Kepler, In Opus Revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei Dialogus, 1598

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 1033
Zitation In Opus Revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei Dialogus inter hospitem et doctum quempiam, bearbeitet von Alexander Hubert (02.06.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_1033
Name Johannes Kepler
Status Übersetzer
Übersetzter Autor Joachim Camerarius I.
Sprache Latein
Werktitel In Opus Revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei Dialogus inter hospitem et doctum quempiam
Kurzbeschreibung Handschriftliche lateinische Übersetzung von Camerarius' handschriftlichem griechischen Werbegedicht auf Kopernikus' Schrift "De revolutionibus" in 16 Distichen in Dialogform.
Erstnachweis 1598/12/22
Bemerkungen zum Erstnachweis Das Entstehungsdatum ist unter dem Gedicht notiert.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Übersetzung; Astronomie
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Kopernikus, De revolutionibus, 1543
Überliefert in
Druck Kopernikus, De revolutionibus, 1543
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? ja
Incipit H. Quid libri video? D. Novus est. H. Et quae nova profert?
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand validiert
Wiedervorlage nein
Bearbeiter Benutzer:HIWI
Gegengelesen von Benutzer:MG
Bearbeitungsdatum 2.06.2022
Opus Camerarii
Werksigle OC 1033
Zitation In Opus Revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei Dialogus inter hospitem et doctum quempiam, bearbeitet von Alexander Hubert (02.06.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_1033
Name Johannes Kepler


Übersetzter Autor Joachim Camerarius I.



Sprache Latein
Werktitel In Opus Revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei Dialogus inter hospitem et doctum quempiam
Kurzbeschreibung Handschriftliche lateinische Übersetzung von Camerarius' handschriftlichem griechischen Werbegedicht auf Kopernikus' Schrift "De revolutionibus" in 16 Distichen in Dialogform.
Erstnachweis 1598/12/22
Bemerkungen zum Erstnachweis Das Entstehungsdatum ist unter dem Gedicht notiert.


Schlagworte / Register Übersetzung; Astronomie
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Paratext zu Kopernikus, De revolutionibus, 1543
Überliefert in
Druck Kopernikus, De revolutionibus, 1543
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Gedicht? ja
Incipit H. Quid libri video? D. Novus est. H. Et quae nova profert?
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Bearbeitungsdatum 2.06.2022


Text

Der Text folgt Seck/Balzert 2020, 146.


In Opus Revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei Dialogus inter Hospitem et Doctum quempiam.


H. Quid libri video? D. Novus est. H. Et quae nova profert?

D. Plurima. H. An et bona sunt? D. Optima cuncta puto.

H. Cerno geometricas ex omni parte figuras

Quique notat numeros plurimus extat apex.

D. Ergo geometricas indoctum reicit artes

Fertque tua titulum de fore, summe Plato.

Innumeras sapientiae opes complexus. H. An ultra

Pauca mihi integrum est quaerere? D. Quaere feres.

H. Coelorum liber iste refert ex ordine motus?

Tellurem omnipatens an per inane rotat?

D. Utrumque. H. Obsecro, quanam ratione? D. Libellum

Hunc age perlustra singulaque ipse vide.

H. Iuppiter, hocce quid est monstri? Terram ergo per orbes

Credendum est vere volvier aerios?

At media mundi Sol in regione quiescit?

Custodita Iovis ceu sacra flamma sinu?

Hem versas rerum facies: Non iam occidit ultra

Pleias, aut solito volvitur igne Canis.

D. Indoctis equidem mirum doctrina, coorti

Ex admirando sunt studium atque labor.

Non ergo o hospes solum mirere, nec ante,

Quod faciunt stulti, quam legis obloquere.

Omnia percurras iterumque iterumque revolvens

Quidque sibi multum praemeditere, velint.

Proderit et veteres Megarensis noscere sensus

Atque Syracosii talia scripta senis.

Ipse etiam Pelusiacus non pauca priorum

Peccata in melius, dissonus ipse, dedit.

Aut igitur fateare bonum, hunc discasque laborem

Aut, si despicias, his meliora para.

Hic tamen authoris, Musarum cura, libellus

Famam inter doctos proferet usque viros.


I(ohannes) K(epler) vertit 22 dec. 98.

Widmung und Entstehungskontext

Der Entstehungskontext ist unklar. Vermutlich fand Kepler Camerarius' griechisches Gedicht handschriftlich in einem Exemplar von Nikolaus Kopernikus' "De revolutionibus"; dafür spricht, dass er sein Gedicht ebenfalls wie Camerarius auf einem vorderen Vakatblatt eintrug. Möglicherweise kursierte das Gedicht aber auch in anderer Form unter den Gelehrten seiner Zeit.

Aufbau und Inhalt

Das Gedicht ist eine Übersetzung von Camerarius' griechischem Werbegedicht für Kopernikus' "De revolutionibus".

