Camerarius an Ellinger, 06.09.1570

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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kein passender Brief gefunden

Werksigle OCEp 1237
Zitation Camerarius an Ellinger, 06.09.1570, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (22.01.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1237
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 448-450
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Andreas Ellinger
Datum 1570/09/06
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Binas literas tuas accepi, ex quarum prioribus intellexi
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 22.01.2021
Werksigle OCEp 1237
Zitation Camerarius an Ellinger, 06.09.1570, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (22.01.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1237
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 448-450
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Andreas Ellinger
Datum 1570/09/06
Datum gesichert? nein
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Binas literas tuas accepi, ex quarum prioribus intellexi
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Datumsstempel 22.01.2021


Hinweise zur Datierung

Die Datierung des Briefes basiert auf den Angaben im Druck. Viele der in den Druckausgaben vorgenommenen Datierungen sind allerdings unzuverlässig.

Regest

Camerarius habe zwei Briefe von Ellinger erhalten. Aus dem ersten habe er erfahren, dass sein Sohn Joachim ihn auf seiner Reise angetroffen habe. Worüber sie sich unterhalten hätten, habe er sowohl von Ellinger als auch aus dem Brief seines Sohnes (s. Anm.) erfahren.

Dass Ellinger so große Schwierigkeiten habe und sich in einer gefährlichen Situation befinde, tue Camerarius sehr leid, nicht nur um seinetwillen, sondern auch weil derartige Auseinandersetzungen rufschädigend seien (? ad quandam communem pertinent ignominiam). Er habe bemerkt, dass diejenigen, die sich über die erlittenen Beleidigungen beklagten, sehr wütend seien. Vor allem einer von ihnen (unbekannt), der neulich diese Verse zum Lesen erhalten habe, durch deren Verbreitung so große Unruhe entstanden ist, sei - so sehe es auch Camerarius, - mit so scharfen Versen angegriffen worden, dass er den Angriff kaum übergehen konnte und durfte. Jeder könne aber selbst entscheiden, welchen Weg er zu seiner Verteidigung beschreite. Camerarius wünschte, man könnte ein versöhnendes und schmerzloses Heilmittel für dieses Übel finden. Solche Heilmittel seien, wie Ellinger wisse, milder und ungefährlicher. Dass Camerarius etwas von sich aus unternehme, sei weder angemessen noch hilfreich. Was Ellinger über diese Handschrift (χειρόγραφον) schreibe, sei unerheblich (oder leichtsinnig: leve), und er dürfe eine derartige Verteidigungsstrategie nicht anstreben. Denn es würde ja nichts nützen, dass sich das Schriftstück nicht (mehr) im Besitz der Gegenseite befinde, wenn doch die Wahrheit über den Verfasser (sc. Ellinger?) ans Licht gebracht werden könne? (Unsicher:) Die Situation könne sich verschlimmern, wenn er sie unter den Tisch kehren wolle. Er halte es für den einzig richtigen Weg, dass der, den man vor den Kopf gestoßen habe (denn man müsse bei der Wahrheit bleiben), gemäß Horaz (vgl. Horaz, c. 1,16,27f.) zum Freund werde, die Vorwürfe zurückgenommen würden und er ihm wieder sein Herz schenke. So werde der Verfasser wirklich ein anderer sein, und zwar ein anständiger Christ, der am Altar spendet und vorangeht, indem er als erster die Versöhnung mit dem Beleidigten sucht. Denn Ellinger wisse wohl, dass Jesus Christus den Menschen bei seinem Tod den Frieden als kostbarstes Geschenk hinterlassen habe. Und diejenigen, die sich für Christen halten wollten, müssten um Vergebung für ihre Verfehlungen bitten, ihre Rivalitäten aufgeben und auf jede erdenkliche Weise dafür sorgen, dass keine Feindschaften mehr zwischen ihnen entstünden oder, falls dies doch geschehen sei, sie schnell beendet würden. Deshalb glaube Camerarius, dass Ellinger an denjenigen, der von diesen Versen betroffen sei, schreiben und ihm darlegen müsse, dass sie in Wut und unüberlegt entstanden seien und nicht in der Absicht, jemandem Unrecht zu tun oder in Verruf zu bringen. Außerdem müsse er bekunden, dass er diesen Mann, wie es sich gehöre, für anständig und gelehrt halte, und versichern, dass von nun an niemand mehr von Ellinger etwas anderes über ihn hören werde. Als guter Christ müsse Ellinger glaubhaft darum bitten, dass sie sich aussöhnten, ihren Streit beilegten und er künftig seinen Freundschaftsdiensten nachkommen werde. Er müsse glaubhaft zeigen, dass er hoffe, auch der Beleidigte werde sich auf sein christliches Herz besinnen und sich um brüderliche Liebe kümmern und sich darüber freuen, dass Ellinger versuche, dieses Übel zu beseitigen und ihn zu besänftigen, und daß er weiterhin versuche, diese Wunde mit einem milden und ungefährlichen Heilmittel zu heilen.

Dies seien seine Gedanken, die Ellinger vielleicht beim Beilegen des Streites hilfreich sein könnten. Er bitte ihn, diesen Vorschlag gut aufzunehmen.

Lebewohl.

(Anne Kram / Manuel Huth)

Anmerkungen

  • Brief seines Sohnes: Aus dem Jahr 1570 sind keine Briefe des jüngeren Joachim an seinen Vater erhalten.

Literatur und weiterführende Links