Kategorie: Briefwechsel-Adrien Turnèbe

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Allgemein zum Briefwechsel

Zentrale Themen und Konstellationen

Die Struktur des Briefwechsels

Der erhaltene Briefwechsel gliedert sich in zwei Phasen, von denen die erste 1555 mit Camerarius' erstem Brief an Turnèbe vom 13. März beginnt und 1560 mit Turnèbes Schreiben vom 23. Mai endet. Diese Briefe sind vollständig oder zumindest in großen Teilen auf Griechisch verfasst.

Die zweite Phase beginnt nach einer Lücke, in der wohl tatsächlich keine Briefe entstanden sind, im Jahr 1564 mit einem Brief von Turnèbe vom 1. Juni. Der letzte Brief ist ein undatiertes Schreiben von Camerarius, das zwischen 1564 und 1565 eingeordnet werden kann. In dieser Zeit bedienen sich beide hauptsächlich des Lateinischen als Briefsprache.

Der Briefwechsel zwischen Joachim Camerarius und Adrien Turnèbe könnte vollständig überliefert zu sein: Zumindest gibt es in den erhaltenen Briefen keinerlei Hinweise auf weitere verlorene Schreiben; auch für den Zeitraum zwischen 1560 und 1564 erscheint es aus politischen Gründen (erster Hugenottenkrieg) plausibel, dass dort tatsächlich keine Briefe entstanden.

Die erste Phase (1555-1560)

Mit seinem Brief vom 13.03.1555 eröffnet Joachim Camerarius den ersten Teil des Briefwechsels mit dem Pariser Humanisten und Drucker Adrien Turnèbe. Das erste Thema ist dabei die Liebe zur griechischen Sprache, die beide gemeinsam haben; Griechisch ist dabei auch Briefsprache. Camerarius preist Turnèbes Kenntnis des Griechischen und erzählt, wie er in seiner Jugend bei Richard Croke Griechisch gelernt habe und die Sprache so früh zu schätzen lernte; Turnèbe erwidert das Lob und zeigt sich überaus offen für eine regelmäßige Korrespondenz. Indem Turnèbe mit seinem ersten Antwortschreiben Camerarius' Freundschaftsangebot akzeptiert, besiegelt er die Humanistenfreundschaft und wird von Camerarius folgerichtig ab dem dritten Brief als Freund (amicus, φίλος) adressiert.

Durch Camerarius' Klage über seine eigene Situation und seinen Lobpreis Frankreichs schwenkt das Thema um in Richtung französische Politik. Hier gewinnen die konservativen Mitglieder der Sorbonne an Bedeutung; Gelehrte des Collège de France wie Turnèbe geraten ebenso wie die Hugenotten unter Beschuss. Dies steigert sich bis hin zum Edikt von Écouen, das zur Folge hat, dass Häretikern direkt ohne Prozess die Todesstrafe droht. Den Schrecken der Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen schildert Turnèbe. Während dieser Zeit wird nicht nur Turnèbes wissenschaftliche Tätigkeit eingedämmt, sondern auch seine Korrespondenz mit Camerarius, der ja Protestant ist, wird spärlicher. Briefsprache ist zum Ende dieser ersten Briefwechselphase immer noch das Griechische, möglicherweise auch, um unerwünschten Dritten das Verständnis der für Camerarius oder Turnèbe eventuell gefährlichen kritischen Inhalte zu erschweren; dass Camerarius Griechisch als eine Art Geheimsprache verwendet sehen wir etwa in einem Brief an Hieronymus Baumgartner, in dem er auf Griechisch die Verwendung von unsichtbarer Tinte ankündigt. Die letzte Neuigkeit, die wir den Briefen der ersten Phase entnehmen, ist der Tod Philipp Melanchthons 1560.

Die zweite Phase (1564-1565)

In der zweiten Phase ist die Sprache der Briefe Latein. Der Erste Hugenottenkrieg ist vorbei, Turnèbe kann wieder frei arbeiten. Die Zeit des Bürgerkriegs hat er mit Studien "im stillen Kämmerlein" überstanden, die er nun in die "Adversaria" (Erster Band 1564 gedruckt) kondensiert; darin erwähnt er auch Camerarius positiv (Erster Band, Bl. 29v, 63v, 151r, 166v).

Camerarius wünscht Frankreich nach Kriegsende alles Gute für die Zukunft und hofft auf ein erneutes Aufleben der Studien. Er hat sich zwischenzeitlich der Beschäftigung mit Plutarch gewidmet, was letztlich zum Druck seines lateinischen Plutarchs von 1565 führt, in dem Camerarius Turnèbes annotierte Übersetzung von "De oraculorum defectu" (Erstdruck 1556) mit einer eigenen zu "De E apud Delphos" verbindet.

1565 stirbt Adrien Turnèbe, was dem Briefwechsel der beiden ein erzwungenes Ende setzt.

(Alexander Hubert)

Editionen und Literatur

Die hier aufgenommenen Briefe wurden alle noch im 16. Jahrhundert gedruckt. Zu den Ausgaben vgl. die jeweiligen Briefseiten. Nur zu Turnèbes Schreiben vom 23.05.1560 ist auch das handschriftliche Original erhalten (Paris, BNF, Ms. Suppl. grec. 1361); der Text wurde in Freytag 1831, S. 66-68 und Astruc 1945 ediert.

Weitere Briefe sind nicht bekannt.

Überlieferung und statistische Übersicht

Insgesamt wurden 11 Briefe in die Datenbank aufgenommen. Davon wurden

  • 6 von Camerarius verfasst.
  • 5 an Camerarius geschrieben.

Im Rahmen des Projektes wurden nur die zeitgenössisch gedruckten Briefe erfasst. Die folgenden statistischen Daten bilden daher möglicherweise nur einen Ausschnitt eines unter Umständen ohnehin nicht vollständig überlieferten Briefwechsels ab und dienen somit eher der Orientierung. Um sie aufzurufen, drücken Sie bitte unten auf "Semantic Drilldown".


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