Camerarius an Anton von Ortenburg, 09.09.1571

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Anton von Ortenburg, 01.09.15671 September 1567 JL
Camerarius an Anton von Ortenburg, 08.08.15668 August 1566 JL
 Briefdatum
Camerarius an Anton von Ortenburg, 01.08.15721 August 1572 JL
Werksigle OCEp 1418
Zitation Camerarius an Anton von Ortenburg, 09.09.1571, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1418
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Xenophon, De Cyri regis Persarum vita atque disciplina, 1572
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-E2r
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Anton von Ortenburg
Datum 1571/09/09
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datierung am Ende des Briefes: D(ie) IX. M(ensis), anno Christi Iesu, 1571.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Litteras generosae clementiae tuae scriptae Pragae
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Xenophon, De Cyri regis Persarum vita atque disciplina, 1572
Kurzbeschreibung Aus dem Widmungsbrief wird die Kooperation zwischen dem alternden Camerarius und seinem Sohn Ludwig erkennbar. Ludwig sichtet die Manuskripte seines Vaters auf noch noch Unpubliziertes und ermuntert diesen, solche Schriften noch zu veröffentlichen. Camerarius präsentiert die "Kyrupädie" als eine passende Lektüre für einen Staatsmann und verweist auf historische Beispiel von großen Männern, die sich von dieser Schrift inspirieren ließen. Wenngleich sich die Zeitumstände geändert habe, stünden hinter der Schrift allgemeingültige Aussagen. Diese bewahrten ihre Gültigkeit, auch wenn sich historische Handlungsbedingungen veränderten. Ortenburg werde es verstehen, seinen Nutzen aus der Lektüre der Schrift zu ziehen, hinter den Aussagen eigene Vorstellungen erkennen und zur Nachahmung der dargestellten Taten angetrieben werden. Camerarius zeiigt, wie sich seine Übersetzung zu den bereits vorhandenen des Francesco Fiflefo und des Giulio Gabrielli verhalte. Bei seinen Reflexionen zur Übersetzungstheorie erinnert Camerarius daran, dass das Publikum zu berücksichtigen sei, das die Übersetzung in der Zielsprache verstehen müsse.
Anlass
Register Briefe/Widmungsbriefe; Übersetzungstheorie
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Datumsstempel 17.12.2019
Werksigle OCEp 1418
Zitation Camerarius an Anton von Ortenburg, 09.09.1571, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1418
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Xenophon, De Cyri regis Persarum vita atque disciplina, 1572
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-E2r
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Anton von Ortenburg
Datum 1571/09/09
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datierung am Ende des Briefes: D(ie) IX. M(ensis), anno Christi Iesu, 1571.
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Litteras generosae clementiae tuae scriptae Pragae
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Xenophon, De Cyri regis Persarum vita atque disciplina, 1572
Kurzbeschreibung Aus dem Widmungsbrief wird die Kooperation zwischen dem alternden Camerarius und seinem Sohn Ludwig erkennbar. Ludwig sichtet die Manuskripte seines Vaters auf noch noch Unpubliziertes und ermuntert diesen, solche Schriften noch zu veröffentlichen. Camerarius präsentiert die "Kyrupädie" als eine passende Lektüre für einen Staatsmann und verweist auf historische Beispiel von großen Männern, die sich von dieser Schrift inspirieren ließen. Wenngleich sich die Zeitumstände geändert habe, stünden hinter der Schrift allgemeingültige Aussagen. Diese bewahrten ihre Gültigkeit, auch wenn sich historische Handlungsbedingungen veränderten. Ortenburg werde es verstehen, seinen Nutzen aus der Lektüre der Schrift zu ziehen, hinter den Aussagen eigene Vorstellungen erkennen und zur Nachahmung der dargestellten Taten angetrieben werden. Camerarius zeiigt, wie sich seine Übersetzung zu den bereits vorhandenen des Francesco Fiflefo und des Giulio Gabrielli verhalte. Bei seinen Reflexionen zur Übersetzungstheorie erinnert Camerarius daran, dass das Publikum zu berücksichtigen sei, das die Übersetzung in der Zielsprache verstehen müsse.
Register Briefe/Widmungsbriefe; Übersetzungstheorie
Datumsstempel 17.12.2019


