Turnèbe an Camerarius, 15.05.1555

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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Turnèbe an Camerarius, 15XX1556 JL
Camerarius an Turnèbe, 15591559 JL
Werksigle OCEp 0380
Zitation Turnèbe an Camerarius, 15.05.1555, bearbeitet von Manuel Huth und Alexander Hubert (26.09.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0380
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. L5v-L7r
Zweitdruck in Turnèbe, Opera, 1600
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck Band 3, S. 59
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Adrien Turnèbe
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1555/05/15
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 15.05.(o.J.) (ἀπὸ λευκετίας Μαίου πεντεκαιδεκάτῃ (ἡμέρᾳ)).
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Griechisch
Entstehungsort Paris
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Ἅμα τῷ προσβαλεῖν
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Stilkritik
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:HIWI
Gegengelesen von Benutzer:JS; Benutzer:US
Datumsstempel 26.09.2019
Werksigle OCEp 0380
Zitation Turnèbe an Camerarius, 15.05.1555, bearbeitet von Manuel Huth und Alexander Hubert (26.09.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0380
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. L5v-L7r
Zweitdruck in Turnèbe, Opera, 1600
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck Band 3, S. 59
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Adrien Turnèbe
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1555/05/15
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 15.05.(o.J.) (ἀπὸ λευκετίας Μαίου πεντεκαιδεκάτῃ (ἡμέρᾳ)).
Sprache Griechisch
Entstehungsort Paris
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Ἅμα τῷ προσβαλεῖν
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Stilkritik
Datumsstempel 26.09.2019


Regest

Als Turnèbe den Brief des Camerarius (vom 13.03.1555) erhalten habe, da schien ihm ein göttlicher Traum zu kommen, sodass er glaubte, nicht aufgewacht zu sein und noch zu schlafen. Woher sollte der große Camerarius ihn kennen? Und wenn er ihn kenne, warum sollte er einen Unwürdigen für seines Briefes würdig erachten? Schließlich habe ihn großer Schwindel übermannt und er habe das Bewusstsein verloren.

Als er wieder zu sich gekommen sei, sei ihm die ganze Sache klar geworden: Denn was er im Traume nicht zu hoffen gewagt hatte, sei ihm nun tatsächlich geschehen. Als er dies erkannte, erfüllte ihn unsagbar große Freude, die das Maß nicht wahren konnte, was ja auch als Produkt einer undankbaren und mürrischen Stimmung erschienen wäre, das Übermaß dagegen Produkt einer wohlwollenden, die sich der Ehre wohl bewusst ist.

Er aber rechne den Tag, an dem ihn Camerarius' wunderbares Schreiben erreicht habe, unter die glücklichsten seines Lebens. Wie könnte er da die Wohltat vergessen und sich nur arm und kleinlich freuen? Wie Städte einige Festtage begingen, um an große Erfolge zu erinnern, und sie jährlich feierten, so werde er selbst jedes Jahr immer wieder diesen Tag feiern und den Brief wie das kostbarste Kleinod bewachen und jedem, der ihm begegne, zeigen, da er keinen habe, der knapper oder schöner sei.

Manche Liebhaber von Altertümern stellten alte Münzen oder Becher oder verstümmelte Statuen in ihre Schatzkammern und präsentierten sie stolz den anderen; manche Reiche frohlockten über indische Steine oder Perlen; auf dieselbe Weise werde er selbst jene Kostbarkeit und ihren Anhang (ein Gedicht auf die Geburt Jesu, s. Anm.), der von göttlicher Inspiration zeuge, aufbewahren und voller Freude allen zeigen.

Während er Camerarius' Schrift gelesen habe, habe ihn mit einem Mal die Kraft und Gewalt seines Stils überfallen, und er habe zuerst nicht gewagt zu antworten, wenngleich es unschicklich gewesen wäre, zu schweigen, und er erröte nun, da er nicht mit einer ebenbürtigen Schrift antworten könne. Dennoch habe er es vorgezogen, seine Unbildung zu bekennen.

So habe er den Brief nun in die Länge gezogen und Camerarius auf diese Weise verhöhnt, vielleicht notwendigerweise; er selbst sei entschuldbar, Camerarius aber zu tadeln, der nun ein selbstverschuldetes Übel in der Hand habe. Solches geschehe nämlich, wenn man Geschwätzige herausfordere.

(Alexander Hubert)

Anmerkungen

  • Am 13.3.1555 hatte Camerarius Turnèbe das erste Mal angeschrieben. Bei dem vorliegenden Brief handelt es sich um die Antwort Turnèbes darauf.
  • "jene Kostbarkeit und ihren Anhang": In ebendiesem Brief schreibt Camerarius, er sende Turnèbe anbei einige eigene Verse.