραγματείαν Νικόλεω τοῦ Κοπερνίκου Δωριέως
Kurzbeschreibung Handschriftliches griechisches Werbegedicht für Kopernikus' Schrift "De revolutionibus" in 16 Distichen in Dialogform.
Erstnachweis 1543
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierbar nach Widmung des Rheticus an Aurifaber


Schlagworte / Register Astronomie
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Paratext zu Kopernikus, De revolutionibus, 1543
Überliefert in
Druck Kopernikus, De revolutionibus, 1543
Carmen
Gedicht? ja
geehrte Person Nikolaus Kopernikus
Incipit Ξ. Τίς βίβλος ἥδε; Φ. Νέα. Ξ. Καινὸν δὲ τί ἐστιν ἐν αὐτῇ;
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsdatum 2.06.2022


Text

Der Text folgt Seck/Balzert 2020, 375.


Εἰς τὴν περὶ τῶν ἀνελιττουσῶν πραγματείαν Νικόλεω τοῦ Κοπερνίκου Δωριέως. Διαλέγονται δὲ ἐνταῦθα ξένος καὶ φιλόσοφός τις.


Ξ. Τίς βίβλος ἥδε; Φ. Νέα. Ξ. Καινὸν δὲ τί ἐστιν ἐν αὐτῇ;

Φ. Πολλά γε. Ξ. Καὶ τί καλόν; Φ. Πάντ’ ἔνι τῇδε καλά.

Ξ. Καὶ δὴ πλεῖστα γεωμετρίης διαγράμματα χρηστῆς,

βελτίστων τ’ ἀριθμῶν σχήματα συχνὰ βλέπω.

Φ. Αὐτὴ γοῦν ἀπὸ οὗ ἀγεωμέτρητον ἐλαύνει

πάντα, Πλάτων ὥσπερ σή ποτε λῷστε θύρα.

Νηρίθμου τε γέμει σοφίης. Ξ. Ἔτι δ’ αὖ ἐρεείνειν

ἔστ’ ὀλίγον; Φ. Λέγε δὴ πᾶν τόδ’ ἀκουσόμενος.

Ξ. Οὐρανίων ἔχει ἥδε γραφὴν περὶ βίβλος ἑλιγμῶν;

ἠὲ πολυσχιδέος στρεπτὰ κέλευθα χθονός;

Φ. Ἀμφότερ’ ὦ ξένε. Ξ. Πῶς; Λέγε, σ’ ἀντιβολῶ, σαφὲς αὐτό.

Φ. Δεῦρ’ ἄγ’ ἀνοιχθείσης τῆσδ’ ὅλον αὐτὸς ἴδε.

Ξ. Ὦ Ζεῦ οἷον θαῦμ’ ὁρόω τόδε. Γῆ μὲν ὕπερθεν

δινεῖται κύκλῳ πάντοσ’ ἐν αἰθερίῳ,

Ἥλιος ἐν δὲ μέσῳ πῦρ κόσμῳ θεῖον ἀνάπτει,

δέσμιος ὡς Ζηνὸς κείμενος ἐν φυλακῇ.

Πάντα δ’ ἀνέστραπται. Καὶ Πληιὰς οὐκέτι δύνει,

οὐτ’ ἐπὶ καύσον’ ἄγων Σείριος εἶσι βροτοῖς.

Φ. Καὶ γὰρ ξεῖν’ ἀσόφοις θαυμαστὸν πᾶν σοφόν ἐστι,

κᾀκ τοῦ θαυμάζειν ἦλθε βροτοῖσι μαθεῖν.

Ἀλλὰ σὺ μὴ θαύμαζε μόνον, μηδ’, ὡς ἀνόητοι,

πρὶν ξυνίης λέξον πρᾶγμα κακῶς ἀγαθόν.

Πάντα δ’ ἐπισκοπέων καὶ πολλάκις ἐξανελίσσων,

φρασσάμενος τ’ ἄκρως οἷον ἕκαστα θέλει,

εὖ πρότερόν γε τὰ τῷ Mεγαρεῖ γεγραμμέν’ ἀναγνούς,

ὅσσα γέρων τ’ ἐπὶ τοῖς εὗρε Συρηκόσιος.

