Vettori an Camerarius, 01.06.1561

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Vettori, 22.03.156122 März 1561 JL
Camerarius an Vettori, 05.01.1556(?)1556 JL
Vettori an Camerarius, 14.07.1555(?)17 Juli 1555 JL
 Briefdatum
Vettori an Camerarius, 01.06.15611 Juni 1561 JL
 Briefdatum
Camerarius an Vettori, 24.03.156224 März 1562 JL
Camerarius an Vettori, 09.07.15629 Juli 1562 JL
Camerarius an Vettori, 05.04.15655 April 1565 JL
Werksigle OCEp 1245
Zitation Vettori an Camerarius, 01.06.1561, bearbeitet von Manuel Huth, Maximilian Wolter und Ulrich Schlegelmilch (31.07.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1245
Besitzende Institution Nürnberg, SB
Signatur, Blatt/Seite Will. III, 327. 2°, Nr. 4 (Bl. 7-9: das 3. der vier Blätter trägt keine Zählung)
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 469-475
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Pietro Vettori
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1561/06/01
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Florenz
Zielort Leipzig
Gedicht? nein
Incipit Literae tuae 11. Cal. April. datae
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Wissenschaftlicher Austausch; Biographisches (Familie)
Handschrift gesehen
Bearbeitungsstand validiert
Notizen US 31.7.22:

Im Licht unserer Umdatierungs-Überlegungen können Sie jetzt am Ende des Regests noch die richtige 1562er Demetriusausgabe verlinken (und viell. die andere im Satz genannte auch)?

Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:HIWI7; Benutzer:US
Gegengelesen von Benutzer:VG
Datumsstempel 31.07.2022
Werksigle OCEp 1245
Zitation Vettori an Camerarius, 01.06.1561, bearbeitet von Manuel Huth, Maximilian Wolter und Ulrich Schlegelmilch (31.07.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1245
Besitzende Institution Nürnberg, SB
Signatur, Blatt/Seite Will. III, 327. 2°, Nr. 4 (Bl. 7-9: das 3. der vier Blätter trägt keine Zählung)
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 469-475
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Pietro Vettori
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1561/06/01
Datum gesichert? ja
Sprache Latein
Entstehungsort Florenz
Zielort Leipzig
Gedicht? nein
Incipit Literae tuae 11. Cal. April. datae
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Wissenschaftlicher Austausch; Biographisches (Familie)
Datumsstempel 31.07.2022


Antwort auf den Brief des Camerarius vom 22.03.1561.

Hinweise zur Datierung

Im Druck ist statt des 1. Juni fälschlich der 1. Januar als Abfassungsdatum angegeben. Der Zielort findet sich nur auf dem hs. Original.

Regest

Dank für Camerarius‘ unterstützende Worte im Brief vom 22.03.1561. Er bestätige, dass dessen vorheriger Brief ihn nie erreicht habe. Es sei weniger schlimm, dass seine libri variarum lectionum ihn erst so spät erreicht haben, weil sie sowieso unter seinem Niveau seien. Wenn er gewusst hätte, dass Camerarius seine Werke so sehr begehre, dann hätte er sie ihm direkt per Express geschickt. Vielleicht habe es an den Händlern gelegen, die nicht genug Profit in dieser Ware sahen und sie daher nicht transportieren wollten.