Regest

Den gelehrten Brief, den Ortenburg aus Prag gesendet habe, sei von Camerarius freudig in Empfang genommen worden. Damals sei er sehr krank gewesen, so dass er nicht habe zurückschreiben können (A2r). Hinzu sei gekommen, dass Ortenburg sich im Gefolge des Kaiser befände und er deshalb nicht die Möglichkeit habe, an einem festen Ort zu verweilen. Camerarius meine, er sei Ortenburg für dessen Hochachtung ihm gegenüber eine Erkenntlichkeit schuldig (A2r/v). Camerarius sei alle Leistungen, die er in seinem Leben hervorgebracht habe, durchgegangen, um ein herausragendes Werk bieten zu können, das dem Empfänger angemessen wäre (A2v). Die schwierige Suche habe eine Antwort verzögert. Camerarius habe lange Zeit nichts Passendes finden können. Sein Sohn Ludwig, den auch Ortenburg kenne, sei jedoch gerade dabei gewesen, die Blätter zu Camerarius' gelehrten Schriften (chartas mearum scholasticarum operarum) durchzugehen. Dieser halte sich derzeit bei seinem Vater auf und halte dies für seine dringlichste Aufgabe. Er glaube, es sei einiges unter diese Blätter geraten, was besser bewahrt werden und zugrunde gehen sollte. Ludwig brachte ihm dann eine Übersetzung der Schrift des Xenophon über das Leben und die Erziehung des Perserkönigs Cyrus, damit er einen Blick darauf werfe (A2v-A3r). Diese habe Camerarius vor vielen Jahren verfertigt, als er diese Bücher kommentierte (ante aliquot annos ab explicante me eos, A3r, Anm. 1). Zudem legte der Sohn ihm den dazugehörigen Kommentar vor. Ludwig habe den Vater dazu ermuntert, dass er, solange es die Gesundheit erlaube, alles durchsehen und korrigieren solle, so dass es veröffentlicht werden könne. Camerarius sei diese Gelegenheit sehr willkommen gewesen und er habe an diese kleinen Werke Hand angelegt in der Meinung, dass sie Ortenburgs nicht unwürdig seien und dass hierin enthalten sei, was dieser erwarte: Denn alles, was für einen Staatsmann zu wissen nützlich sei, werde in diesen Büchern gezeigt oder wenigstens angedeutet. Freilich passten nicht alle Lehren zu allen Zeiten und zu allen menschlichen Lebensumständen. Aber dennoch gebe es etwas Allgemeingültiges, was eine vielfältige Umsetzung erlaube und was von den Interessierten auf ihre Gegenwart übertragen lasse. Was von Natur aus wahr sei, unterliege nicht dem menschlichen Willen. Diejenigen, die dies erkannt hätten und auch über Hässliches und Schädliches richtig urteilten, seien von den Griechen "besonnen" (φρόνιμοι) genannt worden (A3r/v). Diese Personen hätten auch den überzeitlichen Wert der Tugend verfochten. Die Tugend hätten sie auf Personen und Handlungen übertragen. Camerarius wisse, dass Beispiele nicht gänzlich die Feinheit von Worten zu erläutern vermögen. Er wisse jedoch, dass die Gelehrsamkeit Ortenburgs solche Beispiele leicht aufzunehmen vermag. Scipio Africanus habe als politischer Entscheidungsträger unter den sich ihm bietenden Wirkungsbedingungen sicherlich nicht dieselbe Handlungsposition innegehabt wie Cyrus. Dennoch sei er durch dessen Vorbild angeregt worden. Hätte Scipio aber nicht die Nützlichkeit dieses Modells erkannt, hätte er nicht solche Mühe in die Lektüre der Erzählungen Xenophons über Cyrus gesteckt. Auch Cicero habe diese Bücher verschlungen, die spätere Entwicklung des Staates habe seine Handlungsmöglichkeiten jedoch eingeschränkt. Ortenburg werde allerdings aufgrund seines Charakters diese Schriften als nicht zu verachtende Hilfsmittel zum Ruhm auffassen und mit Genuss