Καὶ Πηλουσιακοῦ μοχθήματα, τοῖσι διορθοῖ

σφάλματ’ ἀπ’ ἀρχαίων οὐκ ὀλίγ’ ἀστροπόλων,

οὕτω τ’ ἤ τι γε τῶνδ’ ἐκ ξεῖνε μάθ’, εἰ δύνασ’, ἐσθλόν,

ἠὲ καταφρονέων κρείττονα σὺ πρόφερε.

Ἀλλὰ Κοπερνίκου Μούσαις ἱερὸς κόπος αἰὲν

ἀνδράσιν ἕξει ὅμως ἐν πινυτοῖσι κλέος.


Ἰωαχεῖμος ὁ Καμεράριος.

Widmung und Entstehungskontext

Camerarius trug das Gedicht handschriftlich in mindestens zwei Exemplare von Nikolaus Kopernikus' "De revolutionibus" ein, von denen Georg Joachim Rheticus das eine am 20.04.1543 Andreas Aurifaber widmete. Ob das Gedicht ursprünglich als paratextuelles Werbegedicht für den Druck geplant war und im Zuge der Redaktion durch Andreas Osiander entfiel oder nachträglich von Camerarius für ausgewählte Exemplare als Beigabe verfasst wurde, ist unklar. Es wäre allerdings bemerkenswert, wenn Camerarius sich im Druck so prominent für die kopernikanische Theorie ausgesprochen hätte, wenn auch auf Griechisch.

Aufbau und Inhalt

Der Form nach handelt es sich bei dem Gedicht um einen Dialog zwischen einem Gelehrten (φιλὀσοφος) und einem ξένος, also einem Gast, einem Fremden oder nach (Seck/Balzert 2020, 376 sowie Gingerich in KGW XII, 418) einem Laien. Letzterer ist offenbar bei dem Gelehrten zu Besuch und sieht dort eine druckfrische Ausgabe von Kopernikus' Schrift "De revolutionibus". Auf die Frage des ξένος nach dem Buch, zunächst, was für eines es sei, dann, ob es gut sei, entspinnt sich ein Gespräch.

Offenbar beginnt der ξένος nun, in dem Buch zu blättern, wobei ihm die zahlreichen geometrischen Abbildungen (γεωμετρίης διαγράμματα, V. 3) und mathematischen Tabellen (ἀριθμῶν σχήματα, V. 4) auffallen. Der Gelehrte antwortet daraufhin mit einem Verweis auf Platons Akademie und deren Motto ἀγεωμέτρητος μηδεὶς εἰσίτω, das auch für dieses Buch gelte: Ein mathematisch Ungebildeter kann es also kaum verstehen. Es stecke jedoch voll unendlicher Weisheit (vηρίθμου τε γέμει σοφίης, V. 7).