Der Form nach handelt es sich bei dem Gedicht um einen Dialog zwischen einem Gelehrten (doctus) und einem hospes, also einem Gast, einem Fremden oder (nach Seck/Balzert 2020, 376 sowie Gingerich in KGW XII, 418) einem Laien. Letzterer ist offenbar bei dem Gelehrten zu Besuch und sieht dort eine druckfrische Ausgabe von Kopernikus' Schrift "De revolutionibus". Auf die Frage des hospes nach dem Buch, zunächst, was für eines es sei, dann, ob es gut sei, entspannt sich ein Gespräch.

Offenbar beginnt der Laie nun, in dem Buch zu blättern, wobei ihm die zahlreichen geometrischen Abbildungen (geometricas ... figuras, V. 3) und mathematischen Tabellen (quique notat numeros plurimus ... apex, V. 4) auffallen. Der Gelehrte antwortet daraufhin mit einem Verweis auf Platons Akademie und deren Motto ἀγεωμέτρητος μηδεὶς εἰσίτω, das auch für dieses Buch gelte: Ein mathematisch Ungebildeter kann es also kaum verstehen. Es stecke jedoch voll unendlicher Weisheit (Innumeras sapientiae opes complexus, V. 7).

Der hospes fragt nun, ob es in dem Buch um die Bewegungen des Himmels oder die Pfade der Erde gehe (Coelorum ... refert ex ordine motus? / Tellurem omnipatens an per inane rotat?, V. 9f.; vielleicht ist damit gemeint, ob das Buch von Astronomie oder Geographie handele, so Gingerich 2002, S. 355). Auf die Antwort des Gelehrten, dass beides enthalten sei, bittet der Laie um mehr Informationen; der Gelehrte bietet ihm an, das Buch mitzunehmen und zu lesen. Da stößt der hospes, der wohl die ganze Zeit weiter in dem Buch geblättert hat, auf die Grundthese der neuen Himmelsmechanik, die ihn schockiert (Iuppiter, hocce quid est monstri?, V. 13): Die Erde steht nicht mehr im Mittelpunkt der Welt, sondern kreist (per orbes / ... volvier, V. 13f.) um die Sonne, die unbeweglich im Mittelpunkt steht (At media mundi Sol in regione quiescit?, V. 15). Auch die Pleiaden und Sirius stehen im neuen Modell still (Non iam occidit ultra / Pleias, aut solito volvitur igne Canis, V. 17f.). Kurz: Alles ist im Vergleich mit dem geozentrischen Weltbild verkehrt (Hem versas rerum facies, V. 17). Die Szene lässt sich am Buch gut nachvollziehen: "De revolutionibus" ist tatsächlich voll von Tabellen; die Seite dagegen, die die Grundlagen des neuen Modells darstellt und den Gast des Gelehrten so schockiert, dürfte Bl. 9v sein, die eine Abbildung des heliozentrischen Universums zeigt. Die Bahn der Erde ist beschriftet mit Telluris cum orbe lunari annua revolutio, die Fixsternsphäre mit Stellarum fixarum sphaera immobilis, sodass es dem Betrachter beim schnellen Durchblättern durchaus möglich ist, diese Grundlagen schnell zu erfassen.

Der Gelehrte hält dem Laien daraufhin einen sieben Distichen langen Vortrag ganz im Stile des angesprochenen platonischen Mottos: Ungebildeten erscheine alles Gelehrte wunderlich (indoctis equidem mirum doctrina, V. 19) und aus dem Staunen sei ja auch das Lernen hervorgegangen (coorti / ex admirando sunt studium atque labor, V. 19f.; vgl. Aristoteles, Metaphysik 982 b 12f.). Er aber, der Laie, solle sich zuerst die mathematischen Grundkenntnisse verschaffen, indem er Euklid, Archimedes und Ptolemaios studiere (vgl. V. 25-27), bevor er das Buch kritisiere; dann solle er die Theorie akzeptieren oder eine bessere vorlegen. Dem Kopernikus aber werde sein Buch bei den Gelehrten ewigen Ruhm bringen (Hic tamen authoris, Musarum cura, libellus / famam inter doctos proferet usque viros, V. 31f.).

Überlieferung

Kepler trug das Gedicht handschriftlich auf einem vorderen Vakatblatt seines Exemplars von Kopernikus' "De revolutionibus" ein. Dieses befindet sich heute in der UB Leipzig, Sign. Libri.sep.577-r.

Forschungsliteratur

  • KGW XII (1990), 257 und 417-419
  • Seck/Balzert 2020, 146f. (lat. Text und dt. Üs.) und 372-378 (Kommentar mit griech. Text).
  • Kepler, Johannes; Camerarius, Joachim: In opus revolutionum Nicolai Copernici Torunnaei dialogus, in: Noscemus Wiki, URL: http://wiki.uibk.ac.at/noscemus/In_opus_revolutionum_Nicolai_Copernici_Torunnaei_dialogus (last revision: 07.11.2021).
  • Gingerich 2002, 128 und 135-137 zu den Exemplaren von "De revolutionibus" in Parma und ehem. Sammlung Beltrame mit den handschriftlichen Gedichteinträgen von Camerarius; 356-361 u.a. mit dem griech. und lat. Text inklusive engl. Üs.