lesen (A3v-A4r). Er werde es verstehen, wie die Bienen das Nützliche herauszulesen (A4r). Was der aufmerksame Leser dabei aufnehme, seien nicht nur Äußerungen, die in Einklang mit seinen Gedanken und mit seiner Lage stünden, sondern auch Taten, die sich je nach Situation jedes einzelnen zur Nachahmung anbieten. Camerarius kenne keine besseren Lehren für die Lebensführung als diese aus der Feder des Xenophon. Was sich hingegem auf das wahre, himmlische Glück der Christen beziehe, zeige eine andere Schule und die Lehren anderer Bücher auf (A4r/v).
Zwar wisse Camerarius, dass Ortenburgs Bildung es ihm erlauben würde, die griechischen Schriften selbst zu lesen (A4v). Dennoch glaube Camerarius, dass dieser auch gerne zu seiner lateinische Übersetzung greifen werde. Zwar gebe es schon seit langer Zeit eine Übersetzung von Filelfo (Anm. 2). Diese sei als ein erster Versuch zwar nicht zu verachten, dennoch gewinne man den Eindruck, dass es auch noch eleganter und geschliffener gehe. Camerarius sei, als er seine eigene Übersetzung ein zweites Mal zur Hand nahm, noch die Übertragung des Iulius Gabrielius Eugubinus (Giulio Gabrielli) zugetragen worden. Diese werde sowohl den Eigenheiten der lateinischen Sprache als auch der Intention des Autors bestens gerecht. Deshalb habe Camerarius sich nicht nur einmal überlegt, ob man sich durch die Ausgabe seines Werkes das andere wirklich ersparen könne. Er wolle jedoch bei der Absicht, seine Übersetzung herauszugeben, beharren und aus der vergleichenden Betrachtung der beiden, wie dies bei Werken verschiedener Künstler zu demselben Thema der Falls sei, seinen Genuss ziehen. Verschiedene Dinge könnten von gleicher Qualität sein, aber dennoch auf unterschiedliche Weise erfreuen. Wenn Gabriellis Übersetzung erschienen wäre, bevor Camerarius sein Werk verfertigt hätte, hätte er wohl nicht einen solchen Plan gefasst. Aber nachdem er nun mit Mühe seine Wiedergabe vollendet habe, wolle er ihr nun doch lieber ein bleibendes Dasein verleihen (E1r).
Camerarius widmet die Übersetzung Ortenburg. Einige von den Übersetzungen seien schon zu einem früheren Zeitpunkt veröffentlich worden. Diese wollte Camerarius für eine zweite Auflage der "Kyrupädie" anfügen. Ebenso habe er eine Wiedergabe des Büchleins über die Steuern von demselben Autor hinzugegeben. Diese habe er erst vor kurzem erstellt. So erhalte die Sammlung ein größeres Gewicht.
Camerarius lässt einige Gedanken über seine Übersetzungspraxis folgen (E1v-E2r): Er habe sich darum bemüht, das, was auf Griechisch in treffender Weise formuliert war, nicht in einem Latein wiederzugeben, das unpassend und ohne Aussage wäre (non alieno neque futili Latino). Hierbei haben Wortbedeutungen und Eigenheiten der Sprache bewahrt bleiben müssen. Ebenso sei zu bedenken, dass die Sprache nicht nur gelehrt und schmuckvoll sein solle, sondern auch, dass sie von Lesern und Hörern verstanden werden müsse. Auch zu der Erläuterung könnte Camerarius einiges sagen, was jedoch zu weit führen würde (E1r-E2v).

(Jochen Schultheiß)

Anmerkungen

  • Anm. 1: Zur Datierung siehe die Anmerkungen auf der Werkseite zur Übersetzung der "Kyrupädie".
  • Anm. 2: Filelfos 1468 entstandene Übersetzung zur "Kyrupädie" könnte Camerarius etwa aus den bei Nikolaus Brylinger ab 1545 mehrfacht gedruckten Gesamtausgaben zu Xenophon gekannt haben, in die auch seine eigene Übersetzung zu Xenophons Schrift über die Reitkunst ("Περὶ ἱππικῆς") aufgenommen war.

Forschungsliteratur