Der ξένος fragt nun, ob es in dem Buch um die Bewegungen des Himmels oder die Pfade der Erde gehe (οὐρανίων ἔχει ... γραφὴν περὶ ... ἑλιγμῶν; / ἠὲ πολυσχιδέος στρεπτὰ κέλευθα χθονός; V. 9f.; vielleicht ist damit gemeint, ob das Buch von Astronomie oder Geographie handele, so Gingerich 2002, S. 355). Auf die Antwort des Gelehrten, dass beides enthalten sei, bittet der Laie um mehr Informationen; der Gelehrte bietet ihm an, das Buch mitzunehmen und zu lesen. Da stößt der ξένος, der wohl die ganze Zeit weiter in dem Buch geblättert hat, auf die Grundthese der neuen Himmelsmechanik, die ihn schockiert (Ὦ Ζεῦ οἷον θαῦμ’ ὁρόω τόδε, V. 13): Die Erde steht nicht mehr im Mittelpunkt der Welt, sondern kreist (δινεῖται κύκλῳ, V. 14) um die Sonne, die unbeweglich im Mittelpunkt steht (Ἥλιος ἐν δὲ μέσῳ πῦρ κόσμῳ θεῖον ἀνάπτει, / δέσμιος ὡς Ζηνὸς κείμενος ἐν φυλακῇ, V. 15f.). Auch die Pleiaden und Sirius stehen im neuen Modell still (καὶ Πληιὰς οὐκέτι δύνει, / οὐτ’ ἐπὶ καύσον’ ἄγων Σείριος εἶσι βροτοῖς, V. 17f.). Kurz: Alles ist im Vergleich mit dem geozentrischen Weltbild verkehrt (πάντα δ’ ἀνέστραπται, V. 17). Die Szene lässt sich am Buch gut nachvollziehen: "De revolutionibus" ist tatsächlich voll von Tabellen; die Seite dagegen, die die Grundlagen des neuen Modell darstellt und den Gast des Gelehrten so schockiert, dürfte Bl. 9v sein, die eine Abbildung des heliozentrischen Universums zeigt. Die Bahn der Erde ist beschriftet mit Telluris cum orbe lunari annua revolutio, die Fixsternsphäre mit Stellarum fixarum sphaera immobilis, sodass es dem Betrachter beim schnellen Durchblättern durchaus möglich ist, diese Grundlagen schnell zu erfassen.

Der Gelehrte hält dem Laien daraufhin einen sieben Distichen langen Vortrag ganz im Stile des angesprochenen platonischen Mottos: Ungebildeten erscheine alles Gelehrte wunderlich (ἀσόφοις θαυμαστὸν πᾶν σοφόν ἐστι, V. 19) und aus dem Staunen sei ja auch das Lernen hervorgegangen (κᾀκ τοῦ θαυμάζειν ἦλθε βροτοῖσι μαθεῖν, V. 20; vgl. Aristoteles, Metaphysik 982 b 12f.). Er aber, der Laie, solle sich zuerst die mathematischen Grundkenntnisse verschaffen, indem er Euklid, Archimedes und Ptolemaios studiere (vgl. V. 25-27), bevor er das Buch kritisiere; dann solle er die Theorie akzeptieren oder eine bessere vorlegen. Dem Kopernikus aber werde sein Buch bei den Gelehrten ewigen Ruhm bringen (Ἀλλὰ Κοπερνίκου Μούσαις ἱερὸς κόπος αἰὲν / ἀνδράσιν ἕξει ὅμως ἐν πινυτοῖσι κλέος, V. 31f.).

Überlieferung

Das Gedicht ist handschriftlich auf je einem Vakatblatt zweier Exemplare von Kopernikus' "De revolutionibus" erhalten. Eines befindet sich in der Biblioteca Palatina Parma (Sign. M IV 12785), das andere (mit Rheticus' Widmung an Aurifaber) befand sich bis vor kurzem in der zwischenzeitlich aufgelösten Sammlung Giancarlo Beltrame.

Nachwirkung

Johannes Kepler trägt 1598 handschriftlich eine eigene lateinische Übersetzung von Camerarius' Gedicht in sein Exemplar von Kopernikus' "De revolutionibus" ein (Leipzig, UB, Sign. Libri.sep.577-r).

Forschungsliteratur

  • KGW XII (1990), 257 und 417-419.
  • Seck/Balzert 2020, 146f. (lat. Text und dt. Üs.) und 372-378 (Kommentar mit griech. Text).
  • Kepler, Johannes; Camerarius, Joachim: In opus revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei dialogus, in: Noscemus Wiki, URL: http://wiki.uibk.ac.at/noscemus/In_opus_revolutionum_Nicolai_Copernici_Torunnaei_dialogus (last revision: 07.11.2021).
  • Gingerich 2002, 128 zum Exemplar in Parma, 135-137 zum zweiten Exemplar (ehemals Slg. Beltrame) inklusive Abb. des Titelblattes mit Widmung von Rheticus an Aurifaber; 356-361 griech. Text (nach dem zweiten Expl.) und lat. Text mit engl. Übersetzungen, Abb. der Rectoseite aus beiden Expll. mit Anfang des Gedichtes.