Camerarius an Ellinger, 05.05.1570

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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 Briefdatum
Camerarius an Ellinger, 06.09.15706 September 1570 JL
Werksigle OCEp 1235
Zitation Camerarius an Ellinger, 05.05.1570, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (14.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1235
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 445-447
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Andreas Ellinger
Datum 1570/05/05
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod literis tuis amantissime ad me, simulque elegantissime scriptis
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 14.03.2021
Werksigle OCEp 1235
Zitation Camerarius an Ellinger, 05.05.1570, bearbeitet von Manuel Huth und Anne Kram (14.03.2021), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1235
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 445-447
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Andreas Ellinger
Datum 1570/05/05
Datum gesichert? nein
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod literis tuis amantissime ad me, simulque elegantissime scriptis
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Datumsstempel 14.03.2021


Hinweise zur Datierung

Die Datierung des Briefes basiert auf den Angaben im Druck. Viele der in den Druckausgaben vorgenommenen Datierungen sind allerdings unzuverlässig.

Regest

Camerarius habe Ellinger bisher aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit, anderer Aufgaben und ihn quälender Sorgen nicht wie geplant geantwortet, wolle dies nun aber nicht länger aufschieben, da ihn diese Probleme wohl niemals verlassen würden. Seine Krankheit gehöre zu der Art, die erst mit dem Leben (des Erkrankten) endeten; seine Aufgaben häuften sich (immer weiter) an und täglich gebe es neue Gründe, sich erhebliche Sorgen zu machen. Er habe nun irgendetwas schreiben wollen und hoffe, dass Ellinger es wohlwollend aufnehme.

Aufgrund ihrer Freundschaft bedauere er, dass Ellinger – wie er geschrieben habe – einigen Ärger und Schwierigkeiten habe und dort (in Jena) von einigen Leuten Missgunst erfahre. Aber Ellinger wisse ja, dass der Hass und die Missgunst von vielen gewöhnlich die guten und anständigen Menschen treffe. Da dieses Los schon immer die herausragenden Männer betreffe, müsse auch er es gelassen ertragen und folgenden alten Vers bedenken: Guter Mut im Unglück mache das Übel um die Hälfte leichter (Plautus, Pseudolus 452). Ellinger sehe also, in welchen Zeiten sie lebten.

Ellingers Fachgebiet (die Medizin) kenne viele Ausprägungsformen derselben Krankheit, die alle den Namen „Typhos“ tragen (s. Anm.). Aber der hiesige, sich in vielen Gestalten zeigende Typhos sei eher eine Form von leichtsinniger Schamlosigkeit und törichter Tollkühnheit. Diese geistige Ausprägungsform der Krankheit sei viel schwieriger zu behandeln als jene Erkrankung des Körpers. Da einige aufrührerische Menschen (s. Anm.) mit allen Kräften versuchten, den Ruf Unschuldiger zu beschädigen, den Frieden zu zerstören, die Menge aufzuwiegeln und die Sitten zu lockern, indem sie mit solchen Aktionen einen glühenden Eifer gegen die Religion an den Tag legten, könne er dies nur als den Schrecken eines bevorstehenden Sturms bezeichnen, mit dem Gott diese Gebiete strafe. Er werde weiterhin beten, dass Gott dessen Heftigkeit mildere, da er nicht wisse, wie er sonst zur Stabilisierung der Lage beitragen könne. Auch Ellinger solle guten Mutes sein, denn irgendetwas Göttliches sei auch jetzt noch geblieben, wie er hoffe, auch bei ihnen – denn so habe er den alten Vers abgewandelt (vgl. Ps.-Pythag. carm. aur. 62). Niemand könne nun mehr etwas Brauchbares sagen, ohne sich schikanöser Anklagen und sophistischer Hetze auszusetzen. Aber Camerarius wolle Ellinger nicht länger aufhalten.

So, wie es Camerarius tue, so möge auch Ellinger gleichsam das Schiff seiner Angelegenheiten, während draußen auf dem Meer ein Unwetter tobe, unter das schützende Dach der schönen Künste und Wissenschaften lenken. Er möge zu Gott beten und die Situation ertragen. Denn derjenige sei der beste Mann, wie ein altes Drama Menanders berichte, der das meiste Unrecht zu ertragen wisse (vgl. Men. Georg. fr. 3 FCG IV, p. 96). Aber er verliere mehr Worte darüber, als er müsste, wo doch Ellinger ein so gebildeter Mann sei.

Vermutlich sei Ellinger die Urkunde (unklar; publicae testimonii literae) überbracht worden. Ellinger werde den Brief (sicherlich) gut aufnehmen. Unter diesen Umständen habe Camerarius ihn nicht besser und schöner ausarbeiten können.

Beste Wünsche und herzliche Grüße an Ellinger und seine Familie. Lebewohl.

(Anne Kram / Manuel Huth)

Anmerkungen


Literatur und weiterführende Links