Darüber, dass ihn jemand (Marc-Antoine Muret, siehe voriger Brief) in einem Buch persönlich angegriffen habe, sage er, dass er diese Person weder jemals getroffen noch in irgendeiner Form beleidigt habe. Er gebe generell darauf acht, bei Meinungsverschiedenheiten mit anderen Gelehrten höflich zu bleiben, daher komme diese Schmach umso unerwarteter, was ihn doch sehr verstört habe. Auch wenn er (Murets) verleumderische Aussagen zugunsten all der geschmähten antiken und aktuellen Autoren mit Leichtigkeit hätte widerlegen können, da dieser Mann selbst wohl kaum perfekt sei (ἄλλων ἰατρὸς αὐτὸς ἕλκεσιν βρύων, Euripides, Fragment 1085, 2), habe am Ende sein mildes Gemüt obsiegt. Außerdem habe Vettori, wie auch viele italienische Gelehrte ihm geraten hätten, diesem Mann nicht die Genugtuung einer Antwort geben wollen, da er es vielleicht gerade auf einen solchen Streit angelegt habe, um daraus für sich Bekanntheit zu erlangen. Er meine, dass Camerarius einerseits genügend ihm freundlich gestimmte Leute habe, die für ihn Partei ergreifen könnten, und dass diese Anschuldigungen andererseits zu haltlos und ungefährlich seien, um ernsthaft auf sie zu reagieren. Auch Philemon habe in einem solchen Fall schon zum Schweigen geraten (ἥδιον οὐδὲν οὐδὲ μουσικώτερον / ἔστ’ ἢ δύνασθαι λοιδορούμενον φέρειν· / ὁ λοιδορῶν γάρ, ἂν ὁ λοιδορούμενος / μὴ προσποιῆται, λοιδορεῖται λοιδορῶν, Fragment 23, 1ff). Falls jemandem dieser Autor zu wenig Gewicht besitze, könne er sich auch nach Timoleon von Korinth richten, der, nachdem er Syrakus von der Tyrannei befreit habe, ein undankbares Schandmaul vollkommen ignoriert habe.

Darüber hinaus habe er noch eine Geschichte zu diesem Menschen zu erzählen: gerade als dessen Buch erschienen war, habe ihn ein Brief von dessen einstigem Freund Denis Lambin erreicht, wonach (Muret) seine noch unveröffentlichten commentarii plagiiert habe. Diesen Brief finde man in einem Sammelband von Briefen, der neulich in Lyon erschienen sei. In ebendiesem finde sich auch der Brief über Lukrez, den Camerarius in seinem vorherigen Brief erbeten habe. Auch ein anderer Brief sei enthalten, mit einer längeren Abhandlung zu einer Stelle im Orestes des Euripides. Falls Camerarius einmal dazu komme, diesen Brief zu lesen, hätte Vettori gerne seine Rückmeldung dazu. Das Beispiel einer Emendation in Ciceros Pro Caelio zeige, dass dieser junge Mann schon öfter anderen vorgeworfen habe, was er selbst getan habe. Außerdem könne die erwähnte Stelle aus Cicero ursprünglich aus Euripides stammen. Dazu finde sich auch bei Aischylos eine ganz ähnliche Stelle, was die von Camerarius vorgeschlagene Lesart noch plausibler mache (οἶκος δ’ αὐτός, εἰ φθογγὴν λάβοι, / σαφέστατ’ ἂν λέξειεν· ὡς ἑκὼν ἐγὼ / μαθοῦσιν αὐδῶ κοὐ μαθοῦσι λήθομαι, Agamemnon 37).

Camerarius‘ Sohn (Joachim) werde er sehr gerne bei sich empfangen und gut auf ihn einwirken, sollte er bei ihm eintreffen. Solange dies noch nicht der Fall ist, werde er ihm einen Brief mit demselben Ziel schreiben (s. Anm. 1).

Bezüglich der Frage, was er im Moment literarisch schaffe: er arbeite im Moment an der Edition eines Kommentars zu Demetrius Phalereus De Elocutione. Den im Vorjahr erschienenen Kommentar zu Aristoteles‘ Ars Poetica kenne Camerarius wohl bereits, da sein Sohn ihm diesen geschickt habe, wie man ihm erzählt habe. Der Brief, der ihn nie erreicht habe, liege wohl noch bei Camerarius. Wenn er ihn erneut versende und den Turriziani übergebe, werde er wohl ankommen. Lebe wohl.

(Maximilian Wolter)

Anmerkungen

1. Hier handelt es sich angesichts der zeitlichen Nähe sehr wahrscheinlich um das im Original erhaltene (und später mehrfach gedruckte) Schreiben Vettoris vom 7. Juni (London, BL, Harley MS 4935, Bl. 19-20; vgl. https://www.aerztebriefe.de/id/00016056).